20 Mai 2020 | Kultur & Unterhaltung

Wir waren auch mal weg (8. und letzter Teil)

Pilgern auf einem Teil des spanischen Jakobsweges

Die Windhoekerin Agnes Hoffmann hat im vergangenen Jahr zusammen mit zwei Freundinnen vom 5. bis zum 18. September einen Teil des Jakobweges bewältigt. Nun ist sie ans Ende ihrer Reise angelangt.

19. September: Wir wurden pünktlich abgeholt und zum Flugplatz gebracht, von wo aus wir nach Deutschland zu unseren Kindern flogen. Dort verbrachten wir noch einige wertvolle Tage mit ihnen.



25. September: Susan und ich trafen uns nachmittags auf dem Frankfurter Flughafen und flogen abends über Johannesburg wieder nach Windhoek zurück, wo wir gegen Mittag des folgenden Tages angekommen sind.

Das Eingewöhnen in den Alltag fiel mir sehr schwer. Vor allem am Morgen verspürte ich lange einen unwahrscheinlichen Drang den Rucksack aufzuschnallen und loszulaufen. Ich fühlte mich im Büro wie gefangen. Ob der Geist des heiligen Jakobus‘ vielleicht doch einen Einfluss auf mich hatte? Es dauerte einige Wochen bis ich es übers Herz brachte, meinen Rucksack wieder in den Schrank zu stellen.

Diese Reise und die wertvollen Erfahrungen auf dem Jakobsweg wird mich noch eine ganze Weile begleiten. Ich habe fest vor, in absehbarer Zeit diesen Weg weiter, oder einen anderen Jakobsweg zu laufen.

Buen Camino

Agnes Hoffmann

P.S.: Nachdem dieser Bericht in der Allgemeinen Zeitung erschienen ist, werde ich oft gefragt, was mir der Weg nun eigentlich gebracht hat. Auch Bemerkungen wie: „Da ist ja gar nicht viel passiert“, habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder gehört.

Daher möchte ich folgendes anmerken: Es SOLL auf dem Jakobsweg auch nicht viel passieren. Wer spannende Abenteuer sucht, ist auf dem Jakobsweg falsch. Dieser Weg dient dazu, mal etwas in sich zu gehen; zur „Basis“ zurück zu finden. Sich auch mal zu fragen „wo stehe ich gerade in meinem Leben und wohin soll die Reise gehen?“ Vielleicht auch mal ein wenig dankbar sein, das man – vor allen, wenn man nicht mehr so ganz jung ist – so einen Weg überhaupt noch körperlich bewältigen kann.

Wenn ich mir überlege, das Pilger vor hunderten Jahren nicht solch bequeme Ausrüstung oder saubere Herbergen hatten wie wir, wächst die Achtung vor ihren Leistungen und der Stolz, einen Teil genau dieses Weges gegangen zu sein. Man sollte sich auf einem Pilgerweg die Zeit nehmen sich aufmerksam umzuschauen und bewußt sehen: Die Felder und Wälder, die kleinen Städte mit den uralten Fassaden und historischen Sehenswürdigkeiten, die wunderschönen Kirchen und andere Bauwerke, die herrlichen Farben der Natur zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und nicht zuletzt die leise vor sich hin plätschernden Bäche und Flüsse mit glasklarem, kühlen Wasser, die man auf uralten Brücken überqueren kann. Ist das alles so unbedeutend und selbstverständlich?

Ich meine, nein.

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