06 August 2015 | Meinung

Ein neues Gewitter zieht herauf - Schittstorm

Wir lernen mos neue Vokabeln - life long learning - hat Omushamane Nahas Angula schon huka empfohlen. Wer von einem neuen Phänomen direkt betroffen is, das vorher nich namentlich bekannt war, lernt den neuen Begriff sommer xhou-xhou. Die Okuranta jojindoitjie hat kürzlich einen Schittstorm abgekriegt. Es ging um KKK-Kostüme und was sie provozieren können. Jetzt weiß hier jeder bleddy Schreiberling, was das is. Dort janz weit weg in Berlin hat ein prominenter Politiker - oder war es die Merkel selbst? - kürzlich auch so´n Fäkaliengewitter abgekriegt. Da ging es um Asylfragen von Flüchtlingen. Den jüngsten, weltumspannenden Schittstorm - und der hat sich noch nich gelegt - is auf einen Ami niedergegangen. Der betuchte Zahnarzt war mos in Simbabwe zur Jagd auf den Leu geführt worden, scheinbar ohne zu wissen, dass das Mähnenviech Cecil - nochall - nich zum Erlegen freigegeben war. Und ein anderer Bürger der teutonischen Mitte Europas wurde im Internet unter Exkrementen gelyncht, weil er es gewagt hatte, zu Griechenlands Geld- oder Bankrottwirtschaft einen Grundsatz anzusprechen. Das Volk von Hellas hatte abgestimmt, ob es Schulden zurückzahlen will oder nich. Der Mann hatte nun konstatiert, dass man einen Kreditvertrag, eine Hypothek , ein bilaterales Darlehensabkommen mos net nich sommer so durch Abstimmung im Nachhinein einseitig abändern oder aus der Welt schaffen kann. Schön wär´s. Jong, versteht das hier nich falsch. Es geht nich um das Recht, Empörung, Entsetzen oder Protest auszudrücken - also um freie Meinungsäußerung. Es geht um die Art und Weise, es geht um´s rechte Maß, ob ein Sturm der Entrüstung im Verhältnis zur Ursache, zum Auslöser steht. Und es geht vor allem darum, dass der Empörte auch die Gatts hat - Mumm nämlich, mit vollem Namen zum Inhalt und Art seiner Meinungsäußerung sichtbar zu sein, anstatt in die Anonymität von Facebook, Twitter und was sonst noch unterzutauchen. Was eigentlich is ´n Schittstorm? Wir greifen hier die Definition auf, die ein sturmerhärteter Schittstorm-Sörvaivalist im Land der Teutonen formuliert hat: „Ein sogenannter Shitstorm, ein neues und nur im Internet vorzufindendes meteorologisches Phänomen… Für den digital Unbedarften sei erklärt: Ein Shitstorm ist ein Massenauflauf, der zum Ziel hat, den Andersmeinenden durch massenhaften Bewurf mit verbalen Exkrementen mundtot zu machen.“ Fäkalienwerfer kommen da sogar mit strafrechtlich relevanter Pöbelei davon. Der Autor dieser Definition befürchtet, dass das Internet mit seinen sozialen Netzwerken stellenweise zum mittelalterlichen Marktplatz verkommt, wo Scheiterhaufen lodern und Menschen am Pranger angespuckt werden. Und da geht es nich mehr um Meinungsfreiheit sondern um anonyme Massenaufläufe im Kral einer Meinungshoheit. „Die Anonymität des Internets bedeutet insofern einen zivilisatorischen Rückschritt in Richtung Faschismus, und Mittelalter, Pogrom und Scheiterhaufen“, folgert Dieter Nuhr. Also fordert er für die nächsten Jahrzehnte von den Akteuren des Internets eine Kultur der Aufklärung, um die digitale Welt in ein bürgerliches Zeitalter zu überführen. Zur Zeit tobt sich manch Internet-Ritter und manch holdes Cyber-Burgfräulein auf der Tastatur aus, um auch im 21. Jahrhundert - diesmal virtuell - eine Hexenverbrennung durchzuführen. Und „virtuell“ hat hier boggeroll mit virtue/Tugend zu tun, versteht sich.

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