Laut Dr. Guillermo Delgado wird in Namibia viel Geld für die Landreform im landwirtschaftlichen Sektor ausgegeben, wobei die große Wohnungsnot unter der Masse weitgehend unbeachtet bleibt: „Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der Landreform.“ Foto: Frank Steffen
Laut Dr. Guillermo Delgado wird in Namibia viel Geld für die Landreform im landwirtschaftlichen Sektor ausgegeben, wobei die große Wohnungsnot unter der Masse weitgehend unbeachtet bleibt: „Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der Landreform.“ Foto: Frank Steffen

Informelle Siedlungen werden zu Krise

NUST-Programm will Stadtgebiete strukturiert verwandeln
Mit der Unterstützung maßgeblicher Institutionen hat ein NUST-Team unter Leitung von Dr. Guillermo Delgado einen Grundsatz erstellt, wie die wilden Siedlungen in Namibia im Rahmen einer Strategie umgewandelt und somit formal in die Stadtbilder integriert werden könnten. Das Programm soll von den Medien unterstützt werden.
Frank Steffen
Von Frank Steffen, Windhoek

Gestern Morgen stellte Dr. Guillermo Delgado das „Projekt zur partizipativen Aufwertung informeller Siedlungen: Namibia“ (Participatory Informal Settlement Upgrading Project: Namibia, PISUPN) in den Räumlichkeiten der NUST-Hotelfachschule vor. Delgado hat als Projektleiter gemeinsam mit einigen postgraduierten Studenten bereits einige Fortschritte bei der Erstellung einer Strategie erzielt, die darauf abzielt, wie er es beschreibt: „Der offensichtlichen namibischen Krise Herr zu werden, die durch das zahlreiche Entstehen von informellen Siedlungen landesweit hervorgerufen wurde.“

Delgado ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Grundstücks- und Immobilienwissenschaften (DLPS) der Namibia-Universität für Wissenschaft und Technik. Und er ist Koordinator des „Integrated Land Management Institute“ (ILMI). Er hatte vorher als Projektleiter das nationale Wohnungsbauprogramm für das Ministerium für Städtische und Ländliche Entwicklung (MURD) überarbeitet und leitet derzeit das „Urban Forum“-Programm an der NUST.

Grundsätzlich geht es ihm darum, die namibischen Medien formell in das Projekt einzubeziehen. Dabei gehe es nicht darum, dass die Medien etwa an den Bauarbeiten helfen sollten, sondern tatsächlich das öffentliche Bewusstsein hinsichtlich der Wohnungsbaukrise zu stärken, die sich letztendlich in dem Entstehen der informellen Siedlungen manifestiere.

Die maßgeblich beteiligten Institutionen sind neben NUST auch die „Namibia Housing Action Group“ zusammen mit der „Shack Dwellers Federation of Namibia“ (SDFN), sowie UN-Habitat, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), MURD und die Stadt Windhoek. Delgado zeigte sich davon überzeugt, dass die Medien des Weiteren die Rolle eines „Wachhundes“ übernehmen könnten, in der Hoffnung dass teilnehmende Institutionen somit in die Pflicht genommen würden: „Es geht nicht mehr um ein oder zwei Häuser, die gebaut werden müssen. Wir müssen eine Strategie finden, die uns erlaubt die Entstehung der informellen Siedlungen zeitig zu erkennen und diese formell in das Stadt einfließen zu lassen während wir bestehende Siedlungen systematisch umfunktionieren. Deshalb haben wir die Stadtverwaltungsvereinigung ALAN (Association for Local Authorities in Namibia) mit dabei, und die muss politischen Willen an den Tag legen.“

Laut Delgado folgt Namibia dem internationalen Trend, gemäß welchem etwa 70 Prozent der Bevölkerung in die Städte zieht. In Namibia komme dabei mittlerweile ein Durchschnitt von 50% der Bevölkerung in informellen Siedlungen unter. „Um den Rückstand abzubauen und den jährlichen Neubedarf abzudecken, müssen wir 22 000 Wohnungen pro Jahr bauen und das lässt sich wahrscheinlich einfacher und billiger tun, indem wir Selbsthilfeprogramme wie die SDFN unterstützen, denn dadurch würden wir den Leuten die teure Arbeit der Handwerker am Bau ersparen“, so Delgado.

Während der lebhaften Diskussion wiesen Journalisten auf Erfahrungen, die in die Überlegungen des Projekts eingebracht werden sollten. „Ich weiß aus verschiedenen Gesprächen, dass es Leute gibt, die gar nicht formell Wohnungen haben wollen, da sie Windhoek gar nicht als ihr Zuhause ansehen. Sie wollen hier arbeiten und wenn sie in Rente gehen, wollen sie ohne ausstehende Verpflichtungen zurück in den Norden“, argumentierte die Journalistin eines Tageblatts. Die Bemerkung fand Zustimmung, doch stellte sich heraus, dass es sich dabei hauptsächlich um einen Generationsunterschied handelt.

Auf Bitten der Medien hin, will das NUST-Team nun eine Informationsserie erstellen, die einheitlich von den Medien gebracht werden kann. Dadurch könnten sich weitere Helfer herauskristallisieren.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-11-27

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