18 Juli 2019 | Glosse

Zwischen Dürre, Depression & Wahlen kommt Stress auf

Im Wahljahr 2019 führt die Partei, die sich für die Größter aller Zeiten hält, im Parlament eine patriotische Bestandsaufnahme durch. Die Vordenker und Ideologen wollen wissen, ob das Land der Braven und Bravourösen, bzw. das Haus Namibia, noch unter dem Leitspruch „One Namibia, one Nation“ vereint sei. Ein Volk, ein Reich … oder so ähnlich. Die behäbigen Volksvertreter sollen sich zur Fragestellung äußern.

„Is das Volk der Bravourösen noch unter dem Wahlspruch vereint?“ Gegenfrage: war es denn jemals vereint, wie das Motto zu suggerieren versucht? Totale Einheit hieße so etwas wie komplette Gleichschaltung, was allein schon die vitale Sprachenvielfalt und die Schattierung der Hautfarben unmöglich macht. Dem Einheitsideal steht wiederum die Metapher des farbenfrohen robusten (Karakul)Teppichs entgegen, der aus so vielen bunten und klingenden Fäden besteht, die die Nation Namibia einzigartig machen.

Aber gleichzeitig gibt´s stief Zerreißproben und Spannungen im selbigen Teppich, im Hause Namibia, wie Innenminister Comräd Omushamane Frans Kapofi jetzt im Parlament beklagt hat. Er is ´n altgedienter Kämpe und hat seit der Unabhängigkeit eine stetige Beamten- und nun politische Laufbahn verfolgt. Er gehört nich zu den Feuerfressern der Partei. Also, Omushamane Kapofi wehrt sich gegen den Vorwurf aus den Minderheitsgruppen an die Ovambo, dass letztere die meisten Staatsposten besetzten und dass die Entwicklung der O-Regionen (Omusati, Oshana, Oshikoto und Ohangwena) vor den anderen zehn Regionen Vorrang genössen. Unter Hinweis auf alle drei Präsidenten, unter denen er gedient hat und noch dient, versichert er, dass keiner unter ihnen irgendein Programm zu Bevorteilung einer besonderen Gruppe verfolgt habe. Und genau da liegt auch das Dilemma der Regierung Hage Gottfried Geingob, die zwar die Forderung nach Wiedergutmachung für vermeintlichen Genozid unterstützt, aber nich einfach mir nichts, Dir nichts die ethnisch exklusive Förderung zweier ethnischer Gruppen gutheißen kann, weil das unter Ausschluss aller anderen Gruppen geschehen müsste. Damit wären wir wieder mitten im Odendaal-Plan und in der Apartheid.

Aber das is der Trabbel. Wahrnehmung und Wirklichkeit, wer der Begünstigte sei, können sich sehr voneinander unterscheiden. Und noch schlimmer, wenn sie sich nich unterscheiden, sondern übereinstimmen!

Neben Kapofi hat sich in der Nationalversammlung noch Justizminister Sakkie Shangala zu Wort gemeldet. Sakkie is als steigender politischer Stern, aber auch dafür bekannt, dass er ca 35 Mio. Nam-Dollar an eine Anwaltskanzlei in London zahlen ließ, dass die so etwas wie ein Genozid-Gutachten erstellen sollte. Jesslaik, Sakkie, das Gutachten wollen wir aus zweierlei Gründen wüst gern lesen! Einmal natürlich, wie die in London, wo auch eine namibische Kraft eingebunden war, mit dem Thema umgehen. Und zum Anderen, ob unsere hiesigen Anwälte nich einen besseren Job – für weniger Honorar! – gemacht hätten.

Aber zurück zu Sakkie in die Nationalversammlung. Der Oministeli macht sich ebenfalls Sorgen um die Einheit der Nation. Im Wahl-, Pleite- und Dürrejahr liest er die Intensität des Stresses unter Comräds, Bravourösen, Oukies und Tunten an der Vielfalt der Schimpfvokabeln ab, die sie gezielt gegen andere von sich geben. Djerry, Soutp … und Schlappohr is scheinbar nix dagegen: /Abeba (!Abeba?), Mukweko, Omuzorotua, Omukwhangala und Muduni. Sakkie hat da nur einige unter vielen genannt. Die hier kommen unter den Khoe­khoegowab-Sprechern, Kwangali, Ovaherero, Ovambo und Kwangali vor. Dabei schmeißen sich beispielweise Bantugruppen u. A. abfällige Bezeichnungen für Buschleute/San gegenseitig an den Kopf, um sich schlecht zu machen, obwohl die San selbst gar nich involviert sind.

Wenn die Wahlen kommen, die Dämme weiter austrocknen, die Weide noch knapper wird, die Hitze flimmert und noch mehr Vieh verreckt, müsst Ihr Euch sowahr nich nur vor Schimpf und Verleumdung in Acht nehmen.

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