04 Oktober 2019 | Glosse

Zwischen Dürre und Geisterregen

Im Katastrophenjahr der Dürre muss alles weitergehen, was weitergehen kann. Und das Funkhaus Namibia bemüht sich weiter mit der Frühstückssendung, die mit Hymnen und Andacht nach der allgemeinen Kürzung der Sendestunden auch Federn lassen musste. Und welches Thema könnte denn die Frage des Tages besser prägen als das Verlangen nach Regen?

Nun hat das Funkhaus eine neue Kraft angeheuert, die auch schon in die Frage des Tages eingeweiht is. Fast täglich kannste aus dieser Frage was lernen. Diese Woche war der Geisterregen dran, den jeder Oukie, jede Tussie, jeder Comräd und jede Meme kennt den sattsam, ganz gleich ob unter einem Namen oder als Frustgefühl, wenn in der Sommerhitze ein paar Wolken hochziehen, vielleicht sogar biekie Blitz und Donner bringen und sich als Trockengewitter mit stürmisch-sandigen Bodenböen gebärden. Einige unserer Altvorderen, die totalitäre Regimes mit Hakenkreuz und Hammer und Sichel mitmachen mussten, ham das als „alles nur Propaganda“ bezeichnet.

Aber das bringt uns vom Geisterregen ab und wo der eigentlich reinpassen soll. Der Radiofritze - noch in der namibischen Lernkurve - is bei der Fragestellung bei unserem blanken Himmel davon ausgegangen, dasses Geisterregen hier gar nich geben könne. Bleibt er biekie länger als die drei Touristenmonate, wird er in unseren hitzig-durstigen Sommermonaten Geisterregen erleben, den er nie mehr vergessen wird. Die altvorderen Buren, ob se nu den Dorslandtrek oder sonstige Treks mitgemacht ham, ob se auf ´ner Graslizenz gesiedelt oder als Arm Blankes am Stadtrand gesquattet ham, was heute andere Leut tun, ham für das harte Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur immer passende Bildsprache gefunden.

Auch ohne Blitz- und Donnerpropaganda - Trockengewitter - fangen manche Wolken - so biekie dunklen Bauch müssen se schon ham - in der flimmernden Mittagshitze über dem glühenden Boden an zu regnen. Den verheißungsvollen Vorhang kannste unter der Wolke sehen. Aber die Strähnen schaffen´s nich bis zur Erde. Noch bevor die Tropfen die Hälfte des Falls zur lechzenden Erde gedroppt sind, sind se schon wieder verschwunden, verdunstet, futschikato, skoonveld, vom Gluthauch verschluckt. Midair. In Zoten und Fransen hängt der Vorhang am Horizont und die Regenbeter aller Konfessionen fragen sich, ob se denn in diesem Leben noch erhört werden.

Und die alten Buren ham die Zoten und Fransen genau wie wir bestürzt am Himmel wahrgenommen und sich achselzuckend mit der Bemerkung abgewandt - das müssen muhts Mannsen gewesen sein - : „dit reent vroumense hare“. Denn wenn ein Weibsen auch noch so lange Haare hat, die reichen net nich bis zum Boden.

Im Übrigen spielt der Regen noch in einer anderen Situation ´ne Rolle. Auf einer Farm in der Großen oder Kleinen Karru hat vor vielen Jahren im Schuppen ein Tanz stattgefunden. Die alte Farmerin und Großmutter wurde zum Tanz aufgefordert und hat paar Runden gedreht, aber dann schnell abgebrochen. Und sie verließ den Tanzboden mit den Worten, dass ´ne alte Frau wie Frühregen bei Sonnenaufgang is. Albei is vroeg van die baan. Beide verziehen sich schnell.

Dürre mildern

Inzwischen muss jedermann mit steigernden Härten der Dürre und schlimmem Wassermangel rechnen. Ökopropheten sagen an, dass die Kriege des 21. Jahrhunderts um Trinkwasser geführt werden. Der Hakiebusch wird schon zu Futter gehäckselt, aber da kommt nich jeder Farmer ran. Aus den Zeitungspressen von Ovenduka wird stief Andruckpapier ausgestoßen und bleiben viele Blätter von gestern liegen. Beester und Bokkies im hohen Norden, der nich mehr Ovamboland heißen will, fressen schon huka Zementsäcke, Karton und Papier.

Hier gibt´s noch stief Entwicklungsmöglichkeiten. Auf ein Neues!

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