24 Januar 2019 | Geschichte

Vor 50 Jahren

23. Januar 1969


KRITIK AN DER „PRETORIA“ UNTERSUCHUNG

Johannesburg - „The South African Pilot”, das offizielle Organ des Pilotenverbandes der südafrikanischen Luftfahrtgesellschaft (SAL), äußerte eine – wenn auch milde formulierte Kritik an dem Ergebnis, zu dem die Untersuchungskommission über das Flugzeugunglück vom 10. April 1968 in Windhoek kam. Die Boeing 707 „Pretoria” war damals, wie es in dem Bericht der Untersuchungskommission heißt, „in den Boden geflogen”. Die Schuld war dem Kommandanten, Flugkapitän E. Smith, und dem Co-Piloten John Holiday zugeschrieben worden. Im Zuge der kritischen Stellungnahme verweist die Zeitschrift auf die „Hölle”, durch die die Ehefrau des Kommandanten und des nach dem Spruch hindurchgegangen sind. Gleichzeitig meinten sie, dass derartige Berichte überall auf der Welt eine schmerzliche Gegebenheit seien.

Unter anderem heißt es in dem Artikel mit der Überschrift „Wie wir es sehen”: „Viele Piloten, darunter einige Senioren in dieser Fluggesellschaft, sind davon überzeugt, dass der Berg von Zeugenaussagen, so sorgfältig zusammengetragen und von der Untersuchungskommission abgewogen, den Unfall nicht völlig erklärt. Wir sind betrübt, weil der Spruch, der naturgemäß eine Schlussfolgerung ist, in gewissen Kreisen als Gewißheit akzeptiert wird.”



DEUTSCHE HANDELSMISSION IN SÜDAFRIKA

Johannesburg - Eine deutsche Handelsmission ist am Mittwoch zu einem zweiwöchigen Besuch in Johannesburg eingetroffen. Sie kann auf die Initiative der Hamburger Handelskammer zurückgeführt werden. Professor Rolf Stodter, der Präsident der Handelskammer, leitet die sechsköpfige Handelsmission. Es ist die erste aus der Bundesrepublik Deutschland.

Professor Stodter erklärte nach seiner Ankunft, Südafrika gilt in Europa als das „reichste und vielversprechendste Land”. Die Handelsmission will sich einen ganz allgemeinen Eindruck der südafrikanischen Wirtschaft verschaffen. Die Mitglieder sind Gäste der deutsch-südafrikanischen Handelskammer und hoffen, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken. Professor Stodter, der Generaldirektor der Deutsch-Südafrika-Linie, prophezeite, dass noch zahlreiche Handelsmissionen in die Republik kommen werden. Im März folgt bereits eine Abordnung der Bundesdeutschen Industriekammer.


AUSNAHMEZUSTAND VERLÄNGERT

Salisbury - Das rhodesische Parlament verabschiedete ein Verfassungsänderungsgesetz am Dienstag in zweiter Lesung, wodurch der Ausnahmezustand im Lande um zwölf Monate verlängert wird. Justizminister D. W. Lardner-Burke erklärte dazu, dies bedeute jedoch nicht, dass das Gesetz während der vollen Zeit zur Anwendung gelange.

Rhodesien wird nach den Worten des Ministers zur Zeit von zwei Seiten bedroht. Einerseits stellen die gegen Rhodesien verhängten Sanktionen eine Bedrohung der Wirtschaft des Landes dar, während andererseits das Leben und die Sicherheit der Menschen des Landes durch die Infiltration von Terroristen gefährdet sind. Bisher gibt es noch kein Anzeichen dafür, dass diese Gefahren geringer werden.


REISEDOKUMENTE FÜR ILLEGALE FLÜCHTLINGE

New York - Der Südwestafrikarat der Vereinten Nationen hat am Mittwoch eine dreiköpfige Delegation ernannt, die Anfang nächsten Monats nach Afrika reisen soll, um dort den Staatsangehörigen ehemaliger Schutzgebiete zu gültigen Reisedokumenten zu verhelfen. Der Rat war zu einer Geheimsitzung zusammengetreten, ehe er die Zusammensetzung der Delegation bestimmt hat.

Diese besteht aus Sir John Carter aus Ghana, Mustafa Abdel Wahaw aus der VAR und dem Rechtsberater Constantin Stavropoulos, dem amtierenden UN-Kommissar für Südwestafrika. Diese Delegation wird die notwendigen Pläne ausarbeiten, um den Südwestafrikarat in die Lage zu versetzen, für illegale Flüchtlinge aus Südwestafrika gültige Reisedokumente auszustellen.

Die Delegation verläßt New York am 3. Februar und wird am 5. Februar in Sambia eintreffen. Anschließend reist sie weiter nach Daressalam und später nach Addis Abeba, um dort mit afrikanischen Außenministern zu konferieren, die am 17. Februar in der Hauptstadt Äthiopiens zu einer Konferenz des Ministerrates der Organisation für Afrikanische Einheit zusammentreten werden. UN-Generalsekretär U Thant wird an dieser Konferenz ebenfalls teilnehmen.

In Lusaka soll das Problem der etwa 1000 Flüchtlinge aus dem Caprivizipfel, die kürzlich nach Sambia geströmt sein sollen, erörtert werden. Sowohl in Lusaka wie auch in Daressalam will die Südwestafrika-Delegation mit Vertretern politischer Parteien und Exilorganisationen verhandeln.

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