19 Juli 2021 | Natur & Umwelt

All-Trip für Branson und Bezos

Hebt der Weltraum-Tourismus ab?

Ein medienwirksames Kräftemessen um den ersten Weltraumflug im eigenen Flugobjekt haben sich die Milliardäre geliefert. Doch es geht um mehr: Den Weltraum-Massentourismus - und viel Geld.

Von Christina Horsten und Benno Schwinghammer, dpa

Spaceport America/Van Horn



Das Video, das Multi-Milliardär Jeff Bezos ziemlich geärgert haben dürfte, spart nicht an Dramatik. Da geht eine schemenhaft erkennbare Person eine Gangway entlang, begleitet von Lichtreflexen und unterlegt von geheimnisvoller Musik. „Astronaut 001 - Richard Branson”, stellt sich der Chef der privaten Raumfahrtfirma Virgin Galactic dann vor und taucht ins Scheinwerferlicht.

Branson kündigte damit seinen ersten Trip ins All mit seinem eigenen Raumschiff für den 11. Juli an, der zwischenzeitlich geglückt ist. Ein Coup auf Kosten von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der mit einer eigenen Rakete neun Tage später ins All abheben will. Es geht nicht nur um das persönliche Rennen zwischen zwei Superreichen, sondern auch darum, welche Firma sich die aussichtsreichste Position im Geschäft um den Massentourismus im Weltraum erarbeitet.

Dabei war der britische Milliardär Branson mit Virgin Galactic bislang eigentlich nicht der erste Name, der zu diesem Thema einfiel. Doch nach zahlreichen Rückschlägen - dem schwersten 2014, als sein „SpaceShipTwo” bei einem Testflug über Kalifornien abstürzte und ein Pilot dabei ums Leben kam - hat sein Raumschiff „VSS Unity” im Mai nach seinen Angaben einen erfolgreichen bemannten Weltraum-Testflug absolviert.

Es war an Bord eines Trägerflugzeugs von dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico gestartet. In knapp 14 Kilometer Höhe setzte das Mutterflugzeug dann „VSS Unity” ab. Danach beschleunigte das Raumschiff mit eigenem Antrieb und erreichte eine Höhe von 89,2 Kilometern. Wenige Wochen später erhielt Virgin Galactic von der US-Luftverkehrsbehörde FAA die Erlaubnis, Touristen ins All zu bringen.

Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an. Es gibt jedoch keine verbindliche internationale Regelung. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnung Astronaut erhalten, obwohl sie nur in eine Höhe von 50 Meilen (80,5 Kilometer) geflogen waren.

Am weitesten schien dabei aber zunächst Jeff Bezos gewesen zu sein. „New Shepard” hat er seine Rakete genannt - in Anlehnung an Alan Shepard, den ersten US-Amerikaner im All 1961. Sein Kurztrip morgen, am 20. Juli, ist außerdem auf den Tag genau 52 Jahre nach der ersten Mondlandung angesetzt - und nun eben neun Tage nach Bransons Flug. „Seit meinem fünften Lebensjahr träume ich davon, ins All zu reisen”, sagt der 57-jährige Bezos.

Um diesen Traum zu verwirklichen, hat Bezos schon vor rund 20 Jahren Blue Origin gegründet. Im Westen von Texas hat die Firma in den vergangenen Jahren die Rakete „New Shepard” entwickelt und getestet. Sechs Passagiere finden in ihrer Kapsel Platz, jeder hat einen Sitz an einem der „größten Fenster im Weltraum”. Mitte April hatte Blue Origin „New Shepard” zuletzt getestet. Dabei erreichten sowohl die Rakete als auch die kurz zuvor davon abgetrennte Kapsel eine Höhe von über 100 Kilometern, bevor sie zur Erde zurückkehrten.

Mit Menschen in der Kapsel ist die „New Shepard” bislang noch nie geflogen. Das soll sich nun ändern - und gleich mit Besitzer Bezos an Bord. Auch dessen Bruder Mark und eine 82-jährige Ex-Pilotin sind dabei, ein weiterer Sitz wurde für 28 Millionen Dollar (23,6 Mio Euro) versteigert. Der ganze Ausflug soll nur elf Minuten dauern und über 100 Kilometer Höhe erreichen. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation ISS fliegt rund 400 Kilometer über der Erdoberfläche.

Branson und Bezos sind nicht die ersten Touristen im All: Mehrere andere Unternehmen und Raumfahrtbehörden haben bereits Reisende in den Weltraum gebracht. 2001 hatte der US-Unternehmer Dennis Tito eine Woche auf der Internationalen Raumstation verbracht und dafür rund 20 Millionen Dollar bezahlt, er gilt als erster Weltraum-Tourist. Es folgten rund ein halbes Dutzend weitere ISS-Touristen.

Aber trotz großer Hoffnungen und Erwartungen kam bislang nicht so richtig Schwung in die All-Ausflüge. Entwicklung und Durchführung einer Raumfahrt-Mission sind mit großen Sicherheitsrisiken verbunden und extrem teuer - so dass sie bislang nur ausgebildeten Professionellen und - top fitten - Superreichen vorbehalten schienen.

Das wollen nicht nur Branson und Bezos ändern, sondern auch Tesla-Chef Elon Musk, der mit seiner Firma SpaceX schon 2018 angekündigt hatte, Touristen um den Mond zu fliegen. Nun soll es 2023 so weit sein, unter anderem mit dem japanischen Milliardär Yusaku Maezawa an Bord. Noch für dieses Jahr ist ein vom US-Milliardär Jared Isaacman bei SpaceX gebuchter Flug in den Weltraum vorgesehen. Und für das kommende Jahr hat das US-Unternehmen Axiom Space gemeinsam mit SpaceX und der US-Raumfahrtbehörde Nasa einen touristischen Raumflug zur ISS geplant. An Bord sollen vier Männer aus den USA, Kanada und Israel sein - für Medienberichten zufolge rund 55 Millionen Dollar pro Ticket.

Erfolgreiche Testflüge von Branson und Bezos könnten nach Ansicht von Experten der lange erwartete Startschuss sein, der den Markt in Schwung bringt. Auch der Massentourismus könnte dann möglicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn die Flüge von Blue Origin und Virgin Galactic wären quasi Kurzausflüge, die mit geschätzten rund 250 000 Dollar deutlich günstiger wären als die längeren Flüge um den Mond oder zur ISS.

Branson jedenfalls will offenbar schon bald Details nennen. In dem Video, dass Bezos düpierte, sagt er: „Wenn wir zurückkehren, werde ich etwas sehr Aufregendes ankündigen, um mehr Menschen die Chance zu geben, Astronauten zu werden.”

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