03 Mai 2012 | Natur & Umwelt

Bäume an Rastplätzen & Fernstraßen

Diesen Baum wird man wohl kaum an einem Rastplatz finden, auch ist es nicht ratsam, unter ihm zu rasten, weil seine langen, grauen, zylindrischen Früchte bis 10 kg schwer werden können. Da sie zu allen Jahreszeiten aus dem Baum fallen können, könnte ein Aufenthalt unter dem Baum unangenehme Folgen haben. Durch die an sehr langen Stielen herabhängenden Früchte, die viele Monate am Baum bleiben, ist der Leberwurstbaum jedoch auch aus einiger Entfernung sehr leicht zu erkennen und wird deshalb in diese Serie aufgenommen.

In der Natur kommt der Leberwurstbaum nur in der Kavango-Region etwa ab Nkurenkuru ostwärts und im Caprivi vor. Wird er in den ersten zwei bis drei Jahren vor kaltem Wind geschützt, gedeiht er jedoch angepflanzt bis weit südlich von Windhoek. Ein besonders großer Baum dieser Art steht neben dem Verteidigungsministerium in der Sam-Nujoma-Ave. in der Landeshauptstadt. Leider wurde er sehr brutal zurückgeschnitten, um den Verkehr nicht zu behindern, erholt sich jedoch allmählich. Diese Bäume wachsen unter günstigen Umständen mehr als 1 m pro Jahr, und zwischen den Gebäuden des Nationalen Botanischen Forschungsinstituts ist auch bereits einer zu sehen, der im September 2012 zum ersten Mal geblüht hat.

Wie der deutsche bezieht sich auch der Afrikaanse Name worsboom" und der Englische Name "Sausage tree auf die wurstartige Form der Früchte. Der Rugciriku-Name "Uvunguvungu" ist der Ursprung des Ortsnamens 'Vunguvungu'. In der Sprache der Lozi heißt der Baum "Kayungula" oder "Mupungopungo" und findet sich in dem Ortsnamen 'Mpungu' wieder.
David Livingstone beschreibt in seinen Tagebüchern einen riesigen Leberwurstbaum, unter dem er gerastet hat, kurz ehe er die Viktoriafälle entdeckte. Der heutige Ort Kazungula, an dem Botswana, Sambia, Simbabwe und der Caprivizipfel aufeinander treffen, ist nach diesem Baum benannt, denn einer der Silozi-Namen des Leberwurstbaumes lautet "kayungula". Aus Veronica Roodts sehr interessantem Buch "Trees of the Okavango Delta", aus dem diese Information stammt, geht leider nicht hervor, ob dieser Baum noch heute in Kazungula steht.

Der Leberwurstbaum ist in der Regel ein bis 18 m hoher Baum mit ausgeprägtem Stamm und einer dichten, weit verzweigten Krone. Die graue Rinde ist glatt und verhältnismäßig dick, kann aber auch von feinen Rissen durchzogen sein. Bei großen alten Bäumen platzt die Rinde in runden Plättchen ab, wodurch der Stamm ein geflecktes Aussehen erhält.

Die grob gefiederten Blätter werden bis 30 cm lang und haben 3 - 5 Blättchenpaare mit einem Endblättchen. Typisch ist, dass das unterste Paar Fiederblättchen kleiner als alle anderen ist. Die Blätter sind lederig, oberseits gelbgrün, unterseits hellgrün und stehen meist in Dreiergruppen gebüschelt an den Zweigenden. Sie fallen im Herbst ab und im Frühling erscheinen frische junge Blätter, die zunächst rotbraun sind.

Ab September bis Oktober öffnen sich die breiten trichterförmigen Blüten, die im Durchmesser bis 15 cm breit werden und in Dreiergruppen als lang herabhängenden Rispen angeordnet sind. Sie stehen so weit voneinander entfernt, dass die Fledermäuse Raum genug haben anzufliegen und sich, nachdem sie den Nektar getrunken haben, fallen lassen und weiterfliegen können, wie es ihrer Natur entspricht. Die Farbe der Blüten ist samtig, tief rot oder kastanienbraun mit gelber Nervatur auf der Außenseite. Sie riechen unangenehm.
Die zylindrischen langen Früchte geben Anlass zu dem Namen "Leberwurstbaum". Sie können bis zu 100 cm lang und 18 cm im Durchmesser werden. Die länglichen Samen liegen in einem faserigen Mark eingebettet. Die reifen Früchte werden offenbar von keinen Tieren außer den Nilpferden gefressen und bleiben Monte lang unter dem Baum liegen, schrumpfen schließlich und vergehen.

Nutzen: Fledermäuse besuchen die Blüten auf der Suche nach Nektar und bestäuben sie dabei. Abgefallene Blüten werden von verschiedenen Wildarten und vom Vieh gern gefressen. Nur Elefanten und Kudus äsen das harte Laub. Paviane und Affen saugen den Nektar aus den Blüten. Bemerkenswerter Weise laufen Nilpferde weite Strecken, um die abgefallenen Früchte zu fressen, obgleich sie sich sonst nur von grünen Pflanzen ernähren.
Die grünen Früchte sollen giftig sein. Geröstete unreife Früchte werden jedoch in das Bier gegeben, um ihm mehr Geschmack zu verleihen und die Gärung zu beschleunigen. In Sambia braut man aus dem Mark der reifen Früchte und der Rinde dieses Baumes mit Honig ein Bier. In Notzeiten werden die gerösteten Samen auch gegessen. Das sehr zähe Holz ist schwer zu bearbeiten. Weil es nicht reißt, wird es jedoch zur Herstellung der als "Mokoro" bekannten Einbäume verwendet. Wegen seines relativ geringen Gewichtes nimmt man es gern zur Herstellung von Rudern und von Jochen. Als Feuerholz taugt es nicht, dagegen werden die trockenen Früchte notfalls als Brennstoff verwendet. Aus den gekochten Früchten wird ein rötlicher Farbstoff gewonnen. In Namibia gehört der Leberwurstbaum zu den geschützten Bäumen.
Heilwirkung: Die getrocknete und pulverisierte Frucht dient zur Behandlung von Wunden, Abszessen und Geschwüren. Mit einer Packung aus den zerstampften grünen Früchten werden Syphilis-Geschwüre behandelt, während eine Packung aus den grünen Blättern Rückenschmerzen und Rheuma lindern soll. Mit einem Auszug aus der zerstampften Rinde und den Früchten behandelt man Magenkrämpfe bei Kindern. Ein Auszug aus der Rinde und den Wurzeln dagegen gilt als Heilmittel bei Lungenentzündung. Mit einem Rindenauszug gurgelt man bei Zahnschmerzen. Epilepsie wird behandelt, indem man den Kopf des Betroffenen mit einem ebensolchen Auszug wäscht. Eine aus den Samen hergestellte Salbe gilt als Heilmittel bei Hautkrebs.
Aberglauben: Allerlei Aberglauben rankt sich um den Leberwurstbaum und religiöse Handlungen werden oft in seinem Schatten vorgenommen. Eine in der Hütte aufgehängte Frucht soll sie vor Schaden durch Wirbelwinde schützen. Wenn ein Baby mit der Frucht abgerieben wird, gedeiht es und wird rund und gesund. Nur der Kopf darf dieser Prozedur nicht unterzogen werden, sonst könnte das Kind einen Wasserkopf bekommen. Auch soll es den Milchfluss der Mutter anregen, wenn sie ihre Brüste mit der Frucht abreibt.

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