19 Juni 2019 | Leserpost

Wurden wirklich alle angehört?

Betr.: Offener Brief an Deutschland (AZ 13. Mai)

Lieber Herr Steffen,

die Vergangenheit kann man von sich schieben bis in die Versenkung, aber verschwinden tut sie nie. Unrecht, das Menschen sich antun, nicht nur während der deutschen Herrschaft hier, kann nie wieder gut gemacht werden.

Auch nicht der bekannt-berüchtigte Maharero-Erlaß zur Auslöschung aller Deutschen. Nach 115 Jahren der Rebellion gegen die Landesobrigkeit tritt aus der Ruhe der Vergangenheit nicht nur diese Agitpopgruppe von Uni Hamburg, AdK-Berlin und ECCHR in Gestalt ihrer Vertreter aus den Fachgebieten Geschichte, Recht, Kunst und Soziales mit Herero- und Nama-Vertretern in Windhoek und Swakopmund zu einem Treffen im Goethe-Institut zusammen, das Deutschland finanziert, sondern zur politischen Agitation über Kontinente hinweg fühlen sich viele Geister ermuntert. Doch geht es, wie meistens, weniger um Wahrheit, als um die Bestätigung der eigenen Sichtweise aus bestimmten Blickwinkel. Dabei sollte gerade die Hautevolee wissen: Wer zum Schwert greift, wird auch vom Schwert umgebracht. Was ist ihnen allen gleich? Sie behaupten, berührt von den Geschehnissen zu sein, in denen sie selbst nie vorkamen. Stattdessen vermischen sie nach eigenem Gutdünken Mär, Mythen und Motive, wie es ihrem Charakter zu Gerechtigkeit entspricht. Die Überlebenden der Aufstände gibt es nicht mehr. Nur ihre Tagebücher und Gedächtnisprotokolle aus erster Hand existieren noch von denen, die schreiben konnten. Ihnen will man weniger glauben, als den eigenen Recherchen für ein „Lebendes Archiv“.

Wer hat die „betroffenen Opfergruppen“ deutscher Sprache je angehört, geschweige denn zur „Tranzparenz und Partizipation“ eingeladen? Kein Symposium Mediator, keine Regierung, keine Traditional Leaders Association oder Technical Committee war so frei. Es geht ihnen nicht um Wahrheit, sondern um einen bequemen Platz auf hohem Pferd.

Daß es hier keine deutschsprachige politisch-aktive Vereinigung gibt, hat etwas mit Diskriminierung einer Minderheit durch die heutige Herrschaft zu tun. Wie kann die Rede sein von einer gerechten und von allen akzeptierbaren Lösung ohne die Beteiligung auch nur einer Vertretung der Deutschnamibier?

Um „als gleichberechtigte Gesprächs- und Verhandlungspartner akzeptiert zu werden“, muß man erstmal gleichberechtigt sein. Das gilt für Letztere nicht weniger.

Solche Umschreibungen von Verhandlungen, wie daß „die Betroffenen diesen Prozeß als Wiederholung kolonialer Traumata erleben“, entstammen eher dem Wortschatz eines mit politischer Agenda behafteten Geistes aus der linken Szene in Deutschland als dem Raum für nachhaltige Lösungen.

Es braucht keinen „neuen Ansatz“, sondern mindestens eine dringende Warnung an alle Verblendeten hier und dort, wo es noch Stabilität und Freiheit gibt, das Unfrieden schüren und damit Gewalt begünstigen aufzugeben. Nicht zufällig lassen einige Typen noch 2019 ihren Haß auf weiße Lehrer aus, die für Disziplin und Leistung gerade stehen, an denen es nach SWAPOs Machtübernahme im Erziehungs- und Ausbildungswesen in erschreckender Weise mangelt.

Mit lieben Grüßen
Bernd Seefeldt

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