02 September 2011 | Kommentar

Wo am besten anfangen?

Das Kabinett hat nun die Empfehlungen der großen nationalen Bildungskonferenz von Ende Juni/Anfang Juli angenommen und dem Bildungsminister als Hausaufgabe zurückgereicht. Es ist eine gewaltige Aufgabenliste. Wo sollen Minister Iyambo und sein Team bei der Fülle an Aufträgen überhaupt ansetzen?
Vor gut sechs Jahren hatte Premier Nahas Angula schon einmal ein Pleite-Geständnis abgelegt, dass das Bildungssystem (Schulen und Hochschulen) nicht annähernd die Leistung und die gesellschaftliche Veränderung mit sich bringe, die sich die Erziehungsplaner der ersten Stunden nach März 1990 (dem Monat der Souveränität) vorgestellt hatten. Daraufhin hat die Regierung in schier panischer Schnelle das Sanierungsprogramm ETSIP (Education and Training Sector Improvement Program) lanciert, einen mittelfristigen Plan erstellt sowie Milliarden zusätzliche Namibia Dollar aus eigenen und aus Spendermitteln der Privatwirtschaft und der internationalen Entwicklungspartner eingesetzt. Trotz des gewaltigen materiellen Einsatzes und des Trommelfeuers um die Schul- und Hochschulbildung wurde nach fünf ETSIP-Jahren deutlich, dass Gelder allein den Karren nicht aus dem Dreck ziehen.
Erfahrene Lehrkräfte und Elternschaften wollen die Frage nach dem Warum nicht mehr hören, weil sie schon soundsoviele Male beantwortet wurde: es fehlt nicht so sehr an Geld, sondern an der Leistungskultur, die kein noch so kluger "expatriate education planner" importieren kann, sondern die aus der Familie, der eigenen Gemeinschaft und Gesellschaft wachsen muss und an etlichen Landesschulen seit Generationen unter jeglichem Regime gediehen ist. Die SWAPO-Regierung hat in ihrer Erneuerungssucht nach 1990 im Schulwesen zuerst einmal das Kind mit dem Bad ausgeschüttet, die südafrikanisch geprägten Pädagogen isoliert und zur Beratung vorzugsweise Skandinavier und Briten ins Land geholt, als ob die allein etwas vom Schulwesen verstünden. Das Rad hat sich nun voll gedreht. Iyambo hat es von den landeseigenen Lehrern und Dozenten bei der Bildungskonferenz Ende Juni selbst erfahren, wo er ansetzen muss. Die automatische Versetzung wird (hoffentlich) abgeschafft, denn damit hat sich das Ministerium (samt seiner ausländischer Berater) zwei Jahrzehnte lang in die Tasche gelogen. Mit den Führungskräften des Schulwesens werden Leistungsverträge abgeschlossen, (die an den guten Schulen natürlich überflüssig sind). Das Ministerium entdeckt die Notwendigkeit der Pflege namibischer Muttersprachen, nach zwei Jahrzehnten der Vernachlässigung und der Litanei, dass das Volk der "westlichen Konsumkultur" verfalle! Das Ministerium will mehr Geschick in das System der Schulfonds bringen, das an manchen Schulen missbraucht wird. Die Teenage-Schwangerschaften an den Schulen sollen auch endlich unterbunden werden.
Ohne Frage, Iyambo meint es ernst. Er kann das Pferd ans Wasser führen, aber es muss dann selbst saufen.

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