22 Dezember 2005 | Glosse

Kaum noch etwas übrig

Nicht die Speicher und Vorratskammern über Weihnachten sind gemeint. Die sind bei unseren Lesern in der Regel gut bestellt und gefüllt. Mitsamt dem auf Lücke gemauerten Wasserkühler unter dem Feigenbaum. Auch die Eisschränke lassen sich kaum noch schließen. Ist doch alles zu haben und den Rest finanziert die Bank gern, weil sie in der spendierfreudigen Jahreszeit nicht nur Kreditzins eintreibt, sondern ihre allbekannten Gebühren laufend und steigend unterjubelt, unterbringt und Dir freundlich achselzuckend begegnet: "Du willst mos Deine Kröten bei uns unterbringen und nicht unter der Matratze aufheben." Aber lassen wir das Thema.

Die Sandhose wirbelt über den Hof und nimmt ein paar vertrocknete Grasstängel mit, die die Grasschneider vergessen haben, in ihren Bau zu schleppen. Über dem Wellblechdach flimmert die Luft im grellen Licht und verzerrt das Bild, derweil das Dach unter den sengenden Strahlen hin und wieder knackt und stöhnt. Die Hühner hocken und hecheln im Schatten, derweil die Zikaden jede Welle der Hitze hörbar machen.

Ob der Baas nun weg ist nach Henties oder Meile 108 oder noch auf der Farm hockt, das ändert nichts an der Windhose, die sich net nich an der An- oder Abwesenheit von Menschen schert, ob die nun 'was zu sagen haben oder sich 'was sagen lassen müssen. Es herrscht Bedarf zu feiern, zu singen und Labsal zu suchen. Leber, Herz und Nieren sind gefährdet, weil das Maßhalten nicht zu den Tugenden der Festzeit gehört. Der Fuß drückt locker aufs Gaspedal, auch das Messer sitzt locker. Die Hemmschwellen beim Konsum sind niedrig. Enjoy now, pay later.

Bevor das Arbeitsjahr ausgegangen ist, hat die Zunft der Schreiberlinge noch eine Rüge erhalten, wegen zuviel

Enjoyment usw.

Die Rüge kommt von Oministeli Meme Netumbo Nandi-Ndaitwah, jene mit der emanzipierten sonoren Stimme, die jede bleddy Parteisitzung zur Ordnung rufen kann. Auf jeden Fall macht sie etlichen müden Männern der großen ruhmreichen Partei etwas vor. Auch bei der Rüge für die Schreiberlinge war sie klug und hat ihren amtierenden Staatssekretär Tarah Shinavene ran gezogen, den Text noch vor der Festzeit zu formulieren und das Problem nicht ins neue Jahr zu verschleppen. Jong, Tarah ist omunene, das ist ein großer Omukwanyama dort aus der Gegend von Engela, wo die Leute weniger hungern mussten als im westlichen Omusati, zum Beispiel. Aber wir kommen vom Thema ab.

"Medienvertreter gelten als Partner der nationalen Entwicklung", schreiben die Oministeli und Omushamane Shinavene. Die Schreiberlinge werden also zu den Ministerien gebeten, über Staatsprojekte, Investitionen etcetera usw zu berichten. Danach gibt es fast immer Snäcks und Drinks. Die Hälfte der Schreiberlinge und Radiofritzen hat in der Regel keine Zeit zu schlemmen, sondern muss zum nächsten Termin abhauen oder nach der eigenen Deadline strampeln.

Aber, so sagt Tarah, da haben sich einige Schreiberlinge bei der Einweihung des SADC-Gerichtshofs in der Turnhalle an der Bahnhofstraße am Büffet daneben benommen. Auf Deutsch will Tarah sagen, die Oukies und Tunten waren vraatsixh, so dass Richter und Würdenträger kaum noch Happies und Fruchtsaft gekriegt hätten. Geistige Getränke gab's mos nich. So da habt Ihr's. Ein Benimm-Dich für die Zunft - und für alle, die jetzt nachholen und dem Geist der Flasche und dem Geist der Weihnachtstage zusprechen.

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