02 September 2004 | Glosse

Frühling lässt sein blaues Band ...

Flattern durch die Lüfte. - Zitat der Jahreszeit kann auch nachgebessert werden. Unter Schreiberlingen, ob sie nun bei gemeinen Zeitungen djobben oder über einem Schreibtisch im Elfenbeinturm brüten, ist es üblich, Texte ständig nachzubessern, weil ihnen immer noch etwas Neues dazu einfällt. Weil eben immer noch bleddy Fehler drinstehen und weil beim Nachbessern nochmal neue Schnitzer eingebaut werden.

Sagt da ein Leser und ruft die Okuranta jojindoitjie an: "Frühling. Das ist doch nicht der 1. September! Das ist toch erst später, so um den 23. September." Die Tag- und Nachtgleiche, Winter- und Sommer-Sonnenwende haben wir mos in der Schule gelernt. Und wenn die Schule das nicht geboten hat, lass Dir's Schulgeld zurückgeben.

Schulweisheiten sind schon richtig, aber ebenso richtig wollen sie in der Praxis angewandt werden. Und das is mos nich so einfach.

Dornkätzchen, Spinnen, Kakerlaken und ordentlich sandig-staubige Augustwinde warten nicht auf die Tag- und Nachgleiche. Die kommen nicht, wann's ihnen passt, aber sie kommen mit der Saison, die auch den Heuschnupfen wieder modisch macht. Und die beginnt bei uns spätestens Mitte August. Dass die Zeitungen per ungeschriebenem Konsens ihren Frühlingsbeginn vor der Tag- und Nachtgleiche auf den ersten Neunten setzen, hängt einfach mit dem Gefühl aus dem Bauch heraus zusammen, dass der Frühling dem Sommeranfang der südlichen Halbkugel nicht näher sein kann als dem Winter. Schräg hinter der Tag- und Nachtgleiche vom 23. September kommt ja am 1. Oktober schon der Sommer.

Bei den Mitteleuropäern und den Amerikanern und Asiaten selbiger Breiten ist es sinnvoll, dass sie ihre Jahreszeiten nach astronomischer Rechnung in den Dreimonatstakt unterteilen.

Wir müssen uns aber mehr an die metereologischen Jahreszeiten halten.

Kalte Zeit, Heiße Zeit. Trockenzeit und Regenzeit. Dabei kommen Frühling, Sommer und Winter darin ganz gut und irgendwie unter. Nur mit dem Herbst haben wir nochall Trabbel. Hier gibt es allerhand Bäume, die behalten noch lange nach der Regenzeit ihr gefiedertes Laub und werfen es auch in der Kalten Zeit nicht ab. Wenn aber nach unserer Winterkälte und nach dem gelegentlichen Morgenfrost die ersten warmen Winde hereinwehen, Dreck aufwirbeln, die Dornkätzchen blühen und die Spinnen wieder ausziehen, um Bisse zu verteilen, dann werfen diese Bäume - im Frühling -plötzlich im Akkord altes Laub ab und schieben darunter im Wettlauf schon die Blüten nach, die auf kahlen Ästen besonders gut wirken. Ist die Blütenpracht dann dahin, kommen die Blätter auf einen Schlag, auch wenn es noch nicht geregnet hat. Ein Vertrauensvorschuss, dass es später wirklich regnen wird und die jetzt waghalsige Verwendung der Feuchtigkeit aus den Wurzeln wieder ersetzt werden kann.

Kalenderpuritaner, die unbedingt darauf bestehen, dass es einen Herbst geben muss, haben hier ein Problem, wenn sich diese Jahreszeit nicht nach der eurozentrischen Reihenfolge einordnen lässt. Man kann den Herbst mos net nich so einfach in den Frühling hineinplacieren, auch wenn hier viele Bäume im Lenz ihre Blätter abwerfen.

Erfahrungsgemäß bringt die aufwärmende Jahreszeit nicht nur die Kakerlaken wieder zum Vorschein, sondern auch anderes Gesindel, das allzu gern Güter umverteilt. Um sich dagegen zu wehren, haben sich die Braven von Jung-Namibia 'was Moies einfallen lassen. Man hängt die Schuhe derart hoch und lässt sie dann in schwindelerregenden Lagen frei baumeln, dass weder Schlange noch Beutetiere noch Povian sich daran vergreifen können. As jy nie sterk is nie, moet jy slim wees.

Ist der Lenz da, kommen Dinge wrachtach in Bewegung.

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