14 August 2019 | Wirtschaft

Bergbaukammer erhebt Notschrei

Das seit 2011 verschärfte Steuerregime „schiebt Minen in den Abgrund“, sagen Interessenträger

Die Regierung steht vor der Anklage, dass sie das Steuerregime für den Bergbau seit 2011 derart verschärft habe, „dass die Branche kurz vor dem Abgrund steht“. Die Bergbaukammer, die B2-Goldmine sowie der Wirtschaftsanalytiker Sherbourne umreißen ein düsteres Bild des namibischen Bergbaus.

Windhoek/London – Veston Malango, Geschäftsführer der Bergbaukammer, Mark Dawe, geschäftsführender Direktor der B2-Goldmine bei Otavi, sowie geladene Redakteure waren gestern mit dem Volkswirt und Analytiker Robin Sherbourne per Video-Konferenzschaltung mit London, England, verbunden, um sich einen sachlichen Einblick in die prekäre Lage des namibischen Bergbausektors zu verschaffen. Sherbourne ist in Namibia noch ein bekannter Name, nachdem er nach der Unabhängigkeit über zehn Jahre unter anderem auch der Nationalen Planungskommission (NPC) gedient hat. Sherbourne trat als unabhängiger Referent auf, während Malango und Dawe sich bei dem Symposium als namibische Interessenträger äußerten und mit Regierungskritik nicht hinter dem Berg hielten.
„Das seit 2011 verschärfte Steuerregime hat den Bergbau an den Abgrund gestoßen“, eröffnete der „goldene Bergmann“ Dawe die Lagebeurteilung der Runde. „Mehrere große Gesellschaften haben ihren Betrieb schon eingestellt oder sind eingemottet. Sollte die Besteuerung noch weiter steigen, wie angedeutet, bedeutet das auch für uns den Stoß in den Abgrund!“ Das Steuerregime sei der Regierung zum eigenen Nachteil aus dem Ruder gelaufen. Abgesehen von den Chinesen im Uranbergbau gebe es derzeit keine Mineninvestition mehr.
Sherbourne ergänzte dazu, dass eine internationale Ratingagentur, die Namibias Investitionsklima unter 79 Bergbaunationen vor vier Jahren noch auf Platz 34 eingestuft hatte, das Land nunmehr unter 83 Staaten auf Rang 60 habe fallen lassen. Zusammen mit anderen Marktfaktoren sei das Steuerregime dafür verantwortlich, dass Namibias Konkurrenzfähigkeit in großem Maße abnehme, die Risiken in der Minenbranche dafür aber zunähmen. Lediglich drei aus 17 Mitgliedsunternehmen der Bergbaukammer hätten ihren Aktionären aktuell eine Dividende ausgeschüttet. Die Regelung, dass die Bergbauunternehmen die Exportsteuer und Royalties nicht von der Körperschaftssteuer abziehen dürften, laufe für die Minen nunmehr auf doppelte Besteuerung hinaus. Sherbourne und Dawe betonten beide, dass die Körperschaftsteuer in Höhe von 37,5 Prozent (im Diamantbergbau sind es 55%) die höchste in Afrika sei und für neue Investoren als Abschreckung diene. Anderswo bewege sich die diese Steuer zwischen 20% und 30%.
Zu wichtigen verbliebenen, rettenden Faktoren rechnet Dawe die politische Stabilität und das freundliche soziale Klima des Landes. Zusammen mit der landschaftlichen Schönheit reichten diese Faktoren bei Investoren jedoch nicht aus, die aus ihrer Anlage einen Erlös sehen wollten. Sherbourne und die Bergbaukammer – darin sind sie sich einig – vermissen beim derzeitigen Steuerregime, das der Finanzminister für die Minen eventuell noch verschärfen wolle, die Ausgewogenheit zwischen staatlichen und Körperschaftsinteressen. Die Fortsetzung des jetzigen Regimes führe unweigerlich zu Verlusten auf beiden Seiten, bei der Regierung und bei den Bergbaugesellschaften. Der Bergbau beschäftigt noch 16000 Arbeitskräfte, darunter 2% Ausländer, so Sherbourne. „Für jeden Namibia-Dollar, den die Minen ausgeben, kommen 81 Cent in den Umlauf der Wirtschaft.“

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