16 April 2019 | Polizei & Gericht

Doppelmord eine „Hinrichtung“

Täterfahndung dauert an - Ausbildungszentrum NIMT bleibt vorerst geschlossen

Nach dem kaltblütigen Mord an dem Geschäftsführer Eckhart Mueller und seinem Stellvertreter Heimo Hellwig bleibt das Institut für Minenkunde und Technologie diese Woche geschlossen. Das Motiv für den Doppelmord ist unklar. Allerdings ist die Polizei den Tätern dicht auf den Fersen.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Arandis

Fassungslos, sprachlos, bestürzt - das Personal des Instituts für Minenkunde und Technologie (NIMT) in Arandis ist zutiefst erschüttert: Die beiden Führungskräfte, der 72-jährige Eckhart Mueller und der 60-jährige Heimo Hellwig, sind gestern im Stil einer Hinrichtung vor dem Eingang des Ausbildungszentrums in Arandis kaltblütig ermordet worden.

Es sei nicht klar, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt. Allerdings sei man dem oder den Mördern auf der Spur, sagte der für die Erongo-Region zuständige Hauptuntersuchungsbeamte und Pressesprecher, Erastus Iikuyu, gestern im AZ-Gespräch. „Wir raten ihm oder ihnen, sich sofort zu stellen, bevor wir ihn oder sie fassen“, so der hochrangige Polizeibeamte. Die Morde sollen sich am Morgen gegen sechs Uhr zugetragen haben, nachdem Mueller zusammen mit Hellwig in seinem silbernen Mercedes vor dem Hauptbüro geparkt hatte. Die beiden Opfer seien nur zwei Meter vor der Eingangstür von dem oder den Tätern überrascht worden.

„Ich habe mehrere laute Knalle gehört und habe mich zunächst gewundert, was das soll“, sagte Gertrud Naobes, die sich zum Zeitpunkt der Tat als eine leitende Betreuerin in der Nähe eines anderen Gebäudes auf dem Campus aufgehalten habe. Ein Sicherheitsangestellter sagte ebenfalls aus, er hätte „einige Schüsse“ gehört. „Der Wachmann ging der Sache nach, kam etwa drei Minuten später zurück und sagte mir, ich müsse die Polizei anrufen“, sagte die Zeugin.

Naobes sei kurz darauf zum Tatort gerannt, wo sie Mueller tot in einer Blutlache vorgefunden habe. Hellwig habe direkt danebengelegen und noch gelebt. „Herr Hellwig hat versucht, etwas zu sagen, aber er konnte nicht sprechen und hat mit seinem Finger nach oben gezeigt - dann ist er verstorben“, sagte die aufgelöste NIMT-Mitarbeiterin. Verdächtige Personen oder Fahrzeuge haben die beiden Zeugen laut eigener Aussage nicht gesehen.

Laut Iikuyu wurden am Tatort insgesamt acht Patronenhülsen einer Handfeuerwaffe des Kalibers 9 mm gefunden. Diese Beweisstücke hätten direkt neben den beiden Leichen gelegen, was darauf hindeute, dass mehrere Schüsse aus nächster Nähe abgegeben wurden und die Opfer den oder die Täter wahrscheinlich gesehen haben. „Beide Leichen weisen sowohl am Bauch als auch am Kopf Schusswunden auf“, so der Polizist. Gestohlen worden sei nichts.

„Wir bleiben diese Woche geschlossen“, sagte der sichtlich bestürzte Schulleiter Ralph Bussel. Der normale Alltag sei zurzeit „unmöglich“, weswegen auch alle NIMT-Studenten gestern Morgen sofort wieder nach Haus geschickt wurden. Am kommenden Dienstag (23. April) soll der Unterricht wieder beginnen, wie die verbliebene NIMT-Führungsebene gestern kurzfristig beschlossen hatte. „Herr Mueller hat immer gesagt, dass wir weitermachen müssen, wenn er eines Tages nicht mehr mit uns ist“, sagte Bussel abschließend. „Und wir werden versuchen, ihm diesen Wunsch so gut es geht zu erfüllen.“ Ein verzweifelter Pädagoge betonte vor allem die Frage nach dem Motiv: „Dieser Doppelmord ist entweder ein Racheakt oder eine Hinrichtung.“

„Das war eine Hinrichtung“, sagte Arandis-Bürgermeister Risto Kapenda gestern, als er persönlich den Tatort besuchte. „Ich bin zutiefst erschüttert und fordere die Polizei auf, die Personen zu fassen, die diese Tat auf dem Gewissen haben.“. Kapenda zufolge hat Mueller großes geleistet - für das Ausbildungszentrum und für die Ortschaft. „Wir haben einen Menschen verloren, der nicht nur für Arandis sondern auch für ganz Namibia wichtig war“, sagte er weiter.

Hellwig war mehr als zwei Jahrzehnte bei NIMT tätig. Er wird im Gegensatz zu Mueller als zurückhaltend beschrieben.

Mueller hat Erziehungswissenschaften studiert und war in den 1970er und 1980er Jahren an verschiedenen deutschsprachigen Schulen tätig. Er wird zudem als Gründungsvater von NIMT beschrieben. Ferner hat er unter anderem im Deutschen Kulturrat (DKR), in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulvereine (AGDS) und in der Initiative Deutsch in Namibia (DiN) mitgewirkt. Zuletzt war er auch ein Gründungsmitglied des Gesprächskreises Deutschsprachiger Namibier in Swakopmund, der sich gestern zu diesem Vorfall äußerte und die Morde auf schärfste verurteilte. In Anerkennung von Muellers besonderen Verdiensten, hat ihm die Bundesrepublik Deutschland - heute vor genau zehn Jahren - das Verdienstkreuz am Bande verliehen.

Schon am gestrigen Morgen verbreitete sich die Nachricht des brutalen Doppelmords wie ein Lauffeuer - begleitet von wilden Gerüchten. So wurde im Internet auf verschiedenen sozialen Medienplattformen über ein drittes Opfer berichtet, das die Schießerei überlebt habe - diese Information stellte sich schnell als unwahr heraus.

Indessen wird auch laut über die Querelen der letzten Wochen an der NIMT nachgedacht. Müller und einige seiner Kollegen hatten sich mit einer Faktion in der Tsumeber Zweigstelle von NIMT, bestehend aus Lehrkräften sowie Studenten, überworfen. Diese Verwicklung hatte dazu geführt, dass die Belegschaft letztendlich ein Misstrauensvotum gegen die Treuhandverwaltung einlegte.

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