Kunststoffabfälle sind in Namibia ein großes Problem. Der Müll wird auf den Deponien meist verbrannt und gelingt somit in die Umwelt. Foto: Jana-Marie Smith
Kunststoffabfälle sind in Namibia ein großes Problem. Der Müll wird auf den Deponien meist verbrannt und gelingt somit in die Umwelt. Foto: Jana-Marie Smith

Plastikverschmutzung in Afrika

Kunststoffabfälle sollen in Zukunft besser bewältigt werden
Um das wachsende Problem der Plastikverschmutzung in Afrika in den Griff zu bekommen, müssen Regierungen, Unternehmen und Nachhaltigkeitsexperten dringend und umfassend reagieren, damit die Länder nicht im Plastikmüll ertrinken, sondern auch die wirtschaftlichen Vorteile einer ordnungsgemäßen Abfallwirtschaft nutzen können.
Claudia Reiter Windhoek
Claudia Reiter

Windhoek

Die namibische Universität (UNAM) wird in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) eine Studie darüber durchführen, wie Kunststoffabfälle in Zukunft besser bewältigt werden können.

Das Projekt mit dem Titel „Assessment of household plastic waste handling in the city“ wurde im Februar 2022 bewilligt und wird mit finanzieller Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung bis zu zwei Jahre lang die Bewirtschaftung von Haushaltsabfällen sowohl in Wien als auch in Windhoek untersuchen. Das Projekt hofft, in diesem Monat mit der Datenerhebung beginnen zu können.

Ferner sollen die führende Entscheidungsträger aus der Kunststoff-Wertschöpfungskette sowie aus dem öffentlichen und privaten Sektor für die panafrikanischen Konferenz „Towards Zero Plastics to the Seas of Africa“ zusammenkommen. Das Ziel sei es, um konkrete Aktionspläne für die 54 afrikanischen Kontinental- und Inselstaaten zu formulieren.

Die Konferenz, die vom 23. bis 27. Mai in Nelson Mandela Bay, Südafrika, stattfindet, wird vom „African Marine Waste Network“ des ‚Sustainable Seas Trust' ausgerichtet und bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, zu einem klaren Entscheidungsrahmen für die Bewirtschaftung von Kunststoffen beizutragen. Der Leitfaden für die Entwicklung nationaler und regionaler Aktionspläne soll bis Oktober dieses Jahres veröffentlicht werden. Diese panafrikanische Konferenz findet im Anschluss an die Resolution der UN-Umweltversammlung (UNEA) statt, bis 2024 ein rechtsverbindliches globales Abkommen über Plastikmüll auszuarbeiten.

„Alle sechzig Sekunden gelangen schätzungsweise 20 Tonnen Plastik in die Weltmeere, und wenn wir so weitermachen wie bisher, wird diese Zahl in den nächsten 18 Jahren voraussichtlich auf 56 Tonnen pro Minute ansteigen. Da der Verbrauch in Afrika aufgrund des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums ansteigt, befürchten einige Experten, dass diese Prognosen für Afrika um bis zu 12 % zu niedrig angesetzt sind“, sagt Dr. Tony Ribbink, Gründungsmitglied und derzeitiger Geschäftsführer von „Sustainable Seas Trust“ und Direktor des Programms „African Marine Waste Network“.

Die leitende Wissenschaftlerin des „Council for Scientific and Industrial Research“ (CSIR) und eine der Hauptrednerinnen der Konferenz, Professor Linda Godfrey, erklärt, dass das Problem nicht mit einer einzigen Strategie gelöst werden kann. Sie beschrieb den derzeitigen Ansatz Afrikas als katastrophal und sagte, dass die Staaten nicht so weitermachen könnten wie bisher, wenn es um Entwicklung und Abfallmanagement gehe.

„Da die meisten Deponien in Afrika einfache Müllkippen sind, werden erhebliche Abfallmengen verbrannt oder gelangen in unsere Umwelt.“ Ihrer Meinung nach sind die derzeitigen Abfallbewirtschaftungssysteme nicht in der Lage, die Arten und Mengen der derzeit anfallenden Abfälle zu bewältigen.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-12-08

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