20 Dezember 2018 | Gesundheit

Letzte Spende läutet Projektende ein

Mütter- und Kindersterblichkeit erfolgreich gebremst – Agenda aber „unerfüllt“

Mit einer letzten Spende ist eine Gesundheitsinitiative ausgelaufen, die mit internationaler Hilfe die Mütter- und Kindersterblichkeit in Namibia gebremst hat. Nun ist es Sache der hiesigen Regierung, auf den Erfolgen der vergangenen Jahre aufzubauen und sich den „unerfüllten“ Zielen zu widmen.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Es war die letzte Spende im Rahmen des Programmes zur Reduzierung der Mütter- und Kindersterblichkeit (PARMaCM), das vor über fünf Jahren zusammen mit der Europäischen Union (EU) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestartet wurde. „Die Bilanz zeigt, dass die Initiative erfolgreich war“, sagte der Minister für Gesundheit und Sozialfürsorge, Bernard Haufiku, am Montag bei der Übergabe in Windhoek. „Trotzdem liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Der WHO-Beauftragte für Namibia, Charles Sagoe-Moses, erzählte den Anwesenden von einem speziellen Schicksal: Im Augst vergangenen Jahres sei er in Opuwo der 21-jährigen Vehezaku Muharukua begegnet. „Sie hatte gerade ihr viertes Kind zur Welt gebracht“, sagte der WHO-Vertreter, dem die junge Mutter berichtet habe, dass sie ihr zweites Kind zuhause entbinden musste. „Für ihre jüngste Geburt legten sie und Familienangehörige mehrere Kilometer zu Fuß zurück, um ein Hospital aufzusuchen, wo sie allerdings in einem Zelt unterkamen“, so Sagoe-Moses.

Das PARMaCM-Programm wurde ins Leben gerufen, um den Aufwärtstrend der Mütter- und Kindersterblichkeitsrate vor allem in ländlichen und armen Gebieten „umzukehren“, erklärte der WHO-Repräsentant. Im Fokus stand vor allem die geburtshilfliche Notversorgung: „Dabei gilt es, etwaigen Verzögerungen vorzubeugen, um den Tod der Mutter oder des Neugeborenen zu verhindern.“ Entsprechend vielseitig sei der Ansatz der Initiative gewesen: enger Kontakt zur Gemeinde, neue Entbindungsheime und Ambulanzen, medizinische Ausrüstung, Schulungen und Kontrollen.

Eine weitere Priorität war Sagoe-Moses zufolge die Überlebenschancen der Kinder zu verbessern: „Daher haben wir das Impfprogramm ausgeweitet und den Krankheiten sowie der Ernährung von Säuglingen und Kindern besondere Aufmerksamkeit geschenkt.“ Und laut der WHO gibt es eine deutliche Verbesserung: Die Zahl der Todesfälle bei Kindern ist gesunken, in den ausgewählten Hospitälern wurden hunderte zusätzliche Entbindungen registriert und in fünf aus sechs Distrikten wurde der Impfschutz ausgeweitet. „Zudem wurde stark in die Kapazität der Doktoren, Schwestern und Geburtshelfer investiert“, so der WHO-Repräsentant.

Das PARMaCM-Projekt startete am 27. Februar 2013 mit einem Budget in Höhe von 10 Millionen Euro und wurde zunächst für vier Jahre angesetzt. „Später wurde es um ein weiteres Jahr bis zum Februar 2018 verlängert“, erklärte der namibische Gesundheitsminister. Ihm zufolge hat eine Leistungskontrolle vor zwei Jahren noch unerfüllte Ziele offengelegt. „Diese unvollendete Agenda haben wir in unsere Nationale Gesundheitsstrategie aufgenommen“, erklärte Haufiku, der versprach, die Sachspende einzusetzen, um diese Ziele zu erreichen.

Bei der Spende mit einem Wert von fast 578000 Namibia-Dollar handelt es sich um die verbliebenen Vermögensgegenstände der PARMaCM-Initiative: einen Geländewagen, vier Laptops, vier Rechner und ein Fernseher.

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