18 Januar 2021 | Bildung

Schulschwangerschaften

„Mädchen zum Geschlechtsverkehr gezwungen“

Das Bildungsministerium verzeichnet im vergangenen Jahr zwischen März und September 3 652 Schulschwangerschaften. Die betroffenen Mädchen sollen jedoch teilweise zum Geschlechtsverkehr gezwungen und von erwachsenen Männern ausgebeutet worden sein.

Von NMH und Steffi Balzar

Windhoek

Das Bildungsministerium verzeichnete während der Corona-bedingten Schulschließung zwischen März und September im vergangenen Jahr 3 625 Schulschwangerschaften. Im gesamten Schuljahr davor wurden laut Regierung zwischen 900 und 1 200 Schulmädchen schwanger. Angeführt wird die Statistik aus dem vergangenen Jahr von der Omusati-Region mit 562 geschwängerten Schulmädchen. Dicht darauf folgen die Regionen Kavango-West und -Ost mit jeweils 522 und 520 Schwangerschaften. Die Kharas-Region bildet dagegen das Schlusslicht mit 16 Empfängnissen.

Der Staatssekretärin des Bildungsministeriums, Sanet Steenkamp, zufolge haben interne Untersuchungen jedoch ergeben, dass die meisten Mädchen zum Geschlechtsverkehr gezwungen oder sexuell ausgebeutet wurden. „Laut den Daten, die uns zur Verfügung stehen, werden diese Mädchen nicht von irgendwelchen Mitschülern geschwängert, sondern von erwachsenen Männern. Diese Tatsache ist sehr besorgniserregend”, so Steenkamp. Dabei hätten sich auch reife Männer bei klarem Verstand mit den Mädchen zu sexuellen Zwecken angefreundet (grooming) und diese dann geschwängert.

Steenkamp fügte hinzu, dass einige dieser Mädchen zwar an die Schulen zurückkehren, um ihre Schullaufbahn zu beenden, die meisten jedoch in einem Kreislauf der Armut gefangen seien und am Ende die Schule abbrächen. Die Staatssekretärin des Ministeriums für Geschlechtergleichheit, Ester Lusepani, sagte, die traurige Realität sei, dass eine Schwangerschaft das Ende einer Kindheit und oft auch einer Schullaufbahn bedeute. Ihr zufolge ist der Mangel an Lehrern oder elterlicher Fürsorge in ländlichen Gebieten ein wichtiger Faktor, der zu der steigenden Anzahl an Schulschwangerschaften beiträgt. „Manche Schülerinnen gehen zudem in den Städten zur Schule, wo es keine Wohnheime oder Unterkünfte für sie gibt und suchen dann irgendwo Unterschlupf. Dazu kommt die Not in der sie leben, was sie in Gefahr bringt, ausgebeutet zu werden“, so Lusepani.

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