26 Oktober 2015 | Geschichte

Wissenschaft für die Gesellschaft

Die Kontrolle über Rietfontein und Umgebung hatte sich Andries Lambert, der Führer einer Fraktion der Oorlam-Nama, angeeignet. Alberts besuchte ihn in Gobabis und erhielt die Erlaubnis, sich mit seinem - aus 30 Familien bestehenden - Gefolge vorübergehend in Rietfontein anzusiedeln. Nach einem Jahr wurde die Genehmigung noch einmal verlängert. Die Trecker richteten sich provisorisch ein und nutzten die Zeit mit Jagen, Handel und der Versorgung ihres Viehbestandes. Die Weide war sehr gut. Der Anbau von Korn und Gemüse war in dem steinhaltigen Boden schwierig, reichte aber für den Eigenbedarf. Alberts' Leute hofften, dass sich weitere Emigranten aus Südafrika ihrem Treck anschließen würden. In der Tat erhielten sie im Oktober 1877 Verstärkung durch insgesamt 13 Familien, die sich unter der Führung von L. du Plessis und J.F. Botha vom zweiten Treck abgespaltet hatten. (vergl. nächstes Kapitel) Alberts hegte den Wunsch, durch das so genannte „Damaraland“ (Wohngebiet der Herero-Stämme) zu ziehen und in dem menschenarmen Gebiet südlich des Kavango-Flusses eine Existenzmöglichkeit zu suchen. Diesem Plan widersetzten sich sowohl Kamaharero, das Oberhaupt der Herero, als auch der von der Kapregierung eingesetzte Kommissar Palgrave, denn die Treckburen hatten sich in Botswana durch ihr rücksichtsloses Betragen unbeliebt gemacht. Der ungute Ruf hatte sich schnell verbreitet und die gesamte einheimische Bevölkerung fürchtete sich vor ihrer Immigration. Kamaharero, der Rietfontein als Teil des Hererolandes betrachtete, hatte Lambert schon scharf getadelt, weil er die Buren nicht abgewiesen hatte. Alle Hererofraktionen waren fest entschlossen, kein Land an Weiße zu verkaufen oder zu verpachten. Sie beauftragten Palgrave, um den englischen Gouverneur in Kapstadt um Schutz vor einer burischen Invasion zu bitten. Viele Trecker, vor allem die Frauen, genossen die Ruhepause in Rietfontein nach der langen, strapaziösen Reise. Doch kam es zu Spannungen, weil sie Wasser und Weide mit den dort ansässigen Mbanderu und Nama teilen mussten. Auf die Dauer hätten diese wichtigen natürlichen Ressourcen sowieso nicht für die wachsenden Viehherden genügt. Daher akzeptierte Alberts den Vorschlag Palgraves, sich im Kaokoveld südlich des Kunene niederzulassen. Die Verwaltung und Nutzung jenes ziemlich unwirtlichen Gebietes hatte Kamaharero der Kapregierung überlassen. Es war von verschiedenen ethnischen Gruppen nur dünn bevölkert, von deren Seite kein Widerstand erwartet wurde. Doch zunächst musste eine Route nach Norden gefunden werden, auf der die Wohngebiete der Herero nicht verletzt wurden. Rietfontein lag an der von Händlern und Jägern stark frequentierten Route, die vom Hereroland zum Lake Ngami führte, also von der Metropole des Umschlaghandels zum Ausgangspunkt der Großwild-Expeditionen. So dürfen wir annehmen, dass Alberts bereits oberflächlich über die Beschaffenheit des Geländes und die Besiedlung jenes Gebietes informiert war. Um ganz sicher zu gehen, schickte er mehrere Expeditionen aus, die bis zum Kavango vorstoßen sollten. Ihre Berichte waren günstig. Der Weg von mehr als 400 km Luftlinie führte durch das Wohn- und Jagdgebiet verschiedener San-Gruppen („Buschleute“). Diese galten als friedliebend und verhielten sich nur dann feindselig, wenn sie von wichtigen Wasserstellen vertrieben oder ungerecht behandelt wurden. Es war auch kein Widerstand von Seiten einer militanten Bevölkerung zu erwarten, denn alle Bantustämme wohnten am jenseitigen, dem angolanischen Ufer des Kavango-Flusses. Allerdings musste zunächst eine lange Strecke des Sandfeldes (Omaheke) durchquert werden, wo es in der augenblicklich herrschenden Trockensaison kein offenes Wasser gab. Auf halbem Weg erreichten die Suchtrupps das „Tebraveld“, eine weite Niederung, wo sich viele permanente Brunnen und Wasserpfannen befanden.

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