27 Februar 2008 | Kommentar

Die Erklärung ist zu lang

Der staatliche Anti-Korruptionskämpfer Paulus Noa hat am Freitag ausführlich und detailliert auf die Beschuldigung reagiert, wonach der Justizministerin und Regierungsanwältin in einer Person, Pendukeni Iivula-Ithana, die im November als neue Generalsekretärin der SWAPO gerade noch einen zweiten Hut aufgesetzt hat, Korruption, beziehungsweise Günstlingswirtschaft vorgeworfen wird.

Politische Prominenz wird prominent behandelt. Noa und seine Kommission (Anti-Corruption Commission, ACC) haben schon viele andere Anzeigen der Korruption erhalten, aber keine einzige haben sie derart prominent und öffentlich bearbeitet, wie die jüngste, wobei sie Iivula-Ithana am Ende - laut eigener Begründung - von jeglichem Verdacht der Günstlingswirtschaft befreien.

Iivula-Ithana und ihrem Mann gehört eine Schlachterei in Omuthiya, der angehenden neuen Hauptstadt von Oshikoto, nördlich des Etoscha-Nationalparks gelegen. Die Schlachterei hat nun den Auftrag erhalten, die nahe gelegenen staatlichen Rastlager von Etoscha, mit Fleisch zu beliefern. Die Rastlager gehören zum Staatsunternehmen Namibia Wildlife Resorts (NWR), das vom Geschäftsführer Tobie Aupindi geleitet wird, der zuvor Iivula-Ithanas ministerieller Personalreferent war.

Noa bescheinigt dem Metzgerunternehmen, dass es den Gesundheitsanforderungen genüge und er meint, dass es bei dem Lieferungsauftrag für Etoscha keinen Interessenkonflikt gegeben habe. Das alles hätte Noa auf einer Din-A-4-Seite unterbringen können. Aber er breitet sich über fünf Seiten zum ausführlichen Sprecher von NWR aus. Der Ankauf schnell verderblicher Lebensmittel ohne Ausschreibung (Tender) ist im Grunde keine Frage.

Wenn Noa einlädt, kommt eine große Schar Journalisten. Die Öffentlichkeit ist schlichtweg begierig, von Erfolgen der ACC zu erfahren. Die ACC hat sich letzthin auch Mühe gegeben, durch ein Arbeitsseminar mit dem Namibischen Redakteursforum "die Kommunikationskanäle" weiter zu öffnen. Was wir seither jedoch von Noa erfahren haben, war die Apologie für die SWAPO-Generalsekretärin und eine getünchte Ehrenrettung für den VIP-Schutzpolizisten Elias Mutota, der ein Staatsfahrzeug auch zur Privatnutzung fahren darf.

Gleiche Nachricht

 

Mehr Zerwürfnis als Versöhnung

vor 3 tagen - 14 Juni 2021 | Meinung & Kommentare

Die hoch-emotionale, teils hysterische Reaktion von Stammesführern und Oppositionsparteien auf das Versöhnungspaket, das in Berlin und Windhoek zur Ratifizierung vorgelegt wird, ist total aus dem...

Schwacher Verhandlungspartner

1 woche her - 08 Juni 2021 | Meinung & Kommentare

Die Kommunalvertreter der OvaHerero Traditional Authority (OTA) und der Nama Traditional Leaders‘ Association (NTLA) behaupten die einzigen Vertreter ihrer jeweiligen Volksgruppen zu sein. Die Rechnung...

Rote Linie schützt Arbeitsstellen

vor 2 wochen - 01 Juni 2021 | Meinung & Kommentare

Im Internet kann man über den Veterinärzaun im Norden Namibias - der „Roten Linie der Apartheid-Politik“ - nachlesen. Es gibt unterschiedliche Ansichten über den Ursprung,...

Blödsinnige Phrasendrescherei

vor 2 wochen - 28 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Namibische Farmer besitzen Mut und haben wiederholt ihr Durchhaltevermögen bewiesen. Sie müssen sich ständig - genau wie jeder andere Beruf - weiterbilden, und jedes Mal...

Zu viele Themen unbereinigt

vor 3 wochen - 26 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Namibier sind nicht grundsätzlich gegen den Bergbau - seit vielen Jahren gibt es kaum Widerstand. Namibier sind allerdings stolz auf ihre Umwelt, die zu den...

Unerhört freche Forderungen

vor 3 wochen - 21 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Wer soziale, wirtschaftliche oder politische Systeme aus dem eigenen Umfeld kritisiert, wird gern als Nestbeschmutzer verschrien. Darum hadert der Mensch mit solch einem Schritt, und...

Tourismus mit Waffen bedrohen

vor 1 monat - 14 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Man kann sich darüber streiten, ob der botswanische „Schießbefehl“, laut dem die Sicherheitskräfte unseres Nachbarlandes grundsätzlich mit tödlicher Gewalt gegen Wilderer vorgehen dürfen, in Ordnung...

Vetternwirtschaft wird zu Norm

vor 1 monat - 12 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Neulich verzweifelte eine Freischaffende, weil ihre Neffen einem Umfeld ausgesetzt seien, in dem Korruption und Vetternwirtschaft zur Norm würden. Diese Teenager würden derartige Vergehen als...

Vandalismus „made in France“

vor 1 monat - 06 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Namibia kann seine Museen an den Fingern abzählen und die meisten leiden an Geldmangel, sie sind von Spenden und Hilfe abhängig. Zweckgebundene Spenden dienen hauptsächlich...

Warnung fiel auf taube Ohren

vor 1 monat - 28 April 2021 | Meinung & Kommentare

Seit Wochen machen Aufnahmen und Berichte von völlig abgemagerten Wüstenlöwen im Nordwesten Namibias Schlagzeile in den Medien. Das Umweltministerium und Experten sind sich einig: es...