18 Januar 2021 | Natur & Umwelt

Bohrung gefährdet Grundwasser

Dauerhafte Ölförderung in der Kavango-Region kaum ohne Fracken möglich

Laut einem Hydrologie-Bericht aus dem Jahre 2011 ist das Wasservorkommen der Okavango- und Omaheke-Regionen weitgehend miteinander verbunden. Demnach würde die Ölförderung durch hydraulische Fakturierung grundsätzlich Umweltfolgen nach sich ziehen. Indessen scheinen ausgerechnet die von ReconAfrica zitierten Berichte künftiges Fracken als unumgänglich auszuweisen.

Von Frank Steffen

Windhoek

Im Jahr 2011 wurde eine hydrologische Studie aus dem Jahr 2001 erneut veröffentlicht. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR in Hannover) hatte das damalige Ministerium für Landwirtschaft, Wasserbau und ländliche Entwicklung sowie das Ministerium für Bergbau und Energie die Studie mit dem Titel „Groundwater in Namibia“ als Erklärung zur namibischen Hydrologie-Karte verfasst. Greg Christelis und Wilhelm Struckmeier werden als Redakteure angegeben und Persönlichkeiten wie Frank Bockmühl, Piet Heyns, Gabi Schneider, John Mendelsohn und Sindila Mwiya werden neben vielen weiteren Fachkräften aufgeführt.

In der Studie werden sämtliche wassertragende Becken und Brunnen Namibias analysiert: welche regionale, geologische Beschaffenheit den Brunnen beeinflusst, wo das Wasser herkommt, wie schnell es nachläuft und welchen Risiken diese Becken ausgesetzt sind – insbesondere durch die Nutzung der Ressource indem Bohrlöcher geschlagen werden. Dabei kommt auch das Okavango-Epukiro-Becken zur Sprache, welches sich von der Nordgrenze Namibias über die gesamte Okavango-Region (von der Angola-Grenze im Norden und der Botswana-Grenze im Osten) bis auf die Höhe des Karstveldes unweit der Ortschaft Grootfontein, weiter nach Otjiwarongo und runter bis kurz vor Gobabis erstreckt.



Das Okavango-Epukiro-Becken

Dies ist natürlich Teil des vorgeschichtlichen Perm-Beckens, das von der Firma Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) als „weiteres Weltklasse-Perm-Becken, analog zum texanischen Sedimentbecken“ beschrieben wird. In der BGR-Studie wird das Becken in zwei Teilen beschrieben: Die Kavango-Region bestehe aus Lagen von Alluvial-Böden, die einen Porengrundwasserleiter beherbergen (Aquifer aus Locker- oder Festgestein, dessen Porenraum von Grundwasser durchflossen wird), während die Omaheke-Region (Epukiro) auf einem frakturierten Aquifer ruht. Laut dem Bericht besteht das anstehende Gestein (Bedrock) hauptsächlich aus Sediment- und Quarzgestein sowie Marmor, Glimmerschiefer und Amphibolit. Wegen seiner durchlässigen Schichten sei es relativ einfach nach Wasser zu bohren, doch wird auch gegen die Wasserverschmutzung gewarnt, da das Wasser des Beckens miteinander verbunden sei.

Indessen hat die Firma Risk-Based Solutions cc (RBS ist selbsterklärtes technisches Fachunternehmen für Öl-, Gas-, Mineralien- und Energie-Explorationen) zu drei öffentlichen Treffen beziehungsweise Gesprächen eingeladen, da ReconAfrica vorhabe einen Antrag für ein Umweltverträglichkeitszertifikat einzureichen. Die Treffen sollen am 20. Januar in Nkurenkuru, am 22. Januar in Rundu, und vom 23. bis 25. Januar in Ortschaften wie Ncamagoro, Gcuru, Ncuncuni, Ncaute, usw. abgehalten werden. Angeführt wird RBS von Dr. Sindila Mwiya, der Ende 2020 als Projektberater von ReconAfrica, Farmern versichert hatte, dass „nur zwei Bohrlöcher im Rahmen einer Explorationsverpflichtung“ gebohrt würden (AZ berichtete) – einer der Fachkräfte, die sich in der BGR-Studie für den Erhalt des Grundwassers ausgesprochen hatten.



Wood Mackenzie widerspricht ReconAfrica

Nach wie vor behauptet ReconAfrica, dass kein Fracken geplant sei. Andererseits beruft es sich wiederholt auf den Bericht des amerikanischen Fachunternehmens Wood Mackenzie: „Kavango Basin Review & Global Benchmarking – ReconAfrica.“ In diesem Bericht wird bestätigt, dass das Kavango-Becken ein Perm-Becken sei, das mit dem Midlands-Sedimentbecken in Texas verglichen werden kann. Der Vergleich ist darum interessant, weil Wood Mackenzie mit Verweis auf das Midland-Becken (Schwerpunkt auf dem Vorkommen des sogenannten Wolfcamp) folgendes bemerkt: „Die Produktion im Midland-Becken hatte einen doppelten Produktionsspitzenwert, der zum einen durch konventionelle Förderung und in jüngerer Zeit durch unkonventionelle Förderung vorangetrieben wurde.“

Im Fachjargon gilt das Fracken als „unkonventionelle Förderung“. Und so heißt es ferner in dem Bericht: „Die frühe Produktion war konventionell und erreichte ihren Höhepunkt in den 1970er Jahren. Zu diesem Zeitpunkt machte die gesamte texanische Produktion rund 7% der weltweiten Produktion aus. Die Produktion ging bis zu jenem Zeitpunkt der 2000er Jahre zurück, als die revolutionäre beziehungsweise unkonventionelle Ausbeutung der Wolfcamp- und Spraberry-Vorkommen die Produktion neu antrieb.“

Somit scheint eine dauerhafte Nutzung, wie sie ReconAfrica vorsieht – das erzeugte Öl wird voraussichtlich Milliarden Barrel betragen, so ReconAfrica –, nur dann realistisch durchführbar, wenn sie auf Dauer ähnlich dem Midland-Becken das Fracken einsetzt. Durch hydraulische Frakturierung (Fracken) wird Gestein einer Lagerstätte im tiefen Untergrund mit dem Ziel aufgerissen, die Durchlässigkeit zu erhöhen – eine Anwendung, die typisch ist für eine geologische Beschaffenheit, wie sie im Hydrologie-Bericht beschrieben ist.

Das Forum „Environment America“ schreibt dazu: „Nach Angaben von Industrie und Bundesstaaten wurden seit 2005 in mehr als 20 Bundesstaaten mindestens 137000 Fracking-Bohrlöcher gebohrt oder zugelassen.“

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