ReconAfrica scheint in Botswana ähnlich vorgehen zu wollen wie in Namibia, denn obwohl laut dem botswanischen Bergbauministerium bisher “keine Berichte vorliegen” (womit Vorkommen und/oder Umweltauswirkungen gemeint sein können), scheint sich das staatliche Ölunternehmen BOL bereits für eine ReconAfrica-Beteiligung zu interessieren. Grafik: World Heritage Watch Report 2021
ReconAfrica scheint in Botswana ähnlich vorgehen zu wollen wie in Namibia, denn obwohl laut dem botswanischen Bergbauministerium bisher “keine Berichte vorliegen” (womit Vorkommen und/oder Umweltauswirkungen gemeint sein können), scheint sich das staatliche Ölunternehmen BOL bereits für eine ReconAfrica-Beteiligung zu interessieren. Grafik: World Heritage Watch Report 2021

ReconAfrica-Model macht Karriere

Nach NamCor wird jetzt BOL die Beteiligung angeboten
ReconAfrica regt sich nun scheinbar erstmals in Botswana. Laut Regierungsauskunft wurde bisher kaum prospektiert, doch nun erwägt die staatliche Ölgesellschaft – ähnlich NamCor in Namibia – eine Beteiligung an der Botswana-Tochter ReconAfricas. Indessen behaupten auch dortige Fachkräfte, dass es in diesem Gebiet keine kommerziell lohnenden Vorkommen gebe.
Frank Steffen
Von Frank Steffen, Windhoek

Die Regierung von Botswana sei dabei, über ihr Ministerium für Mineralien und Energie und die neu gegründete Botswana Oil Limited eine Partnerschaft mit Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) über ihre Tochtergesellschaft Reconnaissance Energy Botswana anzuvisieren, schrieb „The Botswana Gazette” in der vergangenen Woche. Ziel der Transaktion sei es, in das Explorationsprojekt des Bergbauunternehmens in dem Tsodilo-Gebiet von Ngamiland einzusteigen. Damit folgt Botswana dem Muster der namibischen Regierung, die über NamCor an dem ReconAfrica Projekt in Namibia beteiligt ist.

Der botswanische Ältestenrat „Ntlo ya Dikgosi“, der sich aus Stammesoberhäuptern und Vertretern aus der Bevölkerung zusammensetzt, hatte im März 2021 seinem Staatspräsidenten Mokgweetsi Masisi eine Erklärung hinsichtlich der Gas- und Ölexploration im Nordwesten Botswanas abverlangt. Was daraus wurde, ist bisher unklar. Denn das Gremium hat keine Staatsgewalt, dient aber dem Parlament als Ratgeber und wird von Einwohnern hoch respektiert. Bisher war dies auch auf Staatsebene der Fall. Andererseits hatte die botswanische Regierung UNESCO versichert, dass kein Fracking in der Umgebung des Tsodilo-Hills-UNESCO-Welterbes im Okavango-Delta zugelassen werde.

Im Juni 2021 hatte sich der „World Heritage Watch Report“ mit der Suche nach Öl in den ökologisch-sensiblen Kavango-Regionen Namibias und dem Okavango-Delta in Botswana befasst (AZ berichtete). Hintergründe sowie Folgen einer Ölsuche in diesem Gebiet wurden beleuchtet mit den Schwerpunkten Tsodilo-Hills im Okavango-Delta sowie Bohrlöchern in unmittelbarer Nähe und teilweise auf dem Gelände von Kommunalwäldern und traditionellen Wohngebieten der San-Urbevölkerung und vieles mehr.

Wertlose Beteiligung

Doch nun scheint sich ReconAfrica die nächste Regierung hörig machen zu wollen, indem es genau wie im wirtschaftlich angeschlagenen Namibia nun auch Botswana eine Beteiligung an einem Unternehmen anbietet, das bisher keine wirklichen Werte nachweisen kann. Das ist einer der Gründe, warum Umweltschützer wiederholt Alarm geschlagen haben, denn bisher hat ReconAfrica entgegen internationaler Geflogenheiten, keine Garantien hinterlegt, mit welchen Mitteln Umweltschäden zumindest teilweise beseitigt werden könnten, wenn ReconAfrica sich als Misserfolg entpuppen sollte.

Laut der Gazette hat das Bergbauministerium in Botswana bestätigt, dass ReconAfrica zwar eine Prospektierlizenz in Botswana habe, dass bisher allerdings kaum etwas geschehen sei. „Die fragliche Lagerstätte erstreckt sich über die Grenzterritorien Namibias und Botswanas , doch fanden die meisten Erkundungen bisher auf der namibischen Seite und nicht Botswana statt“, heißt es in dem Bericht.

Gibt keine Kohlenwasserstoffe

Indessen beruft sich der Bericht (genau wie die AZ bisher) auf Aussagen von Fachkräften, wie Matt Totten (Jnr.), die ein Vorkommen, dass sich kommerziell lohnend abbauen läßt, in Frage stellen. Die Zeitung berichtet ferner von einem Gespräch mit Mike de Wit, der als Explorations-Manager von De Beers Africa auch zwischen 2009 und 2019 als Betriebsleiter und Chef von Tsodilo Resources im Nordwesten Botswanas Mineralvorkommen untersucht hatte. De Wit habe behauptet, dass er nach zehnjähriger Forschung und geologischen Studien vor Ort in den Tsodilo-Lizenzgebieten keine Hinweise auf Öl und Gas gefunden habe.

De Wit bestätigt demnach weitgehend vorige Behauptungen von Geologen in Namibia, indem er darauf hinwies, dass es im Nordwesten Botswanas nur kleine und sehr dünne Formationen gibt, die denen des Owambo-Beckens entsprechen. Es gebe allerdings keine Hinweise auf Kohlenwasserstoffe in diesen Lagen und somit sei ein Vorkommen von Öl und Gas im Nordwesten Botswanas „äußerst unwahrscheinlich”.

Die Gazette verspricht ihrer Leserschaft, sich demnächst mit den Sammelklagen auseinanderzusetzen, gemäß welcher sich ReconAfrica bald in Amerika vor Gericht wird verantworten müssen, da diverse Investoren ReconAfrica sowie den Firmen-Direktoren Wertpapierbetrug vorwerfen.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2023-06-07

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