24 Dezember 2002 | Lokales

Worte des Wohlwollens



Christen und Atheisten, aber auch Angehörige anderer Religionen tauschen dem christlichen Brauch folgend in diesen Tagen gute Wünsche für die Festtage und im Anschluss für das Neue Jahr aus. Die Wünsche haben entweder eine persönliche Note, wenn sie unverwechselbar und nicht austauschbar auf den Empfänger/die Empfängerin zugeschnitten sind. Oder sie verlassen den Sender serienmäßig und maschinell per Computerdruck und mit vervielfältigter Unterschrift, so dass der Absender die Auswahl der Empfänger seinen Untergebenen überlassen hat. Die guten Wünsche werden sozusagen per "Gießkanne" ausgeschüttet, damit sie viel Breitenwirkung, wenn auch wenig Tiefe erzielen.


Das Zeitalter raffinierter Vervielfältigung verschafft per Knopfdruck die Möglichkeit viel mehr Menschen per E-Mail oder per "computerisierten" Postversand zu erreichen als jemals zuvor, als sich Ehrgeizige hingesetzt haben, jedem Empfänger der ersehnten Weihnachtspost auch tatsächlich einen persönlichen, wenn nicht handgeschriebenen, so doch individuell getippten Brief zu Weihnachten und zum Jahreswechsel zukommen zu lassen. Wo den Teilnehmern im festlichen Gruß- und Botschaftsaustausch die Breitenwirkung der Quantität die Qualität der zeitaufwändigen persönlichen Note aufwiegen soll, entsteht natürlich die Frage, wie weit im Massenversand von Weinachtsgrüßen noch Sinn verbleibt, oder wo Weihnachtskarten wie eine Tageszeitung, kaum gelesen, schon wieder in den Papierkorb wandern.


Und dennoch legt fast jedes Haus, jede Institution großen Wert darauf, einmal im Jahr mit guten Wünschen öffentlich in Erscheinung zu treten.


An öffentlicher Stelle sind Kirchen und Kirchenverbände sowie Politiker besonders gefordert, auf den Kern und Ursprung der Weihnachtsbotschaft zurückzugreifen. Der Namibische Kirchenrat hat die Weihnachtsbotschaft aus dem Lukasevangelium (2,14) wörtlich vorangestellt: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens".


Neben den Worten des Wohlwollens nehmen Politiker wie Premier Theo-Ben Gurirab den Alltag mit in die Botschaft hinein: wie die stets empfindliche Aussöhnung unter den Menschen Namibias praktiziert werden und wie man mit der Landreform umgehen sollte.


Es bleibt für uns alle zu wünschen, dass wir aus den Worten des Wohlwollens und aus der Weihnachtsbotschaft, ganz gleich ob gedruckt und kaum gezeichnet oder mit Nachdruck an den Empfänger gerichtet, genügend Toleranz, Gelassenheit und Weitblick für die nächste Zukunft mitnehmen.

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