08 Januar 2019 | Geschichte

„Wir besitzen keine Museen“

Umstrittenes Protokoll stammt nicht vom MAN und entbehrt jeglicher Wahrheit

Ein sich im Umlauf befindendes Protokoll des Namibischen Museumsverbandes entpuppt sich als scheinbar gezielte Fehlinformation. Laut MAN sei dies dem Swakopmunder Museum so vermittelt worden, doch hatte der Verband nicht damit gerechnet, dass das gefälschte Dokument auch weiteren Interessenträgern zugespielt würde.

Von Frank Steffen, Windhoek

Eine zornige Ndapewoshali Ashipala, Büroleiterin des Namibischen Museumsverbandes (MAN), stellte kategorisch fest: „Dieses Protokoll entbehrt jeglicher Wahrheit. Niemals würden wir solch ein Dokument in den Umlauf bringen, denn es entspricht weder unseren Zielen noch der Wahrheit. Umstrittene Meinungen sind nun Mal Teil einer Konferenz, aber das Dokument beinhaltet vieles, was in dieser Art nie bei einem MAN-Forum besprochen wurde.“ Sie befand sich in Besitz des besagten Dokumentes, das ihr vom Swakopmunder Museum zugeschickt worden war.

Verschiedene Anrufe der AZ beim MAN bleiben im Dezember 2018 unbeantwortet und nahmen sich Ashipala sowie MAN-Direktor Dr. Jeremy Silvester und Nehoa Hilma Kautondokwa, Museums-Entwicklungsdirektorin, nun die Zeit, sich mit dem der AZ zugespielten Protokoll des MANs zu befassen (AZ berichtete). Darin war die Forderung enthalten, namibische Museen zu dekolonisieren und sogar zu verbrennen. „Diese Behauptung mag sogar irgendwann mal von jemanden aufgestellt worden sein, aber nicht bei der ‚Namibian Heritage Week‘, die wir in der Tat im September zusammen mit der Universität Basel abgehalten haben“, erklärte Silvester. Er und seine Kollegen seien nach Ablauf der dreitägigen Konferenz mit dem Thema „Vergangenes, gegenwärtiges und künftiges Erbe Namibias“ eigentlich sehr zufrieden gewesen.

Aus einer Pressemitteilung dieser Zeit (ein Protokoll muss laut Silvester und Ashipala noch erst erstellt werden), wird deutlich, dass die Konferenz mit mehr als 100 Teilnehmern tatsächlich als großer Erfolg gefeiert wurde. Unterstützt wurde dieses MAN-Unternehmen von Honoratioren aus dem Ausland sowie Inland - von der Unam sowie der Universität Basel, aber auch der Schweizer „Carl Schlettwein Stiftung“ und der Commonwealth-Museumsvereinigung. Die Themenvielfalt beinhaltete das Thema Genozid als Erscheinung auf der namibischen sowie afrikanischen und internationalen Bühne, und endete nicht zuletzt bei der Überwindung von scheinbaren Grenzen, welche die Entwicklung eines jeweiligen Stolzes auf die eigene Kultur unterbinden und somit eine eigene Identität verhindern. Dabei ging es auch um die Rückführung von kolonialistischen Beutegütern und der gemeinsamen Aufarbeitung der namibischen Geschichte, nicht nur aus hiesiger Sicht, sondern in Zusammenarbeit mit den ehemaligen Unterdrückern.

Im letzten Paragrafen kommt die MAN-Mitteilung dann auch auf den „starken und leidenschaftlichen Beitrag“ des Nashilongweshipwe Mushaandja zu sprechen, der als Diskussionsteilnehmer im Wesen genau die Themen ansprach, die in dem umstrittenen, der AZ vorliegenden „Protokoll“ zum Ausdruck kommen. Allerdings habe Mushaandja nur „metaphorisch angedeutet, dass die Museen gesprengt gehören, damit sie einer neuen Form des kulturellen Ausdrucks weichen können - einer Umgebung in der Vielfalt toleriert und Meinungsfreiheit geduldet wird“.

„Wir besitzen keine Museen und können daher Konferenzen gestalten und die Zusammenarbeit zwischen den Museen zur Geschichtserhaltung anstrengen“, betonte Silvester. Eine Einmischung in die Gestaltung einzelner Museen (inklusive Staat) sei aber nicht möglich. Allerdings soll sich das laut Ashipala ändern, wenn mit EU-Unterstützung demnächst ein neues Musik-Museum bei Omuthiya sowie ein Eco-Museum in der Sambesi-Region (Teil des KAZA-Konzepts) entstehen sollen. Außerdem sollen zwei Mobil-Museen sich mit den Ondonga- und San-Kulturen befassen und zwei Jahre lang Schulen im Lande besuchen. Kulturstolz sowie Toleranz sollen gefördert werden und das „die“ zugunsten des „wir“ entfallen.

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