15 April 2019 | Afrika

UN warnen vor Angriffen auf Zivilisten in Libyen - Kampfjet stürzt ab

Trotz internationaler Rufe nach einer Feuerpause gehen die Kämpfe in Libyen unvermindert weiter. Immer mehr Zivilisten geraten in die Schusslinie. International ordnen sich die Fronten.

Tripolis (dpa) - Die Libyenmission der Vereinten Nationen (UNSMIL) hat die Kriegsparteien vor Angriffen auf Zivilisten gewarnt. Die Bombardierung von Schulen, Krankenhäusern und zivilen Gebieten sei unter internationalem Recht strengstens verboten, twitterte die Mission am Sonntag. Verstöße würden dokumentiert und an den UN-Sicherheitsrat und den Internationalen Strafgerichtshof weitergeleitet.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Berichte über Angriffe auf medizinisches Personal und Ersthelfer in Libyen gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtete, dass seit Ausbruch der Kämpfe vor zehn Tagen mindestens 121 Menschen getötet und mehr als 560 verletzt worden seien. In Libyen waren zuletzt wieder heftige Kämpfe um die Hauptstadt Tripolis aufgeflammt, nachdem der mächtige General Chalifa Haftar seinen Truppen den Vormarsch auf Tripolis befohlen hatte.

Mit der internationalen Einheitsregierung GNA von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch verbündete Truppen berichteten am Sonntag, sie hätten einen Kampfjet der Truppen von Chalifa Haftar südlich von Tripolis abgeschossen. Ein Kommandant Haftars machte dagegen einen technischen Fehler für den Absturz verantwortlich.

Durch den Absturz kamen allerdings zwei Menschen ums Leben, als der Jet in ein Wohngebiet stürzte, wie ein Anwohner der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Drei weitere Personen seien verletzt ins Krankenhaus gebracht worden.

Durch die Kämpfe nahe der Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben der WHO mindestens 8000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Die Zahl werde vermutlich noch steigen und liege auch höher, weil viele Menschen Unterschlupf bei Verwandten gefunden hätten, sagte Hussein Junis, Leiter des Notfallteams der WHO in Libyen.

In dem ölreichen nordafrikanischen Land konkurrieren zwei Regierungen um die Macht. General Chalifa Haftar ist mit dem Parlament im Osten des Landes verbunden und kontrolliert mit seiner sogenannten "Libyschen Nationalarmee" große Gebiete im Osten und Süden Libyens. Er gilt als mächtigster Gegenspieler von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Dieser wird von den Vereinten Nationen unterstützt, hat jedoch kaum Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis hinaus.

Al-Sarradsch äußerte am Sonntag sein Bedauern über die neuerlichen Kämpfe. "Wir hatten gehofft, heute an einer nationalen Konferenz teilzunehmen, die die Libyer zum Dialog über Wege aus der Krise gebracht hätte", sagte der Regierungschef. "Aber eine Partei versucht, das Land in den Krieg zu stürzen." Am Wochenende hätte eine nationale Versöhnungskonferenz in der Stadt Ghadames unter Vermittlung der Vereinten Nationen stattfinden sollen. Die Konferenz wurde mehr als eineinhalb Jahre vorbereitet, um alle Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. Aufgrund der neuerlichen Kämpfe hatte UN-Sondervermittler Ghassan Salamé die Konferenz auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Kampf sei nicht zwischen Ost und West in Libyen, wie einige behaupteten, sagte al-Sarradsch weiter. "Er wird von Einzelnen aus Machtbesessenheit geführt."

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete von einem Treffen des 75 Jahre alten Generals Haftar mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Kairo. Ägypten gilt neben den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien als Unterstützer Haftars. Al-Sisi betonte bei dem Treffen seine Unterstützung für Haftar und dessen "Kampf gegen Terrorismus und radikale Milizen".

Unter der Parole des Anti-Terror-Kampfes hatte Haftar große Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht. International gibt es große Bedenken, dass das Land nach 2014 erneut in einen umfassenden Bürgerkrieg abdriften könnte. Das Land kommt seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 nicht zur Ruhe.

Italienische Medien berichteten, dass die ehemalige libysche Kolonialmacht am Montag in Rom zu zwei verschiedenen Krisengesprächen einlade.

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