Farmer finanzieren Savanna Beef

Produzenten werden nun zu umworbenen Lieferanten
Die Aktienbeteiligung der namibischen Rinderfarmer am neuen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb übersteigt die Hoffnungen der Urheber bei weitem. Indessen verlässt sich Meatco scheinbar auf die unverminderte Unterstützung aller Fleischproduzenten und ein Wachstum aus Exporten oberhalb der Veterinärlinie.
Elvira Hattingh,Ogone Tlhage,Frank Steffen
Von E. Hattingh, O. Tlhage & F. Steffen, Windhoek

Ab dem 19. August wandte sich das Jungunternehmen „Savanna Beef Processors“ (SBP) ein zweites Mal an die Öffentlichkeit und warb erneut um Aktionäre aus dem Privatsektor, die bevorzugt selbst im Landwirtschaftssektor tätig beziehungsweise Farmer sind. Seitdem und einschließlich des vergangenen Montags (5. September) haben weitere 93 Rinderfarmer Optionen zu einem Wert von 17,734 Millionen N$ aufgenommen.

Damit haben bisher insgesamt 640 Farmer 163,7 Millionen N$ der verfügbaren Aktien im Wert von 200 Millionen N$ aufgekauft; die Farmerbeteiligung liegt nun knapp unter 82 Prozent. Indessen werden in den nächsten Tagen weitere Investitionsanträge erwartet, bevor das Beteiligungsangebot, das derzeit nur für Rinderproduzenten gilt, übermorgen verstreicht (am Freitag, den 9. September).

Ziel weit überschritten

Der Vorsitzende des „Forums für die Rindfleisch-Wertschöpfungskette“ (BVCF) sowie Vorsitzende des SBP-Aufsichtsrates, Mecki Schneider, hatte bereits einen Tag nach der Öffnung des Investitionsprogrammes bekanntgegeben, dass das Ziel einer Produzentenbeteiligung in Höhe von 75 Prozent an dem neugeplanten Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetrieb bereits übertroffen worden war. Zu jenem Zeitpunkt hatten bereits 39 Produzenten insgesamt 12,258 Millionen N$ aufgebracht. Das Forum hatte bei seiner Gründung eine Beteiligung in Höhe von mindestens 100 Millionen N$ als Voraussetzung für eine Lebensfähigkeit des Projektes angekündigt.

Unterdessen hatten das BVCF sowie das Börsenunternehmen Cirrus Capital vom 22. bis 25. August eine dritte landesweite Werbekampagne für SBP in Grootfontein, Otavi, Outjo, Otjiwarongo, Gobabis, Leonardville und in Windhoek veranstaltet. Dabei wurde Farmern geholfen, die sich mit dem Beteiligungsantrag schwer taten. Der BVCF ist eine Mitgliedsorganisation der SBP.

Brukarros für den Süden

Das Forum hatte am Dienstag, den 16. August, sein erstes Jahrestreffen in Windhoek abgehalten. Rund 220 Personen nahmen teil und während der Veranstaltung einigte man sich unter anderem auf die Weiterentwicklung des Brukarros-Schlachthofes auf Keetmanshoop. Dieser kann innerhalb eines Jahres wiedereröffnet werden, wodurch dem BVCF die Möglichkeit geboten würde, seine Pläne schneller in die Tat umzusetzen.

Die Verfügbarkeit von Wasser, Strom und Arbeitskräften sind Faktoren, die sich auf den Entschluss auswirken werden, wo der neue Schlachtbetrieb errichtet wird. Brukarros könnte dabei den Farmern aus dem Süden des Landes dienen. Diesbezüglich kommt die Vereinbarung zwischen BVCF, dem Eigentümer von Brukarros und NULEXiS (Wertschöpfungsketten-Spezialist) scheinbar gut voran was die Finanzierung, Beteiligung und Modernisierung der Anlage anbetrifft.

Aus einem Privatgespräch mit einem Farmer, der an SBP Interesse zeigt, konnte die AZ ableiten, dass der Staatsbetrieb Meatco scheinbar kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit SBP gezeigt hat, wodurch die eigenständige Entwicklung einer Anlage nun zu einer Vorrausetzung geworden ist. Auch der Beefcor-Schlachthof in Okahandja lehnt scheinbar eine Zusammenarbeit ab.

Meatco doch zuversichtlich

In einem Gespräch mit der AZ-Schwester Namibian Sun, zeigte sich der Geschäftsführer von Meatco, Mwilima Mushokabanji, davon überzeugt, dass der Betrieb durch den umstrittenen Veterinärzaun im Norden (Schranke gegen Maul- und Klauenseuche), eingeschränkt wird. Die Schlachttiere der Farmer südlich des Zaunes seien für den Export nach Südafrika, Botswana, die USA, China und die EU gedacht. Das Vieh aus dem Norden würde über den „Northern Communal Areas“-Zweig nach Angola und Ghana vermarktet.

„Wenn wir landesweit freien Zugang hätten und Namibia als Freizone gelten würde, hätte Meatco keine Probleme mit den Durchschlagsmengen. Der verminderte Zugang zu Tieren im Norden beeinträchtigt Meatco und unsere Einnahmen“, sagte Mushokabanji. Er schien dabei zu vergessen, dass ihm künftig wahrscheinlich 640 Produzenten im „Süden“ verlorengehen, nachdem er das SBP-Angebot für eine Zusammenarbeit abgelehnt hatte. Wenn diese 640 Farmer durchschnittlich 40 Rinder pro Jahr schlachten, gehen Meatco künftig mehr als 25 000 Rinder verloren. Das Rekordtief von nur 36 074 geschlachteten Tieren laut dem Meatco-Jahresbericht 2020-21 (116 Mio. N$ Verlust), verschafft der Zahl Kontext.

Das würde aber erklären, warum Meatco nun auf die Verschiebung des Veterinärzauns hofft, denn darin erkennt es seine Rettung, wobei nicht auszuschließen ist, dass die Farmer, die künftig Teil einer MKS-Freizone wären, sich nicht auch dem SBP zuwenden. Indessen hofft Mushokabanji, dass Meatco aus der Schaffung einer afrikanischen Freihandelszone Vorteile ziehen könnte.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-11-27

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