20 Februar 2018 | Finanzen

Wirtschaftsflaute trifft FNB

Weniger Gewinn: Pointbreak und EBank belasten Gesamtergebnis

Angesichts des Abschwungs bei Konjunktur und Kreditvergabe ist das Halbjahresergebnis des Finanzdienstleisters FNB ernüchternd ausgefallen. Jüngste Akquisen haben für höhe Ausgaben gesorgt, der Gewinn ist gesunken und es gibt mehr Kreditausfälle. Trotzdem herrscht leichte Zuversicht.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Eigenen Angaben zufolge hat sich die First National Bank Namibia (FNB) in dem am 31. Dezember zu Ende gegangenen Halbjahr trotz „schwieriger Zeiten widerstandsfähig“ gezeigt. Der Gewinn nach Steuern sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 525,5 Millionen N$ gesunken (-12,3%). Ende Januar hatte die Gruppe Aktionäre informiert, dass ein Gewinnrückgang von 10 bis 15 Prozent zu erwarten sei.

Der Gewinn je Aktie sei aktuell um 12,5 Prozent auf 198 Cent gesunken, was sich in einem Rückgang der Eigenkapitalrendite von 25,6 (Juni 2017) auf 23,3 Prozent (Dezember 2017) geäußert habe. Die Zwischendividende liege wie im Vorjahreszeitraum bei 91 Cent pro Aktie. „Die durchschnittliche Gesamtrentabilität ist leicht von 3 auf 2,8 Prozent gesunken, während das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 48,9 auf 52,1 Prozent gestiegen ist“, heißt es.

Die Gesamteinnahmen liegen laut FNB bei 1,79 Milliarden N$. Dabei habe der zinsfreie Umsatz (879 Mio. N$) den Erlös aus dem reinen Zinsgeschäft (830 Mio. N$ nach Wertberichtigung) überholt. „Das liegt daran, dass das zinsfreie Einkommen um 12 Prozent gewachsen und die Nettozinseinnahmen um 5 Prozent gesunken sind“, erklärt Eric van Zyl, Marktforscher von IJG Securities.

Mehr Betriebsausgaben

„Diese Ergebnisse liegen unter unseren Erwartungen“, schreibt van Zyl, während der Ökonom Megameno Shetunyenga aus dem Hause Simonis Storm Securities das Ergebnis als „enttäuschend“ beschreibt. Er stößt sich vor allem an den erhöhten Betriebskosten, die im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2016 um knapp 25 Prozent auf fast 945 Mio. N$ gestiegen sind. „Diese Ausgaben geraten außer Kontrolle und müssen eingedämmt werden“, so Shetunyenga.

Van Zyl von IJG sieht die höheren Ausgaben weniger kritisch, die er vor allem der Übernahme von Pointbreak und EBank im letzten Jahresquartal 2017 (AZ berichtete) zuschreibt: „Ohne diese Akquisition wären die Betriebskosten um lediglich 12 Prozent gestiegen.“ Eine Zunahme, die in etwa den Erwartungen von Experten entspricht. „Die Personalkosten haben 20,7 Prozent zugelegt und beinhalten erstmals auch die Ausgaben von Pointbreak und EBank“, so der Analyst. „Viele dieser Kostenposten sind wahrscheinlich einmalig.“

Van Zyl zufolge haben sich die Übernahmen auch direkt auf den Profit ausgewirkt. „Der Gewinn vor Abzug der Steuern ist um 11,9 Prozent (auf 780 Mio. N$, A.d.R.) eingebrochen“, so der IJG-Fachmann. „Der für Pointbreak und EBank bereinigte Profitrückgang liegt hingegen bei 9 Prozent.“

Mehr Problemkredite

Für etwas Beunruhigung sorgt die erhöhte Quote der Kreditausfälle. „So wie mehr Verbraucher den Konjunkturabschwung spüren, ist das Volumen notleidender Darlehen von 272 auf 489 Mio. N$ angeschwollen (+80%)“, heißt es in dem Halbjahresbericht von FNB. „Das ist angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht unbedingt eine Überraschung“, erklärt Simonis Storms Shetunyenga. „Das Verhältnis von Problemkrediten zur Gesamtvergabe von Anleihen ist wie erwartet von 1,0 auf 1,7 Prozent gestiegen“, ergänzt Marktforscherin Eloise du Plessis von der Firma PSG Namibia.

Allerdings gibt es den Experten zufolge Grund zur Hoffnung, zumal FNBs eigene Ausgabe von Anleihen mit 5,8 Prozent schneller gewachsen sei als die Kreditvergabe an den gesamten Privatsektor. „FNB kann einen leichten Wirtschaftsaufschwung erwarten, der auf einem günstigeren Wechselkurs, höheren Rohstoffpreisen, besseren Regenfällen, mehr Liquidität dank des Kredits der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) sowie Direktinvestitionen aus dem Ausland beruht“, schreibt du Plessis. Derweil stimmen ein 6,3-Prozent-Anstieg bei aktiven Konten und Transaktionswachstum in Höhe von 8 Prozent die Bank positiv. „Das sorgt für Optimismus in der zweiten Hälfte des Finanzjahres“, so PSG.

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