01 April 2020 | Gesellschaft

Wir waren auch mal weg

Pilgern auf einem Teil des spanischen Jakobsweges

Die Windhoekerin Agnes Hoffmann hat im vergangenen Jahr zusammen mit zwei Freundinnen vom 5. bis zum 18. September einen Teil des Jakobweges bewältigt. Über ihre Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse, die sie auf dem Camino Francés erlebte, erzählt sie nun in der Rubrik WAZon Geschichte(n).

Schon seit einigen Jahren ging mir der Jakobsweg nicht aus dem Kopf. Spätestens seit ich den Blog einer Freundin verfolgte, die vor fünf Jahren die Norden- das bedeutet die Küstenroute in Spanien – Camino del Norte genannt – gelaufen ist, verspürte ich den Wunsch, diesen oder einen anderen Jakobsweg zu laufen. Nicht aus spirituellen Motiven wollte ich das – nein, sondern einfach nur aus Neugier. Neugier auf die Menschen die man trifft, auf die spanische Kultur, die Geschichte hinter dem Jakobsweg und auch die Landschaft, die sich im Laufe des Weges immer wieder verändert. Neugierig auch auf mich, wie ich diesen Weg körperlich schaffen würde und mit wie wenig materiellen Dingen ich auskommen kann. Ich suchte eine Herausforderung! Das Buch von dem deutschen Entertainer Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ gab mir dann den endgültigen Schubs.



Jakobsweg, ich komme!

Ich lud meine Freundin Barbara Doll, genannt Barbi und Susan Martens ein, mich zu begleiten und nach kurzer Bedenkzeit sagten beide auch zu. Susan war bereits 2012 mit ihrem Riesenschnauzer Paco den Olafsweg in Norwegen und 2015 auf der sogenannten Grünen Grenze gepilgert, der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland (AZ berichtete).

Tagelang studierte ich die verschiedenen Jakobswege im Internet, die alle an verschiedenen Plätzen in Europa beginnen und alle in Spanien, in Santiago des Compostella, enden. Da ich meine Fitness eher als durchschnittlich einstufe, entschied ich mich für den bequemsten Spanischen Jakobsweg, dem Camino Francés. Ich besorgte einen bekannten „gelben“ Reiseführer, der uns sehr behilflich war, weil er nicht nur die Karten und die genauen Abstände zwischen den Ortschaften enthält, sondern auch Adressen von bewährten Unterkünften und eine kurze Beschreibung davon. Aus Gewichtsgründen nahmen wir jedoch nicht den ganzen Reiseführer mit, sondern kopierten nur die Seiten von dem Streckenabschnitt, den wir pilgern wollten. So konnten wir die Seiten mit den bereits gelaufenen Strecken wieder vernichten. Jedes Gramm weniger zählt.

Aus Zeitgründen konnten wir drei uns jedoch nur einen Teil des Jakobsweges vornehmen. Für den gesamten Weg von ca. 780km benötigt man etwa sechs Wochen. Dabei rechnet man mit bis zu 35 Lauftagen zuzüglich einige Ruhetage. Diese sechs Wochen hatten wir aber nicht. Uns war nicht nur eine abwechslungsreiche Landschaft wichtig, sondern auch, dass „Start“ und „Ziel“ der Wanderstrecke problemlos zu erreichen sind. Die Strecke sollte landschaftlich alles enthalten: Etwas Wald, einige Felder, ein paar Hügel, etwas Flachland, kleine Ortschaften und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Wir entschieden uns, den Jakobsweg in Pamplona zu beginnen und bis nach Burgos zu pilgern. Das waren ca. 210km, die wir innerhalb zwölf Tagen zu bewältigen hätten.

Im Internet schaute ich mir mehrere Packlisten für den Rucksack an und schneiderte mir daraus meine eigene Liste. Auch gab Susan einige Tipps aus ihrer Pilgererfahrung. Auf meiner Einkaufsliste standen unter anderem ein leichter Schlafsack, Schlafsack-Inlett, ein ultraleichtes Besteck, Becher, ein Mikrofaserhandtuch, eine Regenjacke, zwei Abzipphosen, Blasenpflaster sowie drei Paar Hiking-Socken. Wenige Tage vor dem Abflug legten wir uns noch einen kleinen Notvorrat aus Müsliriegeln, Magnesiumbrausetabletten, Kaugummi, Glukosebonbons und 3-in-1 Kaffeepulvertütchen zu.

In den Wochen vor unserer Reise hatten Susan und ich, abgesehen von kleineren Strecken in der Stadt, auch zwei Probeläufe von etwa 19km auf einer Farm absolviert um unsere Ausrüstung auszuprobieren. Wir mußten ein Gewicht von etwa zehn Kilogramm tragen können und Schuhe, Strümpfe und Rucksack mußten bequem sitzen. Barbi bereitete sich in Swakopmund und auf ihrer Farm vor. Dann endlich, nach einer fast siebenmonatigen Vorbereitungszeit ging es los.

Barbi war schon eine Woche vor Susan und mir direkt nach Deutschland zu ihrer Familie geflogen. Kurz bevor sie flog verglichen wir unseren Rucksackinhalt. Ich glaube, dass die meistgesprochenen Worte vor unserer Reise: „Das wiegt ja fast gar nichts“ waren. Doch beim Packen stellten wir fest: zehn Kilogramm kommen schnell zusammen.



4. und 5. September

Susan und ich hatten am 4. und 5. September einen Flug-Marathon vor uns. Wir flogen mittags von Windhoek nach Johannisburg und dann durch die Nacht weiter nach München, wo Barbi sich uns anschloss. Gemeinsam flogen wir gegen Mittag des nächsten Tages über Madrid nach Pamplona, wo wir am späten Nachmittag landeten. Mit einem Taxi ließen wir uns vom Flugplatz direkt in die Innenstadt zu unserem vorab gemieteten Apartment bringen. Mit ca. 36 € pro Person war das für uns drei finanziell machbar.

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