05 März 2009 | Branche

Wirtschaftskrise: Boom ist vorbei, Chancen bleiben

Seit Monaten ist die Finanz- und Wirtschaftskrise ist in aller Munde. Auch in Namibia, auch im Tourismussektor. Wie wird sich die Krise auf den hiesigen Markt auswirken? Die Branche hat erkannt, dass sie von der Krise nicht unberührt bleiben wird. Insgesamt jedoch ist die Stimmung jedoch gelassen. Panik gibt es nicht, die Zuversicht überwiegt.

Dass es sich dabei nicht um reinen Zweckoptimismus handelt, machen die Analysen, Bilanzen und Aussagen der vergangenen Wochen deutlich. So hat die namibische Zentralbank (BoN) für das Gastgewerbe ein Wachstum von 3,8 Prozent in diesem Jahr und von 1,7 Prozent im Jahr 2010 prognostiziert. Das klingt nach Magerkost, liegt aber deutlich über dem von BoN vorausgesagten Landesdurchschnitt für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das für dieses Jahr mit einem Prozent angegeben wird. Diese Zahlen stellte Dr. John Steytler, Chef der BoN-Forschungsabteilung, vor kurzem vor.
Potenzial anderer Regionen nutzenAuch das Wirtschaftsforschungsinstitut NEPRU zählt die Reisebranche eher zu den Bereichen, in denen sich gute Chancen auftun, der Krise entgegenzusteuern. Zwar werde es einen Rückgang auf dem Markt mit Angeboten für das niedrige und mittlere (Preis-)Niveau geben, erklärte der amtierende NEPRU-Direktor Klaus Schade. Insgesamt sieht er in der Erweiterung des touristischen Angebots jedoch Möglichkeiten zum Wachstum. "Das Potenzial anderer Regionen könnte viel mehr genutzt werden", sagte er und sprach die Empfehlung aus, Gebiete abseits der bekannten Tourismus-Höhepunkte (Sossusvlei, Etoscha, Swakopmund) touristisch zu erschließen bzw. anzubieten.

Überdies: Die Milliardeninvestitionen von der United Africa Group sowie von OLIFA in den Neubau von 5-Sterne-Einrichtungen - manche davon werden von der renommierten Kempinski-Gruppe betrieben - machen nicht nur Hoffnung für den hiesigen Bausektor, sondern auch für den Reisemarkt. Nicht zuletzt machen der niedrige Treibstoffpreis - gerade für Selbstfahren in einem Land, das durch große Entfernungen gekennzeichnet ist - sowie der schwächelnde Rand/Namibia-Dollar einen Besuch im Sonnenland für Überseetouristen noch attraktiver, sprich billiger.
Wachstum wird sich verlangsamen"Der Boom ist vorbei", machte Jackie Asheeke, Geschäftsführerin des Tourismus-Dachverbandes FENATA, unlängst klar deutlich. Das Wachstum werde sich verlangsamen, alles andere wäre auch eine Überraschung. Die Einreisestatistik für 2008 liegt zwar noch nicht vor, dennoch dürfte klar sein, dass das jüngste Niveau (von 2006 zu 2007 sind die Einreisen um elf Prozent gestiegen, allein aus Deutschland wurde ein Zuwachs von 18 Prozent registriert) nicht mehr erreicht werden kann. Grund zur Schwarzmalerei ist das aber nicht. "Von Massenstornierungen ist uns nichts bekannt", fügte Asheeke hinzu und prognostizierte folgenden Trend: "Die Gäste werden noch kommen, aber vor Ort nicht mehr so viel Geld ausgeben."

Gerade jetzt, so Asheeke, sei die beste Zeit, das Land "noch mehr zu vermarkten". Bei einer Konferenz mit Regierungsvertretern und den Spitzen der namibischen Ökonomie zum Thema Reaktion auf die Wirtschaftskrise schlug sie deshalb eine Aufstockung des Budgets des Namibischen Tourismusrates (NTB) vor.
Messers Schneide wird sichtbarDie namibischen Tourismusbetriebe sollten indes die Gunst der Stunde nutzen, ihre Unternehmen zu konsolidieren. Asheeke erklärte dies mit Verweis auf den sinkenden Leitzins, der Firmen mit laufenden Krediten immerhin deutlich entlasten wird. Wer jetzt allerdings über Neuinvestitionen nachdenke, sollte die Projekte hinsichtlich der veränderten Situation im eigenen Land und im geplanten Markt genau prüfen, rät sie auf Nachfrage. "Ich habe immer gesagt, dass Tourismusbetriebe auf Messers Schneide arbeiten - 2009 wird uns die Schneide dieses Messers zeigen", so Asheeke.

Und wie reagiert die Branche selbst auf die Krise? "Wir registrieren bis jetzt nur einen Rückgang im englischen Markt", räumt Werner Beddies, Geschäftsführer von Leading Lodges, ein und spricht von 30 Prozent Reisestornierungen in diesem Marktsegment. Die meisten Gäste des Unternehmens kämen jedoch aus Deutschland und den Benelux-Staaten. "Insgesamt sind wir aber optimistisch, was das Jahr 2009 angeht. Wir haben einige Sonderangebote auf den Markt gebracht und unsere Marketingstrategie verändert", fügt er hinzu. Man konzentriere sich nun auch auf andere Länder bzw. Märkte, vor allem vor der Haustür. "Für Südafrikaner ist ein Urlaub in Übersee durch den Wechselkurs zu teuer geworden", erklärt Beddies. Und weiter: "Wer denkt, dass die Krise an uns vorbeigeht, der irrt gewaltig. Wir müssen hart arbeiten, um unsere Belegungszahlen zu halten."
Zurück auf das Niveau von 2007Auch das Unternehmen Gondwana Collection, das mehrere Unterkünfte im Land, hauptsächlich im Süden, betreibt, rechnet mit einem Rückgang der Übernachtungen von bis zu 15 Prozent. Das Niveau werde sich auf den Stand von 2007 einpegeln, heißt es. Der Sparwille bei den potenziellen Touristen in Europa sei deutlich erkennbar, erklärte Gondwana-Geschäftsführer Mannfred Goldbeck nach dem Besuch von mehreren Reisemessen und -veranstaltern in Europa. "Der Tourismussektor bleibt nicht unberührt", führt er aus.

Als positiv wird hingegen bewertet, dass Gondwana dank guter Marketingarbeit "in den meisten Veranstalter-Katalogen vertreten" sei, wie es heißt. Ein weiterer Vorteil ergebe sich nach Unternehmensangaben daraus, dass man bereits viele Blockbuchungen von Partnern erhalten habe, "für die wir aufgrund unserer guten Lodges, unserer günstigen Preise und unserer Politik der ,bevorzugten Partner' erste Wahl sind". Um Boden gut zu machen und sich von der Konkurrenz abzuheben, würden europäische Veranstalter noch größeren Wert auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis legen. Der Wettbewerb gerate dabei unter größeren Druck. "Das ist eine Herausforderung für die namibischen Unternehmen, die in Kürze ihre Preisliste für 2009/10 veröffentlichen werden", so Goldbeck.

Den heimischen Markt hat Gondwana Collection übrigens schon lange ins Visier genommen und diese Bemühungen vor zwei Jahren mit der Einführung der so genannten Gondwana-Karte forciert. Durch den Erwerb dieser Karte (nach Zahlung einer einmaligen Gebühr) wird Namibiern sowie in diesem Land lebenden/arbeitenden Ausländern ein Preisnachlass von 50 Prozent auf Übernachtungen in allen Gondwana-Unterkünften gewährt.

Überhaupt keine Sorgen macht sich Reiseveranstalter Carsten Möhle von Bwana Tucke-Tucke. "Täglich acht Anfragen - wir kommen nicht mehr hinterher und die Messen stehen erst noch bevor. Normalerweise haben wir einen ähnlichen Anfrageschwung erst im Februar", erklärte er bereits Ende Januar überschwänglich.

Fakt ist, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nicht an Namibia vorbeigeht. Fakt ist aber auch, dass die hiesige Reisebranche nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern die Ärmel hochkrempelt sowie mit innovativen Ideen und Angeboten die Herausforderungen annimmt, um möglichst gestärkt aus der Krise hervorzugehen für die Zeit, wenn - denn auch das ist Fakt - die Krise wieder vorbei ist.

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