20 Juli 2017 | Glosse

Wo gut genährt wird, muss der Abort stimmen

Es geht um Latrinen auf Mahangu- und Diamantfeldern bis zur Bergsavanne. Das is mos ´n Gemeinplatz, ´ne Platitüde, dass zu jeder guten Tafel, ob lukullische Völlerei oder ein Magermahl unter der Brotlinie, sowohl eine saubere Küche als auch eine erfrischend-ansprechende Toilette gehören. Lebensqualität! Jesslaik, aber Selbstverständlichkeiten verstehen sich im Lande der Braven noch huka nich von selbst.

Wir haben sinnvolle Wettbewerbe unter namibischen Köchen, darunter etliche, die international Schule gemacht ham. Wir brauchen aber auch dringend einen nationalen Wettbewerb der Toiletten-Hygiene, der nassen und trockenen Latrinen-Kultur, woran sich Ortschaften, Schicki-Micki-Stadtteile genauso wie Squattersiedlungen, Stadtverwaltungen, Hotelgruppen, Tankstellen, Schulen und Kaufhäuser beteiligen. Denn vielerorts braucht das Publikum, brauchen Benutzer und brauchen sogar Betreiber von Unterkünften noch strenge Unterweisung in „potty training“.

Seit Jahren schon lärmen Bewohner älterer armer Stadtviertel bis in die Squattersiedlungen hinein, dass sie genug von der Kübelwirtschaft hätten. Historischer Rückblick: in Tsoachaobmund wurde die Kübelwirtschaft rundum das Jahr 1957 abgeschafft, in dem Jahr als die Russen mit dem ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn, dem Sputnik, die Amerikaner wüst Skrik gemacht ham. Damals vor 60 Jahren hat die Swakopmunder Stadtverwaltung die Straßen aufgescharrt, um die Kanalisation zu verlegen, als Tsumeb und Ovenduka in ihren wohlhabenderen Vierteln schon Wasserspülung hatten.

Einige Regionalräte und einige Entscheidungsträger der Regierung von Omupräsidente III ham den Ruf nach besseren Toiletten in den vernachlässigten Vierteln oder nach Latrinen auf dem Lande überhaupt, wo die Leut´ unter allen möglichen Risiken noch in und hinter den Busch gehen müssen, auch ernstgenommen. Also ham die noch vor dem jetzigen Engpass der Finanzen 2011/12 in fünf Nordregionen runde 181,5 Mio Nam-Dollar für den Bau von Ecosan-Latrinen (Ecological Sanitation) eingesetzt und 2013/2014 gleich nochmal 157,5 Mio. Nam-Dollar draufgelegt, um den nächsten Typ Klo, genannt Amalooloo (sic!), mit preisgünstigerer Ventilation in die Mahangu-Felder zu setzen. Inzwischen wurde die Klo-Kampagne auch unter der Harambee-Parole aufgezäumt, versteht sich.

Wohlgemerkt, es handelt sich um Aborte ohne Kübel, die nach Trocken- und Recycle-Prinzip jobben, denn hier wird es noch lange kein´ Fließendwasser-Anschluss geben. Die Ecosan-Klo-Tüftler ham sich da stief Mühe gemacht, um ein schlichtes Latrinensystem zu entwerfen, das den Anspruch der Hygiene erfüllt, Urin und Fäkalien voneinnder trennt und dann noch Dünger für den Mahangu-Acker oder Gemüsegarten hergibt. Und dazu kein Wasser morscht, weil ausreichend Wasser und die Leitungen dazu fehlen. Die getrennten Fäkalien müssen die Benutzer dann allerdings selbst „in einem Beutel“ entfernen, wenn der voll is, wie Kollegin Ileni Nandjato von der „Namibian Sun“ aus dem Norgen berichtet. Und genau das will bleddy-well nich jobben. Die Leut´ ham das Latrinenangebot nich angenommen, zumindest nich für den Zweck wozu´s gedacht is. Die ham die Buden vielmehr ignoriert oder stückweise abgerissen und das Material anderweitig verwendet. Und sind halt weiter in den Busch gegangen. „Scheint die Sonne noch so heiß, sitz ich hinterm Busch und ...“, hieß das früher unter Schülern.

Und dazu kam noch ´ne Komplikasie. Die Regierung hatte berechnet, dass die lokalen Klo-Konstrukteure, aus der Empauerment-Klasse versteht sich, eine Trockenlatrine für 10000 Nam-Dollar errichten würden. Als findige Abort-Unternehmer - „man bescheiße den Staat wo man kann“ - ham die diese Örtchen in der Regel für das Doppelte, also für 20000 Nam-Dollar pro Einheit hingestellt. Das hoffnungsvolle Massenwohnungsprogramm des vorigen Omupräsidente, Omushamane Hifikepunye Pohamba, musste inzwiwschen aus selbigem Grund eben auch erstmal gestoppt werdern, weil die meisten Empauerment-Unternehmer die Wohnungen auch hoffnungslos überteuert hatten, abgesehen von baulichen Strukturmängeln. Bekanntlich läuft das Wohnungsprogramm unter Oministeli Meme Missies Shaningwas wachsamem Auge mühsam wieder an.

Kollegin Ileni dokumentiert, dass die verschiedenen Typen Trockentoiletten mehrheitlich bei der Bevölkerung dort „nich angekommen“ sind, overgezet synde, nich akzeptiert werden. Also zurück in den Busch.

Ramponierte Schulen

Und das erinnert noch an eine Parallele. Bekanntlich sökkelt die Regierung mit stief Schulen, die wiederholt ramponiert, vandalisiert und eben gemorscht werden, sommer so nachdem die gerade renoviert wurden.

Dazu eine Erklärung: Ein früherer Parlamentarier, ein ehemaliger Pauker, Mijnheer Jurie Viljoen mit Namen, hat in der Nationalversammlung einmal die Frage gestellt, warum die und die und noch ´ne Schule so heruntergekommen seien. Zur Ergänzung kamen sofort Zwischenrufe von Omushamane Nahas Angula, zu der Zeit nich mehr Bildungsminister sondern Premier: „Die und die andere (Schule) hast Du noch vergessen!“ Viljoen wollte: „Warum zerstört eine Schulgemeinschaft ihre eigene Bildungsstätte?“ Uutoni Nujoma, Sohn von Alt-Omupräsidente Osema Shafiishuna Nujoma, sprang mit einer Erklärung ein: „Im Struggle ham wir den Leuten gesagt, die können und sollen alles angreifen oder zerstören, was die Bur´n gebaut ham. Aber wir ham nach der Unabhängigkeit vergessen und versäumt ihnen zu sagen, dass die Schulen jetzt uns gehören.“

Kapiert?

Gleiche Nachricht

 

Zwischen Existenz-Stress und Lichtblicken

vor 6 tagen - 13 Juni 2019 | Glosse

Zwischen kühl-kalten Nächten, wenn des Kreuz des Südens am Wendekreis des Steinbocks deutlich funkelt, und wohlig warmen Wintertagen könnte man die Existenznot der Dürre und...

Wie Du lecker Zeit morschst und Ansprüche stellst

1 woche her - 06 Juni 2019 | Glosse

Oministeli Comräd Tjekero Tweya kommt über 30 Minuten zu spät für den zeremoniellen „ersten“ Spatenstich, der ebenfalls verspätet auf Elisenheim ausgeführt wird, denn die Bauarbeiten...

Genderei und Korinthenkackerei bei Sprachpanschern

vor 3 wochen - 29 Mai 2019 | Glosse

Pardon, verehrte Leser, wir konfrontieren Sie heut mit biekie Grammatik, Sprachstil und aktuelle Sprachpanscherei, die aus Otjindoitjielanda zu uns herüberwehen bis an den Swakop und...

Beutetier & Bettler

vor 1 monat - 16 Mai 2019 | Glosse

Aktuell im Fischfluss-Canyon ham die Naturschützer schon ´nen Povian erlegt, der das Maß an dreister Bettelei derart weit überschritten hat, dass der Naturschutz befürchten muss,...

Nimm Dir 'n Vorbild an der ariden Natur

vor 1 monat - 09 Mai 2019 | Glosse

In diesem Jahr kommen wir am Wendekreis des Steinbocks net nich umhin, ein Lamento auf die Dürre auszubringen. Die gehört unbedingt zum Sieben-Jahreszyklus der...

Schwanengesang zum Zeitungssterben

vor 1 monat - 03 Mai 2019 | Glosse

Nix is so langweilig wie ´ne Zeitung von gestern - so sagen`s gewohnheitsmäßig kritische Leser der Blätter, ob sie nun täglich in eine oder mehrere...

Politisch Freibeuter, Narren und Verbissene

vor 1 monat - 25 April 2019 | Glosse

Der Wika is grad so vorbei Und weiter geht die Narretei Omupräsidente !Ghôahesab Hage Gottfried Geingob hat in seinem Kabinett Maßnahmen ergriffen, die unter...

Wenn Narren zum Narren gehalten werden

vor 2 monaten - 12 April 2019 | Glosse

Hoffen und harren macht manchen zum Narren. – Der Benimm-Dich-Knigge der Teutonen muss muhts noch ins Otjiherero und Oshivambo übersetzt werden. Das is uns in...

Mit Fiskus und Regen musses weitergehen

vor 2 monaten - 04 April 2019 | Glosse

Oministeli Calle Schlettwein hat sich vor einer Woche redlich durch seine 34 Seiten lange Haushaltsrede im Tintenpalast durchgekämpft, um der Nation, Mann und Maus, beizubringen,...

Lassen Swakopmunder sich zweimal über den Tisch ziehen?

vor 2 monaten - 25 März 2019 | Glosse

Das geht wrachtach auf keine Oryxhaut. Noch weniger auf ´n Zebrafell! Im Streit um die Luxusentwicklung auf dem Prestige-Grundstück des früheren olympischen Hallenbads am Molenbecken...