31 Juli 2018 | Tourismus

Wissenschaftliches Arbeiten im Camp Flintstone

Die Namibische Randstufe besticht nicht nur durch ihre atemberaubende Schönheit der Landschaft. Mit ihren zerklüfteten Hängen, den tief eingeschnittenen Rivieren und den weiten Ebenen am Fuß stellt dieser Übergangsbereich zwischen dem Namibischen Hochland und der Wüste Namib auch ein außergewöhnliches Ökosystem dar. Die große strukturelle Abwechslung, lokal unterschiedliche Niederschlagsverhältnisse aber auch die extremen Klimabedingungen stellen nicht nur hohe Anforderungen an die dort lebenden Tiere und Pflanzen, sondern schaffen auch eine besonders hohe Vielfalt. So ist die Randstufe Heimat für zahlreiche spezialisierte und oft endemische Tier- und Pflanzenarten wie z.B. das Bergzebra.

Andererseits machen die strukturelle Vielfalt, die schwierigen Umweltbedingungen und die erratischen Niederschläge in Kombination mit der geringen räumlichen Ausdehnung der Randstufe diese aber auch besonders anfällig für Übernutzung und klimatische Veränderungen.

Seit vielen Jahren untersuchen hier deshalb Wissenschaftler und Studierende der Technischen Universität München die Ökosystemprozesse und die Tier- und Pflanzenwelt dieses ebenso fragilen wie schönen Ökosystems. Ein logistisch nicht immer ganz einfaches Unterfangen, liegen die nächsten Siedlungen doch fast 200 km entfernt. Daher wurde 2008 die Farm Rooiklip als Basis für die Forschungsarbeiten ausgewählt. Hier, am Fuß des Gamsbergs, betreiben Hannelore Neuffer und Frans van Biljon eine Gästefarm mit angeschlossenem Campingplatz. Nachdem sie von den Forschungsarbeiten gehört hatten, haben sie sofort technische und logistische Unterstützung angeboten und ihre Campsite zur Verfügung gestellt.

Schon bald aber entstand die Idee, die Forscher in einem festen Camp unterzubringen, das nicht nur Unterkunft bietet, sondern auch Raum für die täglichen Forschungsarbeiten und Gerätschaften. Zusammen mit Frans van Biljon, der nicht nur Farmer sondern auch ein begabter Baumeister ist, entstand der Plan für ein Forschungscamp, etwas abseits der Farm und Campingplätze und 2013 wurde schließlich mit der Umsetzung der Idee begonnen. Mit großem Engagement von Hannelore und Frans und mit freiwilligen Helfern und Studenten wurde dann bis 2015 das geradezu luxuriöse „Camp Flintstone” fertiggestellt. Um einen großen zentralen Arbeits- und Aufenthaltsbereich mit Küche (von den Forschern als Mischung aus Lapa und Labor „Laparatory” genannt”) gruppieren sich drei Hütten mit 4 bzw. 2x2 Betten. Wie die meisten Bauten der Gästefarm, sind auch die Lapa und Hütten der Forschungsstation ausschließlich mit natürlichen, lokalen und oft wiederverwendeten Baumaterialien erstellt und fügen sich unauffällig in die Landschaft ein.

Jedes Jahr während der regionalen Hauptregenzeit von Anfang März bis Ende April dient dieses „Camp Flintstone“ nun als schöne und komfortable Forschungsstation für Wissenschaftler und Studenten aus Deutschland und Namibia. Beim jährlichen „Rooiklip Research Camp” tummeln sich dann auf dem Farmgelände und in der Umgebung dutzende von Forscher und Studenten um den größeren und kleinen Dingen des Ökosystems „Große Randstufe” auf den Grund zu gehen. Zu den aktuellen Forschungsthemen gehören unter anderem das Verhalten und die Bewegungsmuster des Bergzebras und seine Auswirkungen auf die Vegetation, die Entwicklung von Vegetation und Insektenfauna in Abhängigkeit von Niederschlägen und die explosionsartige Vermehrung der einheimischen Pflanze Crotalaria podocarpa und deren Auswirkungen auf die örtlichen Weidegräser.

Unabhängig von den spannenden Themen ist der Aufenthalt in der atemberaubenden aber auch rauhen Natur besonders für die Studierenden ein einmaliges Erlebnis. Viele sind zum ersten Mal in Afrika und „weitab” der Zivilisation, ohne Nachtleben, Fernsehen, Telefon und Internet. Dieser Verzicht fällt vielen am Anfang recht schwer, aber schon bald überwiegen die Faszination für die wunderschöne Natur, und die spannende Forschungsarbeit und die gelegentlichen Härten des Farmlebens (wie der Ausfall der Wasserpumpe, oder die zweite Reifenpanne in einer Stunde) lassen keine Langeweile aufkommen.

Im Mai, am Ende der Vegetationszeit kehrt dann wieder Ruhe ein. Die Wissenschaftler und Studenten sind zurück an ihrer Universität und werten die bei der Feldarbeit gewonnen Daten aus. Auf Rooiklip wird es zunehmend trocken und die Tier- und Pflanzenwelt fügt sich der Trockenheit. Aber auch in dieser Zeit, wenn die Technische Universität die Station nicht nutzt, bleibt das Camp Flintstone nicht ungenutzt: Als komfortable Selfcatering Units steht es mit seiner schönen Lapa dann auch „gewöhnlichen“ Gästen als Unterkunft zur Verfügung. Besonders Gruppen können hier die schöne Natur in einem privaten camp mit vielen Annehmlichkeiten genießen.

Das Camp kann von Mai bis Februar direkt bei Rooiklip gebucht werden. Wer als Studierender oder Wissenschaftler Interesse an der Teilnahme am „Rooiklip Research Camp“ hat, kann sich direkt an den wissenschaftlichen Leiter, Thomas Wagner ([email protected]) wenden. Auf der Facebookseite: www.facebook.com/rooiklipresearch gibt es mehr Infos.



Thomas Wagner

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