24 Juni 2021 | Politik

Samherji entschuldigt sich

Untersuchungsbericht deckt fehlerhafte Geschäftspraktiken auf

Ein Untersuchungsbericht einer norwegischen Anwaltskanzlei deckt interessante Details zu den Geschäftspraktiken Samherjis in Namibia auf. Die Firma gesteht Fehler ein und entschuldigt sich für die Vorkommnisse, weist aber jegliche Schuld und kriminelles Verhalten dem Whistleblower Stefansson zu.

Von Katharina Moser, Windhoek

Die isländische Fischereigesellschaft Samherji, die in Namibia in die Korruptionsaffäre um den Fishrot-Skandal involviert war, hat die Schlüsselergebnisse eines Untersuchungsberichts in der Sache veröffentlicht und sich offiziell für die Vorkommnisse entschuldigt. In einem Pressestatement teilt das Unternehmen die Einschätzungen der norwegischen Anwaltskanzlei Wikborg Rein, die mit der Analyse der Beteiligung Samherjis in Fishrot beauftragt war, mit. Der Bericht habe aufgezeigt, dass in der Firma die „geschäftliche Integrität und Gesetzeskonformität in Gefahr“ gewesen seien. Die Firma habe sich bei ihren Geschäften in Namibia nicht an die eigenen Werte und ihre Verantwortung gehalten. Ein Fehler sei die undurchsichtige Anstellung von Beratern mit Verbindungen zur namibischen Regierung gewesen. „Samherji weist klar alle Vorwürfe der Bestechung zurück, aber akzeptiert die Kritik an den Umständen. Es wäre nötig gewesen, aufmerksamer dabei gewesen zu sein, wie die Zahlungen verliefen, an wen sie gingen und auf welcher Grundlage, wer die Autorität hatte, sie anzuweisen, und wo sie hätten ankommen sollen“, so Samherji.

Die Firma gesteht ein, dass der ehemalige Direktor der in Namibia ansässigen, mit Samherji verbundenen Firmen, welcher der Whistleblower Johnnes Stefansson ist, hohe Geldsummen von den Firmenkonten nahm, ohne Erklärungen dafür anzugeben, und dass diese Summen auf unzulässige Weise verwendet wurden.

Verhältnis zu Namgomar

Außerdem äußert sich Samherji zu seiner Verbindung mit dem privaten Fischereiunternehmen Namgomar Namibia. Die Untersuchung habe ergeben, dass Regierungsbeamte aus Namibia und Angola hinter der Gründung Namgomars stünden. Samherji fischte in Namibia unter anderem basierend auf Fischereirechten, die Namgomar von der Regierung erhalten hatte. „Diejenigen, die diese Fangquoten und ihr Nutzungsrecht verteilten, scheinen als wahre Besitzer von Namgomar ein persönliches Interesse in diesem Arrangement gehabt zu haben.“ Es gebe aber keine Beweise, dass Samherji zu dem Zeitpunkt von der echten Besitzstruktur Namgomars wusste. Stefansson habe jedoch direkte Zahlungen innerhalb dieses Arrangements getätigt und unter anderem an die Firma Tundavala Invest aus Dubai gezahlt.

Samherji habe aber in keiner Weise das bilaterale Abkommen zwischen Namibia und Angola organisiert, um daraus unzulässige Vorteile zu gewinnen. „Samherji sieht ein, dass nach der Einführung des neuen Managements viel Chaos ans Licht trat.“ Es habe keine formelle Dokumentation vieler Ausgaben gegeben. „Daher hat das Management lange gebraucht, um zu verstehen, welche Vereinbarungen unter der alten Leitung eingegangen wurden.“

Unklare Transaktionen

Auch die Transaktionen mit dem Staatsunternehmen Fishcor werden beleuchtet. Teile der Zahlungen im Rahmen von Verträgen mit Fishcor gingen an Konten externer Parteien in Verbindung zu Regierungsprojekten. Diese Zahlungen hätten aber zum Teil keine Eingangsbestätigung oder seien gar nicht verbunden mit derartigen Regierungsprojekten. „Laut der Untersuchung ist eine unklare oder teils nicht vorhandene Vertragsbasis eine generelle Eigenschaft vieler Zahlungen an Berater, Namgomar Namibia, Tundavala Invest und Fishcor.“ Samherji gesteht ein, dass diese Geschäftspraktiken schon viel früher hätten beendet werden müssen, dass aber kein anderer als Stefansson in unlautere Methoden verwickelt gewesen sei.

Der CEO von Samherji, Thorsteinn Mar Baldvinsson, entschuldigte sich erstmals offiziell bei allen Beteiligten für die Vorkommnisse, wies aber zurück, Samherji habe kriminelle Handlungen begangen.

----------------------------------

Gleiche Nachricht

 

BDF soll Namibier in Ruhe lassen

vor 19 stunden | Politik

Windhoek (Nampa/km) - Die botswanische Grenzpolizei werde es in Zukunft unterlassen, namibische Zivilisten am Chobe-Fluss zu belästigen. Dies teilte die Ministerin für Internationale Beziehungen und...

Zugang zu Information soll Gesetz werden

vor 19 stunden | Politik

Brigitte WeidlichWINDOEKKurz vor dem Internationalen Tag für den universellen Zugang zu Informationen hat der namibische Informationsminister Peya Mushelenga einen dementsprechenden Gesetzentwurf im Parlament vorgelegt. Es...

RA-Chef Lutombi könnte Windhoeks Stadtdirektor werden

vor 19 stunden | Politik

Windhoek (Nampa/km) - Die Stadt Windhoek hat mitgeteilt, welche Kandidaten in die engere Auswahlliste für die Position des Stadtdirektors (CEO) von Windhoek erreicht haben. Auf...

Desolate Zustände in Gefängnissen

vor 1 tag - 16 September 2021 | Politik

Von Katharina Moser,WindhoekDer Bericht des Ombudsmanns, der vergangene Woche vorgestellt wurde, gibt Aufschlüsse über die Situation in namibischen Haftanstalten landesweit, und zeichnet teils ein Bild...

Opposition kritisiert Katjavivi

vor 1 tag - 16 September 2021 | Politik

Von Brigitte Weidlich und Frank Steffen, Windhoek Der Vorsitzende des Ausschusses für Privilegien, der die Ausschreitungen seitens zweier Vertreter der LPM-Partei im Parlament untersuchen sollte,...

Studenten fordern Dezentralisierung von Staatsdiensten

vor 2 tagen - 15 September 2021 | Politik

Windhoek (km) - Im Community Art Centre von Katutura hat gestern ein politisches Diskussionsforum zum Thema der Dezentralisierung von essentiellen Diensten in Namibia stattgefunden. Moderiert...

Jahresbericht von Ombudsman Walters vorgestellt

vor 3 tagen - 14 September 2021 | Politik

Windhoek (bw) - Der neueste Jahresbericht vom Ombudsman John Walters für das Kalenderjahr 2020 ist vorgestellt worden. Obwohl das Amt des Ombudsmans 78 Prozent der...

Verkehrsamnestie steht noch aus - Stadtrat wartet auf Polizeibericht

vor 3 tagen - 14 September 2021 | Politik

Windhoek (Nampa/km) - Der Stadtrat von Windhoek wartet noch immer auf den Bericht der städtischen Polizei zu den begangenen Verkehrssünden. Erst dann könne man, wie...

Regierung hat neuen Tourismus-Plan

vor 4 tagen - 13 September 2021 | Politik

Windhoek (bw) – Das Ministerium für Umwelt, Tourismus und Forstwirtschaft entwickelt zurzeit einen Plan um den Tourismus wieder aufleben zu lassen. Dieser Plan sei alleinig...

Mangelnde Transparenz

1 woche her - 09 September 2021 | Politik

Von Katharina Moser, WindhoekDas Institut für Öffentliche Politforschung (IPPR) hat gestern ihren 13. „Procurement Tracker Namibia“ veröffentlicht, der die staatlichen Ausgaben und Auftragsvergaben kritisch unter...