27 März 2020 | Tourismus

Wissen und Tradition erhalten

Nanofasa will San-Gemeinde eine nachhaltige Zukunft ermöglichen

Die San leben im Einklang mit der Natur. Doch müssen sie sich auch den heutigen Begebenheiten anpassen. Um etwas Geld zu generieren und seine Volksgruppe zu unterstützen, hat /Kunta Xoma mit Hilfe der Organisation Nanofasa und dem Unternehmen Cymot einen Traum verwirklicht.

Von Aleksandra Orbeck-Nilssen, Windhoek

„Die Götter müssen verrückt sein“ ist ein Film aus den 1980er Jahren, in dem die ganze Welt den San-Stamm der Ju'/Hoansi-Buschmänner kennenlernte, die zufrieden in der Kalahari-Wüste lebten, fernab der westlichen Zivilisation.

Die Geschichte beginnt, als eines Tages ein Pilot der über die Kalahari-Wüste fliegt und beiläufig eine leere Coca-Cola-Flasche aus seinem Flugzeug wirft. Die Buschmänner finden das fremde, transparente Objekt und halten es für ein Geschenk ihrer Götter - etwas, das nicht nur fasziniert und schön aussieht, sondern sich als äußerst nützliches Allzwerkwerkzeug erweist. Doch das für diese San einzigartige Objekt birgt eine dunkle Schattenseite. Mit der Flasche kehrt Unheil in der kleinen Gemeinde ein, denn plötzlich empfinden die Buschmänner Habgier und Neid, und es entwickelt sich eine Vorstellung von Besitz. Auf einmal sieht sich die idyllische Gesellschaft bedroht, die bis dahin ohne Armut, Gier oder Verbrechen existiert hat.

/Kunta Xoma hat den Film als Sechsjähriger gesehen und glaubte, dass auch er Chancen als Schauspieler hätte. Was der heute Mitte 50-Jährige damals nicht wusste: der Schein trügt. Das Budget des Films belief sich auf geschätzte fünf Millionen US-Dollar, und als eine überaus erfolgreiche Komödie brachte die Produktion 200 Millionen US-Dollar ein - der San-Hauptdsarsteller N!xau aber erhielt lediglich eine Gage von 300 US-Dollar. Vielen Menschen fällt nichts in den Schoß. Diese Erkenntnis hatte auch Xoma, dem nach Jahren des Kampfes mit Armut, Tuberkulose und Alkoholismus bewusst wurde, dass er selbst anpacken muss, wenn er im Leben etwas erreichen will. Die Kirche und Gott gaben ihm Halt, er schaffte es, mit dem Trinken aufzuhören und wurde Pastor. Doch selbst als gläubiger Diener war es ihm nicht möglich, seine Kinder zu ernähren. So beschloss Xoma, sich an Nanofasa Namibia zu wenden. Diese Organisation arbeitet seit zehn Jahren mit der Volksgruppe der Ju/hoansi zusammen und hat erkannt, dass die San im Einklang mit der Natur leben. Dieses Verständnis soll genutzt werden, um der Ju/hoansi wirtschaftlich eine Zukunft zu sichern.

Doch nach neun Jahren und mit etwa 50 Angestellten, wurden schließlich die Mittel knapp. Es musste Veränderungen geben, und somit rief Nanofasa das Konzept indigener Innovation ins Leben. Der Schlüssel dieses Ansatzes ist, die San mit Wissen zu befähigen und so wirtschaftlich zu ermächtigen. Es ist wie die altbekannte Redewendung: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Aber was ist, wenn es möglich ist auf den Wissen dieser Person aufbauen zu können?

Bis die Lebensweise der westlichen Welt mit ihren Gesetzen und Beschränkungen den Raum und die Möglichkeiten der San reduziert hat, war das Volk unabhängig und selbstständig. Sie entsprechen dem Archetyp des Jägers und Sammlers. Eine Tätigkeit, der sie seit Jahrtausenden nachgehen: Jeder Einzelne sucht sich je nach seinem individuellen Kenntnisstand ein Fachgebiet aus und wagt sich dann in die Wildnis hinaus mit der Hoffnung, Erfolg zu haben. Genau darum geht es auch bei der Gründung eines Unternehmens, und auf diesem Hintergedanken beruht der Ansatz, San zu begleiten, ihnen mit Rat und Wissen zur Seite zu stehen, damit sie ihre eigenen Geschäftsideen entwickeln und diese in Unternehmen mit sozialer Auswirkung umsetzen können. Warum soziale Auswirkung? Weil Nanofasa fest davon überzeugt ist, dass es nur möglich ist, Gemeinden nachhaltig zu ermächtigen, indem die eigenen Mitglieder befähigt werden und mit der Natur leben. Im Januar vergangenen Jahres wurde daher zum ersten Mal ein Innovationswettbewerb ausgetragen, der allen San in Nyae Nyae die Möglichkeit gibt, ihre Ideen einzureichen. Tertu Fernandu, Projektleiter der San bei Nanofasa, begann damit, in den Dörfern Arbeitsgruppen über die Entwicklung von Geschäftsplänen, Geschäftsfähigkeiten und persönliches Wachstum zu organisieren.

Xoma, war einer der Teilnehmer, dessen Projektvorschlag einen Eindruck hinterließ. Seine Idee war es, eine Naturschule und einen Campingplatz gründen. Das Ziel seines Vorhaben ist, dass altes Wissen nicht nur jungen San-Generationen, sondern auch anderen Menschen zugänglich ist, die mehr über ein Leben im Einklang mit der Natur erfahren wollen. Xoma glaubt, dass diese Schule und der Campingplatz dazu beitragen können, die Kultur seines Volkes für zukünftige Generationen zu erhalten. Gleichzeitig soll das Projekt die San unabhängiger machen, das traditionelle Wissen der San im Osten von Tsumkwe fördern und der Jugend Beschäftigungsmöglichkeiten als traditionelle Lehrer schaffen.

Nach guten Anleitungen und Hilfe von Nanofasa wollte Xoma so weit es geht ohne finanzielle Hilfe auskommen. Zusammen mit einigen Helfern arbeitete er tagelang daran, einen Campingplatz neben einem riesigen Baobab-Baum zu errichten. Zudem wurden Schilder bemalt, um die Besucher darauf hinzuweisen, wie wichtig Bäume und Pflanzen sind. Er begann, dem traditionellen Wissen seines Volkes mit Buschwanderungen, Spielen und Erzählungen Leben einzuhauchen. Doch trotz der harten Arbeit war es noch ein langer Weg bis hin zur einer richtigen Naturschule mit Campingplatz. Hilfe erhielt Kunta von dem Windhoeker Unternehmen Cymot und dessen Geschäftsführer Axel Theissen. Das Geschäft hat beschlossen, Xoma zu unterstützen und ihm zu helfen, seinem Traum zu verwirklichen. Gleichzeitig soll so auch ein sozialer Beitrag geleistet werden, der die San und die Nachhaltigkeit der Natur stärken soll. Der Campingplatz ist nun dank der Green-Sportprodukte von Cymot vollständig ausgestattet.

Xomas Campingplatz befindet sich in der Nähe des Veterinärzauns an der C44, die von Gam nach Tsumkwe führt. Wer sich dazu entscheiden sollte, den Unternehmer und seinen Campingplatz zu besuchen, sollte sicherstellen, dass er oder sie gesund sind, da San in der Regel ein schwächeres Immunsystem haben.

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