Vor 50 Jahren
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KEINE BEGEISTERUNG MEHR

München – Die drei überlebenden arabischen Guerillas, die für den Tod von elf israelischen Olympiadeteilnehmern in München mitverantwortlich waren, werden heute im Laufe des Tages vor einen Untersuchungsrichter gestellt. Der Ort ihres Aufenthaltes wird streng geheim gehalten. Sie wurden von der Polizei nach einem Feuerwechsel auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck bei München verhaftet, nachdem sie neun israelische Geiseln getötet hatten: Insgesamt 17 Menschen kamen von Dienstag bis Mittwoch gewaltsam in München ums Leben.

Inzwischen ist eine Kontroverse um die Polizeiaktion auf dem Flugplatz entstanden. Der bayerische Innenminister Dr. Bruno Merk erklärte, dass die Geiseln ums Leben gekommen seien, da es unmöglich gewesen wäre, alle Guerillas in der Dunkelheit niederzuschießen. Am Mittwoch bestand auch noch Unsicherheit über die Frage, wer die ersten Schüsse abgegeben habe. Der Leiter der Münchener Polizei, Manfred Schreiber, erklärte die Lage später, als er zugab, dass die Polizei wohl die ersten Schüsse abgegeben habe.

CHINESISCHE PROPAGANDASENDER FÜR SAMBIA

Lusaka – Gegenwärtig wurden nordwestlich von Lusaka drei von der Volksrepublik China zur Verfügung gestellte Rundfunksender montiert. Das äußerte kürzlich Sambias Präsident Kenneth Kaunda anlässlich eines Empfanges zu Ehren des neuen chinesischen Botschafters in Lusaka, Li Chiang-Fen, der bei dieser Gelegenheit sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Wie Präsident Kaunda anschließend betonte, werde Sambia mit Hilfe der Sender nunmehr in der Lage sein, „feindlichen Propagandasendungen" entgegenzuwirken.

AUSBAU DES DEUTSCHUNTERRICHTS

Windhoek – Auf ihrer gestrigen Sitzung hat die Südwester Exekutive grundsätzlich beschlossen, den Schulunterricht in deutscher Sprache an Regierungsschulen in Windhoek und Swakopmund bis Standard VII auszubauen. Der Ausbau beginnt Anfang 1973 mit Standard VI, und ab 1974 mit Standard VII. Dies gab Dirk Mudge, das für das Erziehungswesen verantwortliche Mitglied der Südwester Exekutive, heute früh bekannt. Die praktische Durchführung des Grundsatzbeschlusses der Exekutive wird jetzt in die Wege geleitet. Der Einsatz von Lehrkräften muss geplant werden, und ferner müssen die entsprechenden Lehr- und Lernmittel bereitgestellt werden.

Einzelheiten werden im Laufe der Zeit bekanntgegeben.

„EINE SCHANDE FÜR DIE GANZE WELT“

Lusaka/Kampala – Als „schrecklich, abscheulich und widerwärtig" hat am Mittwoch Sambias Präsident Kenneth Kaunda die Absicht des ugandischen Präsidenten Idi Amin bezeichnet, alle Asiaten mit britischer Staatsangehörigkeit des Landes zu verweisen. Mit der Stellungnahme Kaundas hat damit zum ersten Mal ein afrikanisches Staatsoberhaupt auch die Deportation britischer Asiaten aus Uganda kritisiert. Bisher hatten sich die kritischen Stimmen in afrikanischen Ländern lediglich auf die seinerzeit von Amin bekanntgegebene Absicht, auch Asiaten mit ugandischer Staatsangehörigkeit auszuweisen, beschränkt. Bekanntlich hat General Amin daraufhin seine Politik gegenüber Uganda-Asiaten revidiert und verlauten lassen, dass sie das Land nicht zu verlassen brauchen.

NACH 32 JAHREN WIEDER FREIWILLIGENARMEE IN DEN USA

Washington – Die US-Armee soll bald nur noch aus Berufssoldaten und länger dienenden Freiwilligen bestehen. Von Juli 1973 an wird kein Wehrpflichtiger mehr einberufen. Präsident Richard Nixon, der diesen Plan des Pentagon billigte, erfüllte damit ein Versprechen aus seinem Wahlkampf von 1968 und warb gleichzeitig um die 25 Millionen 18- bis 24-Jährigen, die bei der Präsidentenwahl im November zum ersten Mal ihre Stimme abgeben.

Der Übergang zu einer Berufsarmee, wie sie vor 32 Jahren vor Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg bestand, ist vom Pentagon seit drei Jahren vorbereitet worden. Parallel zum Truppenabzug aus Vietnam ging die Zahl der Einberufungen rapide zurück.

„IN SEHR NAHER ZUKUNFT“

New York – UNO-Generalsekretär Dr. Kurt Waldheim hofft, „in sehr naher Zukunft" die Ernennung eines Sonderbeauftragten für die Fortsetzung der Südwestafrikagespräche bekanntgeben zu können. Dies erklärte ein UNO-Sprecher einen Tag nach der Unterredung des UNO-Generalsekretärs mit dem südafrikanischen UNO-Botschafter Carl von Hirschberg. Bisher wurden keine Namen für einen künftigen Sonderbeauftragten genannt. Es wird jedoch angenommen, dass Dr. Waldheim einen neuen Kandidaten vorgeschlagen hat, nachdem Südafrika alle bisherigen Vorschläge abgelehnt haben soll. Gestern hieß es noch in UNO-Kreisen, der UNO-Generalsekretär werde möglicherweise mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten bis zur Ankunft des südafrikanischen Auβenministers in New York warten. Inzwischen meint man, dass der Sonderbeauftragte noch vor der Ankunft des Auβenministers in New York in sein Amt eingesetzt wird.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-11-27

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