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Wo einst der Fuß des Kriegers trat, wächst heut der schönste Kopfsalat (Teil 13)

Wiebke Schmidt
Es gibt sie noch, die Männer, die nicht nur unter der Dusche vor sich hin trällern, sondern stolz einmal die Woche in geselliger Runde ihren Gesang proben. Es sind die Männer vom Swakopmunder Männergesangverein (SMGV), die es sich nicht nehmen lassen, vom Bühnenpodest ihre Stimmen zum Besten zu geben und zwar mit gesungenen Volksliedern.

Männerchor!? Bestimmt gibt es jetzt den einen oder anderen, der verächtlich die Nase rümpft und auf diese Geschichte pfeift. Dabei sind doch Männerchöre wieder voll im Trend. Man denke da nur an den Männerchor, der zur Winterolympiade 2014 die russische Nationalhymne schmetterte – Gänsehaut pur! Oder eben an den SMGV, der sich ebenfalls hören lassen kann. Wer nicht mag, braucht nicht weiterzulesen, verpasst allerdings dann das urkomische Ereignis „Sangesbrüder treffen auf Löwen“.
Ein Männerchor bedeutet, vierstimmig einstimmig klingen zu lassen, nur dann ist er gut. Unbegleitet Lieder vorzutragen kommt im 19. Jahrhundert in Mode. Systematisch sucht man nach alten Liedern und zeichnet sie als Volkslieder auf. Hinzu kommt die Vereinszugehörigkeit, die Geselligkeit und bei einigen Mitgliedern wahrscheinlich auch:

„Ein Mensch erlebt ein Stimmungstief. Bei ihm läuft ziemlich alles schief.
Dumpf brütet er die Wände an, am Leben liegt ihm wenig dran.
Der Abwärtstrend nimmt seinen Lauf. Da hält ein guter Freund ihn auf:
Du musst was ändern! Ich schlag vor: Versuch’s mit Singen in ‘nem Chor!“
Der Vierzeiler aus Eugen Roths Gedicht „Chorsingen auf Krankenschein“ erklärt wohl am besten, warum am 25. Oktober 1902 bei der Gründung des Swakopmunder Männergesangvereins von den 23 Gründungsmitgliedern lediglich sieben Sänger sind. Doch Übung macht bekanntlich den Meister. Keine vier Monate später, am 12. Februar 1903, haben die stattlichen Herren im Frack und Zylinder bei der Einweihung der Mole ihren ersten offiziellen Auftritt. Da sind es immerhin schon 50 Mitglieder, davon 20 aktive Sänger, Tendenz steigend. Bei der Fahnenweihe im November ist die Gruppe 72 Mann stark. Ende 1905 sind es 95 Sangesbrüder, allerdings wird danach diese Mitgliederzahl nie wieder erreicht.

Es geht Tonleiter rauf, Tonleiter runter; mal wird in höchsten Tönen von der musikalischen Sicherheit gesprochen, mal pfeift der Verein aus dem letzten Loch. Im Jahr 1914, gerade als es einen Dirigentenwechsel gibt, der Aufschwung verspricht, spielt die Armadale Castle mit dem Beschuss auf Swakopmund die erste Geige. Viele verlassen die Küstenstadt und kehren erst nach der Kapitulation (1915) wieder zurück. Als sich die Sangesbrüder erneut im Vereinssaal treffen, stehen sie vor dem Nichts. Der große Schrank im Vereinslokal ist aufgebrochen und – hat man da noch Töne – alles ist geplündert worden. Nur die Vereinsfahne nicht. Sangesbruder Paul Eckleben hatte sie vorsorglich nach Tsumeb in Sicherheit gebracht.

Neuanfang ist am 20. April 1916, allerdings nur mit der Genehmigung des englischen Magistrats. Es werden schleppende Vereinsjahre mit einem Trauerjahr 1918 wegen der Kapitulation Deutschlands und wegen der Grippewelle, die in Swakopmund viele Opfer fordert. Zudem folgen Ausweisungen. Der Verein schrumpft auf hoffnungslose zwölf Sangesbrüder zusammen. Wieder folgt ein Aus.

Erst 1920 beginnt zögernd neues Vereinsleben – der SMGV wird die Gesangsabteilung des Deutschen Vereins. Fünf Sänger reisen 1928 zu Ehren des größten deutschen Sängers Franz Schubert nach Wien, und im ersten Südwestafrikanischen Sängerfest vom 19. bis 21. April 1930 in Windhoek ist richtig Musik drin. 375 Sänger aus zehn Vereinen geben Konzerte im Hotel Großherzog, und alle Festteilnehmer sammeln sich am Reiterdenkmal, um gemeinsam in einem Festzug zum Bahnhof zu ziehen. Der SMGV hat sogar einen Umzugswagen, teils durch die Swakopmunder Stadtverwaltung finanziert.

Trotzdem werden die kommenden Jahre wegen der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage nicht leicht. Es bleibt ein Auf und Ab. Durchhalten heißt es, indem „alle an einem Strange ziehen und durch regelmäßige und pünktliche Proben ihre Treue beweisen“, fordert 1931 der Vorsitzende August Schulze die Mitglieder auf.

„Und sie singen viel von Liebe und von Sehnsucht und vom Mai, und elf Verse hat dies Liedl, und dann geht auch das vorbei“, dichtete einst der deutsche Komiker Heinz Erhardt.

Schon wieder ein Aus? Nein, der SMGV hat mehr Strophen auf Lager. Was ist dran an diesem Verein, dass es im positiven Sinne bis heute kein Ende vom Lied gibt?

Harald Knobloch, Edmund und Franz Klimas sind inzwischen 51 Jahre lang treue Mitglieder. „Unsere Vereinsgeschichte dokumentiert einen Lebensstil, der sich an der Musik und besonders dem gesunden Volkslied orientiert“, lauten die Worte von Sangesbruder Dr. Rüdiger Moisel anlässlich der 100-Jahrfeier (2002), „das Lied ist in seiner Melodie und im Text nicht nur Träger einer gewissen Kultur. Es bereitet dem Sänger sowie dem Zuhörer Freude und Entspannung. Die Sorgen und Beschwerden des Alltags sind schnell vergessen. Man kann auch sagen: Singen hält gesund.“

Ist das das Geheimrezept?

Nicht nur, denn bei allem Bemühen, durch Proben das Leistungsniveau des Chores zu heben, hat die Pflege der Kameradschaft einen ebenso hohen Stellenwert. Wenn an die Tages- und Wochenendausflüge, sogar Europareisen unter anderem auch mit den Sängerfrauen und Sängerfamilien gedacht wird, kommen die Männer ins Schwärmen.

Schmunzelnd ruft Harald Knobloch einen dieser kameradschaftlichen Ausflüge ins Gedächtnis. „Es ist schon eine Weile her, da hatten wir ein Konzert in Okahandja.“ Das Konzert sei leider nicht so gut besucht worden, lediglich die ersten beiden Zuschauerreihen waren besetzt. „Immerhin war aber der Bürgermeister da“, fügt Knobloch ein. Den etwas enttäuschenden Auftritt lassen die Kameraden im Okahandja Reitklub ausklingen. Feuchtfröhlich zwitschern sie sich einen nach dem anderen, bis die Idee entsteht, den Rest vom Wochenende auf der Farm eines Sangesbruders zu verbringen. „So sind wir alle in die Wagen gestiegen und losgefahren.“ Zwei der Kameraden haben jedoch den Anschluss verpasst. „Irgendwann waren die Rücklichter des Vordermanns verschwunden und so irrten beide mit dem Auto umher.“ Mal die Schotterstraße längs, mal jene Abfahrt genommen. „Und dann haben sie beschlossen die Nacht neben der Straße in ihren ‚Padrollen‘ (Schlafsäcke) zu verbringen“, berichtet Knobloch.

Kaum eingeschlafen, weckt sie Löwengebrüll. Mit der Angst im Nacken klettern die Männer mit einem Spaten bewaffnet auf den nächstbesten Baum. Dort harren sie der Dinge, die da kommen mögen. Als es endlich dämmert, dämmert‘s: „Weit waren sie nicht gekommen“, lacht Knobloch, „sie haben ein paar Kilometer vom Reitklub entfernt die Nacht neben dem Okahandja Zoo verbracht.“

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Allgemeine Zeitung 2024-04-26

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