10 September 2018 | Lokales

Zeichen der Solidarität

Mord an Mädchen Cheryl mobilisiert zu Kundgebung gegen Gewalt

Ein Protestmarsch gegen geschlechterspezifische Gewalt, die Überreichung einer Petition an die Premierministerin und ein Sträfling, der den Mörder des neunjährigen Mädchens Cheryl auffordert, sich zu stellen: Nach der Grauentat zeigt Namibia Zusammenhalt und fordert Gegenmaßnahmen.

Von Nampa und Nina Cerezo, Windhoek

Kein anderer als ein Straftäter selbst fordert im Fall der neunjährigen Cheryl Avihe Ujaha den Mörder auf, sich der Polizei zu stellen und damit der Familie die Möglichkeit zu geben, „inneren Frieden zu finden“. Der Häftling des Windhoeker Zentralgefängnisses Collin Witbooi sprach am Donnerstag vergangener Woche bei der Trauerfeier des Mädchens, dessen Leiche am 28. August zerstückelt in einem Flussbett im Windhoeker Stadtteil Khomasdal gefunden war (AZ berichtete).

„Wir als Straftäter wissen genau, wie du (Cheryls Mörder) dich gerade fühlst. Auch wir haben versucht, dem Gesetz zu entkommen, aber das schlechte Gewissen hat nie aufgehört, uns zu jagen, bis wir den Verstand verloren haben“, sagte Witbooi bei der Gedenkveranstaltung. Er sprach weiter zum gesuchten Straftäter: „Du kannst vielleicht der Justiz entkommen, aber niemals der Gerechtigkeit Gottes.“

Den Worten Witboois schloss sich auch die Ministerin für Geschlechtergleichheit und Kinderfürsorge, Doreen Sioka an, die dazu aufrief, „mannhaft genug“ zu sein, sich auch deshalb der eigenen Verantwortung zu stellen, weil es in Namibia keine Todesstrafe gebe.

Der Trauerfeier am Donnerstag folgte am Freitag ein Protestmarsch gegen geschlechterspezifische Gewalt durch Windhoek. Die rund 500 Teilnehmer liefen von der Commando-Halle in der Clemence-Kapuuo-Straße über die Shanghai-Straße bis nach Staanvas und dort zu jenem Flussbett, in dem die Überreste von Cheryl gefunden wurden. Dort legten die Demonstranten, zu denen auch Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila, Windhoeks Bürgermeister Muesee Kazapua, die Gouverneurin der Khomas-Region Laura McLeod-Katjirua sowie Schüler und Lehrer von Cheryls Grundschule Gammams zählten, einen Kranz nieder und zündeten Kerzen an. Verschiedene Bürger brachten während des Marschs auf Plakaten ihre Forderungen wie „Gerechtigkeit für unsere Kinder“, „Lasst unsere Kinder in Frieden“ oder „Stoppt geschlechterspezifische Gewalt“ zum Ausdruck.

Im Anschluss an die Demonstration nahm die Premierministerin schließlich im Mehrzweck-Jugendzentrum in Katutura eine Petition entgegen, in der ein Ende der Gewalt gegenüber Kindern gefordert wird. Verlesen von einer Sozialarbeiterin der namibischen Universität (UNAM) heißt es darin: „Wir rufen die namibische Regierung und die Bürger dazu auf, gemeinsam die Sicherheit unserer Kinder zu erhöhen“, wobei dies unter anderem durch die Wahrung der Menschenrechte geschehen solle. Kuugongelwa-Amadhila nannte die gewalttätigen Übergriffe auf Kinder und Frauen ein „großes nationales Problem“ und sprach dabei Aussetzen von Babys, Vernachlässigung von Kleinkindern, sexuellen Missbrauch sowie Entführung und Mord an.

Cheryl war zunächst am 26. August als vermisst gemeldet und zwei Tage später schließlich tot aufgefunden worden. Die namibische Polizei hat eine Belohnung in Höhe von 100000 Namibia-Dollar für Informationen ausgesetzt, die zur Verhaftung und Verurteilung des Mörders führen. Das Mädchen wurde am Samstag unter großer Anteilnahme zahlloser Trauergäste beim Gammas-Friedhof in Pionierspark beerdigt.

Gleiche Nachricht

 

Fortschritt beim Wohnungsbau

vor 2 tagen - 16 November 2018 | Lokales

Walvis Bay (er) - Der Bürgermeister von Walvis Bay, Immanuel Wilfred, ist vom Wohnungsbau in seiner Stadt beeindruckt. Während der Stadtratssitzung unlängst sprach er von...

Proteste gegen Gewalt

vor 6 tagen - 12 November 2018 | Lokales

Von Clemens von Alten und Erwin Leuschner, Swakopmund/WindhoekGenau eine Woche nachdem die Künstlerin Lindie Prinsloo ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wurde (AZ berichtete), setzten Bewohner...

Redakteursforum verurteilt Praxis

vor 6 tagen - 12 November 2018 | Lokales

Windhoek (ste) - Am vergangenen Freitag blickte das Namibische Redakteursforum EFN als Teil seiner Jahreshauptversammlung auf das Geschehen des vergangenen Jahres zurück. Dabei äußerte sich...

Behördengänge bleiben weiterhin eine Geduldsprobe

1 woche her - 09 November 2018 | Lokales

Obwohl sich die administrativen Abläufe beim Innenministerium deutlich beschleunigt haben und Pässe, Identitätskarten und andere Dokumente inzwischen mitunter bereits nach wenigen Tagen erhältlich sind, bleiben...

Bewohner „entlassen“ Stadtrat

1 woche her - 09 November 2018 | Lokales

Von Erwin LeuschnerSwakopmund/Henties Bay Etwa 30 Einwohner der Küstenortschaft Henties Bay sind mit dem Stadtrat alles andere als zufrieden. Deshalb marschierten sie am Mittwoch zum...

Stadtdirektor erneut suspendiert

1 woche her - 08 November 2018 | Lokales

Windhoek (nic) – Die Windhoeker Stadtverwaltung (CoW) hat ihren Stadtdirektor Robert Kahimise (Bild) erneut suspendiert. Wie heute Vormittag in einer von der stellvertretenden Bürgermeisterin Teckla...

Tabubruch empört Redakteursforum

1 woche her - 07 November 2018 | Lokales

Windhoek (ms) – In einer ungewöhnlich scharfen Erklärung hat das Redakteursforum (Editors´ Forum of Namibia - EFN) die Veröffentlichung eines Fotos verurteilt, das einen mutmaßlichen...

Geingos von Aids-Stiftung in Berlin ausgezeichnet

1 woche her - 06 November 2018 | Lokales

Die First Lady Monica Geingos (z.v.l.) ist am Samstag in Berlin zusammen mit dem Rockmusiker Bob Geldof (M.) im Rahmen der 25. Operngala der Deutschen...

Schwere Entscheidung: Oliwia macht am Ende das Rennen

1 woche her - 06 November 2018 | Lokales

„Bei Oliwia fühle ich Wärme und Geborgenheit.“ Damit hat Farmer Jörn seine Entscheidung für die 28-jährige Übersetzerin (Bild) getroffen – für die 29-jährige Konstrukteurin Ilona...

Keine AZ beim Straßenverkäufer

vor 2 wochen - 02 November 2018 | Lokales

Windhoek (AZ) • Wenngleich die Verkaufsprovisionen normalerweise nur am Anfang des Jahres mit den Zeitungsverkäufern auf den Windhoeker Straßenkreuzungen unterhandelt werden, weigerten sich diese...