29 September 2011 | Glosse

Bis unter die Schädeldecke

Geschichte erleben, Vergangenheitsbewältigung, Altes aufarbeiten, bei Apologeten und Historio-Schwärmern in die Schule gehen, zwischen Oukies auf hohem Ross und Faktenhubers und dazu paar seltene Realisten - Jong, ich sach mos, zwischen Sonnenaufgang und Sonnunter gibt's noch stief zu lernen. Von Fach- und Kraftausdrücken, von Klischees und von Ressentiments, von Haltungsschaden und neudeutscher Überheblichkeit.
In Jung-Namibia is Geschichte mos immer präsent. Da kommen ein paar alte Schädel sehr gelegen, den Unterricht und den Diskurs neu zu beleben. Wie beim Wetter und in der Politik kann und soll auch jeder über das Vorangegangene mitreden. Dort wo die Fakten und der Einblick fehlen, gedeiht die Fantasie. Und das is das Schöne bei der mündlichen Überlieferung, da kannste die Lücken mit Vermutungen füllen, Altes durch frische Emotion neu und moi beleben.
Eins steht fest, wenn Du mehr über die Geschichte weißt, bei guten Quellen gut aufgepasst hast oder selbst biekie oder auch stief nachforschst, hat das ganze Land Dir mehr zu sagen, sind die Mitbürger mit ihren Stärken, Schwächen und Illusionen nich sommer so Zweibeiner, die der Rasse nach zu unterscheiden wären, sondern Leute mit Herkunft und Erwartung. Und die können nochall schnaaks sein. Deshalb haben wir fast alle in diesem Land Spitznamen füreinander, die nich im Knigge stehen oder in Omushamane Andrew Matjilas ethnischen Benimm-Dich-Männjul stehen. Mach kein'Fout, der eine oder andere Spitzname kann Dich mit dem Anti-Rassismus-Gesetz in Konflikt bringen, dabei braucht der Ausdruck nich einmal so scharf wie Julius Malemas mörderischer Gesang sein. Was für'n Oukie der Julius is? Der is der nich mehr so jugendliche Hitzkopp der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses in der Kaprepublik.
Zum elementaren Benimm-Dich gehört, dass Du Leute vom gleichen Tähn oder von derselben Blässe iesie mit einem Tiertitel versehen kannst, Povian, Schwein, (dummes) Schaf, (alter) Hornochse, (blöder) Hund, Tiffe und stief mehr. Aber das kannste nich sommer so einem Gegenüber an die Stirn schleudern, wenn der/die 'nen anderen Tähn hat und 'ne andre Sprache spricht. Aber check moi. Es gibt Leute in diesem Land - das immer mehr zum Arbeiterparadies wird - die ha'm diese Hängaps huka miteinander überwunden und die beleben ihre Begrüßung mit tierisch-geselliger Untermalung.
Wenn also am vergangenen Sonntag zum Abflug der Schädeldelegation am internationalen Windhoeker Flughafen Hosea Kutako auf Ondekaremba viele Clans als Jubelkommandos angereist sind, heißt das noch lange nich, dass alle miteinander an einem Feuer sitzen oder jeder dem anderen offen beim Spitznamen oder beim "Kosewort" betitelt. Aber diesmal gab es einen gemeinsamen Nenner und das sind 20 Schädel. Mit denen kann man ein paar andere Differenzen wenigstens eine Zeitlang überwinden.
Was eine Gruselpartie sein könnte, wurde am Flughafen zum vielseitigen Volksfest, wie es Okahandja zum Hererotag noch nich gesehen oder wie es die Ovambanderu auf Farm Sturmfeld noch nich inszeniert oder wie es die Witbooi auf Gibeon noch nich abgehalten oder wie es die Baster auf Sam Khubis noch nich hingekriegt haben oder wie es die Ovandoitji beim Oktoberfest noch nich erreicht haben - so können wir noch eine Weile fortfahren. Meistens feiern wir getrennt, aber manchmal so 'n biekie zusammen.
Ohne Frage hat die Aussicht, eine - in vielen Fällen erste - Überseereise und einen - in etlichen Fällen - ersten Flug überhaupt zu erleben auch eine Rolle gespielt, in die Delegation zu kommen.
Aus Namibia immer 'was Neues und aus Otjondoitilanda 'was Altes. Daraus soll jedermann klug werden.

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