22 Dezember 2016 | Meinung

Wüst moie, aber bleddy gefährliche Zeit

Im Lande der Braven und Bravourösen gibt´s bleddy-well zwei Faktoren, oder sag Anlässe, die Persönlichkeit und Charakterzug des jeweils Braven, bzw. der Braven, sommer so 180 Grad umkrempeln und linksdrehen. Den ersten ham wir schon öfter angesprochen: Wenn´s ordentlich geregnet hat, wandelt sich fast jede Person, ob Miesmacher oder Spielverderber, zum jovialen Optimisten, zum Gut-Wetter-Menschen. Darauf kommen wir gewiss zurück, wenn´s wirklich wieder regnet. Immerhin haben wir in diesen Tagen ein paar Mutmacher am Himmel. Ein paar Wolken, auch wenn sie fast nix hergeben. Nachts etwas Wetterleuchten über den Eros- und Otjihavera-Bergen.

Der zweite Faktor is die Urlaubszeit, wobei während des Jahres aber net so ein gewöhnliches, eher noch ein langes Wochenende hinzugerechnet werden kann. Also, längere Frei- und Urlaubszeit krempelt den biederen Alltagsnamibier um zum Draufgänger, der das Tempolimit, die Alkoholschranke und Selbstbeherrschung, ja sogar den Selbsterhaltungstrieb - der is hierzulande ansonsten mos wüst stark - sommer so über Bord wirft. Den plötzlichen Charakterwandel von Dr. Jekyll zu Mista Hyde, so oder ähnlich, wie das in der englischen Literatur geschildert wird, nennen wir auf Otjindoitjie „die Sau rauslassen“. Bei dem Saubild sind wir übrigens in guter Gesellschaft, denn selbst der gestrenge und gleichzeitig nich so gestrenge Herr Goethe hat sich der Schweinemetapher bedient und zwar in Faust I, wo Leipziger Studenten in Auberbachs Keller Party skoppen: Ihnen „ist ganz kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen …“

Der ansonsten bieder-bürgerliche Nam-Kirchgänger verwandelt sich im Urlaubsmodus leicht zum Macho, noch­all mit schlimmen Folgen auf Pad oder im Familienkreis. Die auf Pump gefahrenen Luxus-Tjorries mit Foh-bai-Foh-Getriebe und Differenzialschaltung sind heute alle viel stärker, schneller, flitziger als noch vor wenigen Jahren. Aber die Straßen und Pads sind deswegen nich besser geworden. Und noch eins, die Fahrtüchtigkeit des Menschen is trotz gesteigerter PS-Leistung und elektronischer Schikanen ebenfalls nur kümmerliches Mittelmaß.

Das is mos okay, wenn der verwandelte Urlauber, Aussteiger und Ferienfreibeuter diesen Hang mit seinem Foh-bai-Foh oder sonstwie mit ge­tjuhnter Tjorrie beim Macho-Treffen „Vasbyt“ mit heulendem Motor und dreckschleudernden Reifen vor johlendem Publikum an den Hängen des Swakopriviers auslebt. Aber da kann eben nich jeder bleddy Suffkopp mitmachen, deshalb bleiben da noch so viele Typen übrig, die ihre Sau auf der Teer- oder Schotterpad rauslassen oder eben in der Shebeen, Pinte, Kneipe, Kaschemme oder - vornehm benannt wie beim deutschen Hörfunk der Enn-Bie-ßie - in der Schankstube. Oder im Privatkreis Frau und Kind malträtieren. Unsere Nation is überall noch auf Pad.

Und jetzt bei dem Auszug der Jahresaussteiger auf Pad is größte Vorsicht geboten und is defensives Fahren angesagt. Nach der Ankunft soll umso mehr die gute Feier mit allen guten Tropfen steigen, um das sonderbare Jahr 2016 Revue passieren zu lassen.



Zikaden sirren unbeirrt.

Die Wolke noch kein Nass verliert.

Der Christbaum soll ein Dornstrauch sein,

mit Lametta und bei Kerzenschein.

Die Tageshitze glüht noch nach,

Besinnung stellt sich ein, gemach.



Der Wunsch einer frohen Weihnacht gilt allen Lesern unter dem Wendekreis des Steinbocks.

Gleiche Nachricht

 

Vandalismus „made in France“

vor 5 tagen - 06 Mai 2021 | Meinung & Kommentare

Namibia kann seine Museen an den Fingern abzählen und die meisten leiden an Geldmangel, sie sind von Spenden und Hilfe abhängig. Zweckgebundene Spenden dienen hauptsächlich...

Warnung fiel auf taube Ohren

1 woche her - 28 April 2021 | Meinung & Kommentare

Seit Wochen machen Aufnahmen und Berichte von völlig abgemagerten Wüstenlöwen im Nordwesten Namibias Schlagzeile in den Medien. Das Umweltministerium und Experten sind sich einig: es...

Fluch des „Golden Handshakes“

vor 2 wochen - 27 April 2021 | Meinung & Kommentare

Arbeitgeber, die sich von unliebsamen Mitarbeitern trennen möchten, obwohl sich die betroffenen Personen nichts zuschulden haben kommen lassen (weshalb sie nicht im Rahmen des Arbeitsgesetzes...

Eine Stimme für alle Interessen

vor 2 wochen - 26 April 2021 | Meinung & Kommentare

Während der Erklärung der Satzung des neuen Forums für Deutschsprachige Namibier (FDN), erinnerte Andreas Vaatz zurück an die Bemerkung des ehemaligen Staatspräsidenten Hifikepunye Pohamba, der...

Verantwortung liegt bei allen

vor 2 wochen - 22 April 2021 | Meinung & Kommentare

Swakopmunder sind mehr als nur wütend, nachdem zwei Männer eine Pensionärin in ihrer Wohnung angegriffen und ermordet haben. Es war eine feige Attacke und die...

Landfrage oder „Landgierde“?

vor 4 wochen - 13 April 2021 | Meinung & Kommentare

Die namibische Premierministerin fing nach ihrem Universitätsabschluss an, für das Präsidentenbüro zu arbeiten. Als Volkswirtin wurde sie im Alter von knapp 27 Jahren Generaldirektorin der...

Namensgebung geschieht zu früh

vor 4 wochen - 12 April 2021 | Meinung & Kommentare

Der Mensch ist generell ein Wesen, das sich im Laufe der Zeit eher an positive Erlebnisse und Erfahrungen zurückerinnert als an die schlechten und nachteiligen...

Bloße Kündigung reicht nicht aus

vor 1 monat - 09 April 2021 | Meinung & Kommentare

Die Organisation Transparency International benotete im Jahr 2020 Neuseeland und Dänemark jeweils mit 88%, womit sie sich den ersten Platz als am wenigsten korrupte Länder...

Verschiedene Wellenlängen

vor 1 monat - 31 März 2021 | Meinung & Kommentare

Die Jäger Deutschlands stehen im Bundestag unter Beschuss der Grünen, weil sie 2020 aus acht Ländern dreier Kontinente legal 543 Jagdtrophäen mit nach Hause gebracht...

ReconAfrica verpasst Anschluss

vor 1 monat - 12 März 2021 | Meinung & Kommentare

„Gemäß unserer beschleunigten Strategie wird Royal Dutch Shell die CO2-Emissionen senken und einen Mehrwert für unsere Aktionäre, unsere Kunden und die Gesellschaft insgesamt schaffen“, erklärte...