30 November 2005 | Politik

Dämpfer für Versöhnungspläne

Die jüngsten Bemühungen der deutschen Regierung um eine Versöhnung mit den Herero, Damara und Nama haben überraschend einen Dämpfer erhalten. Die namibische Delegation um Präsident Hifikepunye Pohamba sagte am Montagnachmittag kurzfristig die geplante Unterzeichnung einer Versöhnungsinitiative ab.

Berlin - "Es wird heute keine Unterzeichnung geben", sagte eine sichtlich brüskierte Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Initiatorin der 20 Millionen Euro schweren Initiative, nach den gescheiterten Beratungen im Schlosshotel Grunewald vor der Presse. "Wir waren bereit, die Vereinbarung hier zu unterschreiben, aber auf namibischer Seite gab es offensichtlich Schwierigkeiten und Bedarf für weitere Konsultation." Sie könne nachvollziehen, dass es sich um ein sensibles Thema handele, äußerte jedoch auch Unverständnis für die plötzliche Ablehnung auf der namibischen Seite: "Dies ist schon seltsam." Details der genannten Gründe für das Scheitern nannte die Ministerin nicht.

Während des Staatsbesuchs von Präsident Pohamba werde es nun keine weiteren Gespräche mehr über die Initiative geben. Weder das namibische Staatsoberhaupt noch andere Teilnehmer der hinter verschlossenen Türen geführten Beratungen waren nach deren abrupten Ende bereit, sich den Fragen der Presse zu stellen. Allein der Deutsche Botschafter Wolfgang Massing äußerte gestern seine Überraschung. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Unterzeichnung nicht stattfindet." Dennoch sieht er die Sache gelassen: "Die namibische Seite hat noch Gesprächsbedarf, ich sehe das also ganz entspannt." Es sei demnach nur eine Frage der Zeit, bis das Abkommen unterzeichnet werde.

Im Rahmen der nun auf Eis gelegten Vereinbarung wollte Deutschland ab 2006 für die kommenden zehn Jahre insgesamt 20 Mio. Euro für "konkrete Entwicklungsmaßnahmen" in bedürftigen Regionen und Gemeinden bereit stellen und, so das Entwicklungsministerium (BMZ), auf diese Weise dazu beitragen, Wunden aus der Vergangenheit zu heilen und die Versöhnung voranzubringen. Die Finanzspritze sollte vorrangig in Projekte zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur, der Bildung und Ausbildung sowie in Kulturförderung und -austausch fließen.

Wieczorek-Zeul hatte die Gründung der Versöhnungsinitiative im Mai dieses Jahres anlässlich der Verleihung des Peter-Beier-Preises an sie und Bischof Zephania Kameeta von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia angekündigt und im gleichen Atemzug zudem eine Verdopplung der deutschen Entwicklungshilfezahlungen in Aussicht gestellt. Die Politikerin und der Geistliche hatten die mit 10000 Namibia-Dollar dotierte Auszeichnung der Evangelischen Kirche im Rheinland für ihr Verdienst um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Namibia erhalten. Hintergrund war der Auftritt von Wieczorek-Zeul anlässlich des Gedenkens zum 100. Jahrestag der Schlacht am Waterberg im August 2004 auf Ohamakari, wo an die Niederschlagung des Hereroaufstandes durch die deutsche Schutztruppe erinnert worden war. Bei den Feierlichkeiten hatte sich die deutsche Politikerin überraschend für die Taten der Kolonialregierung entschuldigt, Bischof Kameeta hatte ihre Abbitte am Waterberg akzeptiert und zudem die Einsetzung eines Versöhnungsrates angeregt.

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