20 Oktober 2017 | Kultur & Unterhaltung

100 Jahre afrikanische Tiermalerei

Die Familie Aschenborn: Drei Generationen widmen sich der Kunst

Die Aschenborn'sche Kunst ist seit über hundert Jahren für ihre Tiermalerei bekannt. Nun hat Uli Aschenborn zu Ehren seines Vaters, des namibischen Malers und Kunstschnitzers Dieter Aschenborn, einen Film über dessen künstlerisches Schaffen produziert.

Den Aschenborns liegt die Kunst im Blut: Schon in der dritten Generation steht der Name Aschenborn für Malerei. Bereits vor über hundert Jahren malte der gebürtige Deutsche, Hans Anton Aschenborn, seine ersten Werke. Im Jahr 1909 wanderte der Maler und Autor nach Deutsch-Südwestafrika aus, wo er 1912 die südlich vom Waterberg gelegene Farm Quickborn erwarb und betrieb. Dort nutzte er die Möglichkeit, das Wild ausführlich zu studieren. Erst als er in seine Heimatstadt Kiel zurückkehrte, konnte er durch seine afrikabezogene Malerei die erhoffte künstlerische Anerkennung erlangen.

Sein Sohn, Dieter, interessierte sich früh für die Kunst und lernte das Handwerk durchs Zusehen. Doch schon bald fand er zu seinem eigenen Ausdruck. „Da die Dürrezeiten in Namibia hart waren, arbeitete Dieter auch als Farmverwalter, Agent für Tiermedizin und Heimleiter im Norden Namibias“, so heißt es im Film über Dieter Aschenborn. Zudem macht das Video bewusst, dass Dieter durch seine Kunst den Leuten den Wert und die Schönheit der namibischen Natur vor Augen führen wollte: „Dieter wollte die Schönheit des wilden Afrikas in seinen Werken einfangen. Es gibt genug Künstler, die sich der Verarbeitung des Negativen verschrieben haben. Wenn er nicht den schönen Augenblick eingefangen hätte, wäre er für immer verloren.“

Sein Sohn Uli ließ sich ebenfalls für die Arbeit seiner Vorfahren begeistern und trat in deren Fußstapfen. „Mein Vater war der erste in Etoscha ansässige Wildschutzwart – so wuchs ich zwischen wilden Tieren und Buschleuten auf. Gemeinsam mit meiner Schwester bin ich mit ihnen durch den wilden Busch gestreift. Da war es für mich nur natürlich, mich für das namibische Wild zu begeistern“, erinnert sich Uli Aschenborn.

1960 zogen die Aschenborns nach Windhoek. Da es auch in der Hauptstadt nicht immer einfach gewesen ist, sich mit Kunst über Wasser zu halten, arbeitete Dieter beim Bau des Hardap-Damms als Landvermesser, als Leiter der Nachtschicht, als Boss eines Kinos, als Safarileiter, als Lehrer und spielte die Hauptrolle in einem Film über einen Farmer in Namibia. Das Vater-Sohn-Gespann hat auch in gemeinsamer Arbeit ausgestellt und zusammen gemalt sowie neue Techniken kreiert. Außerdem hat Uli viele Werke seines Vaters fotografiert und restauriert. Gemeinsam haben die Bilder der Aschenborns das Bestreben, Tiere mit einer Leichtigkeit und Lockerheit darzustellen. Das umfangreiche Können, das man benötigt, um das zu erreichen, haben sie über die Generationen gemeinsam erarbeitet. Dieter Aschenborn sagte seinem Sohn zufolge einst: „Wenn man meint, ein Geigenspieler, der beim Geigen schwitzt, weil er hart arbeitet, müsse auch gut sein, irrt man sich. Es muss leicht und wie hingeworfen klingen – ganz so als singe die Geige von selbst. Das erreicht man nur durch viel Übung. Genauso ist es in der Kunst.“

Neben Gemeinsamkeiten weist die Kunst der Drei aber auch erhebliche Unterschiede auf. Dieter faszinierte sich vor allem für das Auflösen von Tieren im Buschwerk und ließ Tiere und Natur ineinander übergehen. Eine weitere Spezialität von ihm waren die durchbrochenen Schnitzereien. Sein Sohn Uli dagegen stellt die Tiere oft in ungewöhnlicher Perspektive und in Bewegung dar, auf wilder Flucht, im Angriff – das macht seine Bilder dynamisch und lebendig.

Dieter Aschenborn wäre 2015 hundert Jahre alt geworden. Zu diesem Jubiläum hat sein Sohn dessen künstlerisches Lebenswerk in einem Film mit einer Auswahl der besten Werke zusammengefasst. Zu finden ist er auf YouTube.


Wie der Vater, so der Sohn

Auch Uli Aschenborn macht seinem Namen also alle Ehre und gilt heute als einer der bekanntesten Maler Namibias. Das „United Art Rating“ zählt ihn, wie auch bereits seinen Vater Dieter Aschenborn (1915-2002) sowie den Großvater Hans Anton Aschenborn (1888-1931) zu den weltbesten Künstlern der letzten beiden Jahrhunderte.

Zunächst absolvierte Uli Aschenborn ein Bauingenieurstudium. Dieses habe ihn dazu angeregt, anspruchsvolle Techniken zu entwickeln. Doch dass er sich der Kunst widmen möchte, wusste er von klein auf: „Künstler war ich immer schon: Die ersten Bilder verkaufte ich bereits als Kind. Meine erste große Ausstellung in Windhoek 1965 hieß ,Drei Generationen Aschenborn' mit Bildern von meinem Großvater, meinem Vater und mir. Ich habe nie aufgehört, zu malen.“ Kürzlich stellte er seine veränderlichen Werke im Suermondt-Ludwig-Museum-Barmuseo in Aachen aus.


Amazing Changing Art

Dass Bilder keineswegs bloß statische Abbildungen sein müssen, zeigt Uli Aschenborn mit seinen sich verändernden Werken: Geschickt spielt er mit Licht und Schatten sowie Perspektive. So entstehen verschiedenste wandelbare Kunstwerktypen: Drehbilder, die auf den Kopf gedreht etwas anderes abbilden; Glaskuben, deren Inhalt sich ständig verändert, wenn man sich bewegt; Lichtobjekte, die ihre Farben selbständig sowie bei Veränderung der Perspektive ändern; „lebende Zeichnungen“, die von rechts und links jeweils andere Bilder zeigen oder Drehskulpturen, die angestrahlt einen veränderlichen Schatten auf die Wand werfen. Diese zeigen beispielsweise Metamorphosen – das heißt, kleine „Schattenriss-Filme“. Auf diese Weise entsteht durch den Schatten der sich drehenden Figur eine Art Film an der Wand. Der Betrachter erkennt das Heranwachsen eines Menschen oder die Entwicklung vom Affen über den Urmenschen zum Homo Sapiens.

Die Möglichkeiten sind vielseitig: „Ich habe mehrere Maltechniken entwickelt und weiter vorangetrieben, durch die ich veränderliche Bilder schaffen kann. Dieses Verfahren bezeichne ich als Chamäleon-Technik. Der Name ist vor allem deshalb treffend, weil ich hierdurch Werke kreiere, deren Farbe als auch Inhalt sich verändern kann. Diese Veränderung tritt auf, wenn man die Bilder entweder von links oder rechts betrachtet. Effekte dieser Art erziele ich, indem ich mir die optischen Gesetze zu Nutze mache: Lichtbrechung, Reflexion und Schatten. Manchmal setze ich hierfür beispielsweise Sand als Malgrund ein“, so der Künstler über seine Arbeit. „Die namibischen Medien fassen die veränderliche Kunst von mir zusammen unter der Bezeichnung Amazing Changing Art“.

Den Film von Uli Aschenborn über Dieter Aschenborn kann man sich im Internet ansehen (www.youtube.com/watch?v=JU2rldq8Kok).

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