14 Dezember 2007 | Glosse

Jeder sucht was Anderes

Frühere Jahrgänge der Schülergenerationen von Tsoaxaobmund konnten nie die Begeisterung verstehen, mit der so manch Inländer um diese Jahreszeit seine sieben Sachen gepackt hat, um so schräg vor Weihnachten in die Nebelzone am Atlantik zu fahren. Zu angeln, zu zelten oder sommer zu vrotten. Damals wollten wir aus der Enge der Schulstadt mit seinen Schülerheimen wieder ins Freie, ins Inland, wo es grün sein konnte, wo es mehr zu essen gab und der Regen zu riechen war.

Jong, die Zeiten haben sich geändert. Die Unterscheidung ist huka weggefallen. Diejenigen, die dem neblig verschlafenen Nest damals zu Jahresende so schnell wie möglich, vielleicht gar für immer, den Rücken kehren wollten, weil sie stief Trabbel mit den Paukern hatten, diejenigen sind heute oft die Ersten, die es in das alte Nest zurückzieht, wo Nebel, klammer Brackstaub und Ostsandgebläse die Kirchturmuhr anfressen, Scharniere und Gelenke knarren lassen und dem Hausbesitzer nochall stief Mäintenänz abverlangen.

Aber das schreckt den Drang zur Küste noch lange nicht ab. Das geht auch den Politikern so, die ihre Unterstützung prüfen oder einfach ihr Entree machen wollen. Omupräsidente II hat nach seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren die zentrale Küste ausgesucht, im neuen Amt sein Debüt zu machen. Walvis Bay erlebte 2004 den ersten Auftritt des Gekrönten Hifikepunye, des Einzigartigen. Omushamane Hidipo Hamutenya, der unbequeme Abtrünnige, hat gleich nach seinem Debüt in Ovenduka die fischrüchige Küste ausgesucht, um zu testen wieviel Fußvolk hier zu erwarten ist. Jong, als die Rallydemokraten Osondaha im Kuisebmund-Stadion in Massen versammelt waren, kam da ein Fischgestank von den Fabriken her, wat skrik vir niks. So nebenbei: Du kriegst heute zwei Schreibweisen, einmal Kuisebmund in deutlicher Anlehnung an Ugabmund, Swakopmund, Oranjemund, aber ursprünglich war es als K'mond konzipiert, eine Kreation und Lokasie der Apartheidszeit und schon deshalb in der damaligen Amtssprache buchstabiert.

Jesslaik, der Gestank von den Fischfabriken war wüst kwai an dem sonnigen Nachmittag, als warme und kühle Luftwellen vom Fischereihafen her kamen.

Die potenzierte Steigerung des Fischgestanks lässt sich leicht damit erklären, dass in der Politik derzeit stief Stunk ist. Wie halten die Kuisebmunder das aus? Viele von ihnen packen demnächst ihre Koffer, um die Feiertage in trauter Geborgenheit im Executive Tribe im fernen Norden zu verbringen. Unterwegs müssen sie fein auf ihrer Fahrbahn bleiben, denn der Exodus aus dem Inland und von so weit wie Transvaal drängt ihnen entgegen, um das Wüsten-Küsten-Paradies zu erreichen. Dort findet jeder eine Nische. Manchem reicht schon biekie heiße Luft am Dünenhang, um mit dem Paraglider die Leichtigkeit des Seins zu erproben.

Inzwischen wundern sich Mensch und Tier, was so alles nach Tsoaxaobmund einströmt. Swakopmunder werden nie wieder unter sich sein.

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