13 August 2013 | Lokales

!Namiǂnûs löst Empörung aus

Viele Bewohner der Hafenstadt !Namiǂnûs sind nach der am vergangenen Donnerstag bekannt gegebenen Namensänderung fassungslos. „Ich habe noch immer die Hoffnung, dass dies ein Missverständnis ist und lediglich der Wahlkreis umbenannt wurde und nicht die gesamte Stadt“, sagte Ulf Grünewald, Inhaber des Lüderitz Nest Hotels, gestern im AZ-Gespräch. „Ich halte überhaupt nicht viel davon“, ergänzte der Historiker Dr. Andreas Vogt, und: „Die Identität der Stadt wurde zerstört, das ist kultureller Raubbau.“ Schon am Freitag wurde im sozialen Netzwerk Facebook die Gruppe „Lüderitz statt !Namiǂnûs“ gegründet, die bis gestern knapp 1000 Fans hatte. Die Gruppe hat Bewohner des Ortes aufgerufen, mobil zu werden. Gestern wollten sie um 13 Uhr zum Wahlkreis-Büro marschieren und eine Petition an Jan Scholtz, Ratsmitglied des regionalen Wahlkreises, überreichen. Scholtz war gestern allerdings in Windhoek, teilte seine Sekretärin mit, daher wurde der Marsch abgesagt. Hotelier Grünewald fürchtet wegen des neuen Namens einen Rückgang im Tourismus. Sollte auf der Landkarte nun der Name !Namiǂnûs erscheinen, würde dies Touristen verwirren. „Nach etlichen Jahren ist die Straße zwischen Oranjemund und Lüderitzbucht immer geschlossen. Aber der Name der Stadt wird ohne Ankündigung umbenannt“, sagte er. „Es ist sehr schwer zu beurteilen, ob der Tourismus leiden wird“, sagte indes Gitta Paetzold, Geschäftsführerin des Gastgewerbeverbandes (HAN), gestern der AZ. Sie ergänzte, dass der Name „Lüderitz“ in vielen Ohren und Mündern noch bleiben werde. „Vielleicht wird der neue Name den Tourismus ankurbeln, weil viele Menschen jetzt wieder von Lüderitz sprechen“, sagte sie weiter. Zur Namensänderung zeigte sich die Bürgermeisterin von !Namiǂnûs, Susan Ndjaleka, zunächst neutral. „Wir sind uns bewusst, dass bestimmte Personen dagegen sind“, sagte sie. Ndjaleka ergänzte, dass „wir als Führer hart arbeiten müssen, um diese Namensänderung umzusetzen“. Die Bürgermeisterin wollte ihre Meinung dazu nicht sagen, weil „ich meine Partei (SWAPO), mein Land und meine Menschen beschützen muss“. Auf die Frage, ob sie sich jetzt als Bewohnern von „!Nami“ oder als „!Namiǂnûser“ bezeichnet, sagte sie lediglich: „Das bleibt abzuwarten.“ Das Management der Hafenbehörde NamPort will sich diese Woche zur potenziellen Namensänderung des Hafens beraten, teilte NamPort-Pressesprecherin Liz Sibindi mit. „Wenn der Name geändert werden soll, dann wird der Hafen künftig !Namiǂnûs-Hafen heißen und nicht !Nami- oder ǂnûs-Hafen“, so Sibindi. Über die genaue Schreibweise von !Namiǂnûs gibt es allerdings noch immer Unstimmigkeiten - mittlerweile sind knapp ein Dutzend verschiedene Schreibweisen publiziert worden und selbst mehrere namasprachige Personen sind sich uneins. So viel steht fest:!Namiǂnûs heißt „Umarmung“ und stammt von den ersten Bewohnern des Gebietes, die !Aman, einer Untergruppe der Nama. Namasprachige Personen weisen darauf hin, dass die beiden Worte „ǂnûs“ und „ǂnuis“ für den Laien zwar gleich klingen, das letztere jedoch ein derbes Schimpfwort für das weibliche Geschlechtsteil ist. Die Namensänderung hat auch international für Aufmerksamkeit gesorgt. In Deutschland haben die Zeitung „Die Welt“ sowie der Sender „Deutsche Welle“ prominent darüber berichtet, auch die Zeitung „The Guardian“ hat mit dem Artikel „Namibia streicht den Kolonialismus von der Karte“ darauf hingewiesen. In mehreren Internetforen wird darüber diskutiert, indes verzeichnet die entsprechende Umfrage auf der AZ-Webseite www.az.com.na wieder eine Rekordbeteiligung. Von Erwin Leuschner, Swakopmund/!Namiǂnûs

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