31 Mai 2019 | Leserpost

Symposium als Reklameveranstaltung?

Betr.: Offener Brief an die Bundesregierung (AZ, 13. Mai)

Mit Interesse habe ich den Brief der Organisatoren des Genozid-Symposiums an die Bundesregierung gelesen (AZ 13.Mai 2019). Ferner verfolge ich seit Jahren die Genozid-Diskussion sowie die Forderungen der OTA und Nama Traditional Leaders.

Das Symposium über die deutsche Kolonialzeit fand am 25. und 26. März in den Räumlichkeiten des Goethe Instituts in Windhoek statt. Dabei handelte es sich um nur einen Teil einer Reihe von Veranstaltungen über die Kolonialzeit. Ausgerichtet wurde das Symposium vom European Center for Constitutional and Human Rights, der Akademie der Künste und dem Goethe Institut.

Die Namibisch-Deutsche Stiftung (NaDS) war während des Symposiums konstant mit vier bis fünf Vertretern anwesend. Wir alle haben das Symposium wie eine Marketing-Veranstaltung für die Ovaherero (OTA) und Nama Traditionellen Führer (NTLA) empfunden. Andere, der namibischen Regierung nahestehenden Vertreter dieser Gemeinschaften waren anscheinend nicht anwesend. Es ist schon bemerkenswert, dass die Unterzeichner des Briefes an die Bundesregierung die genannten Organisationen als ihre „Partner“ bezeichnen, denn es fiel kein kritisches Wort über deren Verhalten. Weder wiederholte Drohungen gegen deutschsprachige Farmer noch Sinn und Nutzen der Klage der Ovaherero und Nama in New York wurden in Frage gestellt oder auch nur erörtert.

Dort, wo Vertreter der deutschsprachigen Gemeinschaft Einwände oder auch Richtigstellungen in Detailfragen anführten, wurde dies belächelt oder als „Scheuklappen“, abgetan, die Namibier deutscher Herkunft trügen. Dabei hatte keiner der anwesenden Deutschsprachigen die Verbrechen der Kolonialzeit bestritten oder das Leid der betroffenen Gemeinschaften geschmälert, höchstens die selektiv ausgewählten historischen Quellen kritisiert. NaDS-Vorstandsmitglied Eberhard Hofmann beschrieb daraufhin die Ausführungen des Historikers Jürgen Zimmerer zu Recht als „postfaktisch.“

Die Stimmung gegenüber Namibiern deutscher Herkunft war, sowohl von Seiten der deutschen Veranstalter und Redner als auch der anwesenden OTA- und NTLA Vertreter, ablehnend bis feindselig. Als ich mich in einer Wortmeldung gegen wiederholte verbale Drohungen von Seiten einiger Ovaherero und Nama gegen Deutschnamibier verwahrte, gab es Unruhe im Saal und Zwischenrufe wie „we know where the farms are“. Einzig der namibische Redner John Nakuta von der UNAM betonte an diesem ersten Abend, dass Enteignungen nicht geschehen dürften. Am zweiten Tag fand glücklicherweise Erika von Wietersheim sehr einfühlsame Worte für die schrecklichen Geschehnisse während der Kolonialzeit, die sie in keiner Weise beschönigte. Sie ging mit viel Gefühl darauf ein, wie sie als Person von den Gräueln der Kolonialzeit erfahren hatte. Als einzige sagte sie aber auch deutlich, was von etwaigen Farmbesetzungen und -enteignungen zu halten sei: „it would be illegal“.

Auch von Seiten der NaDS wurde dieser Standpunkt wiederholt betont.

Die geladenen Redner und Moderatoren waren vorwiegend Nicht-Namibier. Insbesondere die Vertreter deutscher Organisatoren gingen nur am Rande auf die laufenden Verhandlungen zwischen Namibia und der Bundesrepublik ein. Für beide Regierungen fanden sowohl Redner als auch das Publikum fast ausschließlich kritische Worte. Es war offensichtlich, dass die Veranstalter - und nun also auch die Unterzeichner des Briefes an die Bundesregierung – die Verhandlungen für einen Fehler halten.

Unterhändler Dr. Zed Ngavirue und Vertreter des namibischen technischen Komitees für Reparationsverhandlungen waren zwar anwesend, meldeten sich aber nicht zu Wort, desgleichen die Vertreter/innen der deutschen Botschaft. Namibische Regierungsmitglieder, die als Redner eingeladen worden waren, hatten im Vorfeld ihre Teilnahme abgesagt. Die Vertreter der drei deutschen Stiftungen in Namibia verließen frühzeitig und geschlossen den Saal.

Man muss es offen sagen - Meinungsfreiheit oder eine gleichberechtigte Diskussion gab es an diesen beiden Tagen nicht. Dies ergab sich schon durch die sehr einseitige Auswahl der Redner. Sie war von Seiten der Organisatoren offenbar auch gar nicht gewünscht. Einige deutschsprachige Namibier hielten sich mit ihrer Kritik sowohl an den Inhalten der Vorträge und Kommentare als auch an den Forderungen auf Ahnenland betont zurück, womit die Veranstaltung noch einseitiger wurde.

Weder diese Veranstaltung noch der nun an die Bundesregierung adressierte Brief der Herren Zimmerer, Odenthal, Henschel und Kaleck können auch nur den geringsten Beitrag zu einer Aussöhnung in Namibia leisten.



Benita Herma

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