06 Dezember 2002 | Kultur & Unterhaltung

Windhoekerin Beate Baumgartner im Finale des österreichischen "Starmania"-Wettbewerbs

Vor einem Jahr hat sie noch in der Schülerband der Deutschen Höheren Privatschule Windhoek gesungen, jetzt wird sie als die neueste Entdeckung auf dem österreichischen Popmarkt gefeiert: Beate Baumgartner hat es ins Finale des Popidol-Wettbewerbs "Starmania" geschafft. Doch der Ruhm hat seinen Preis.

"Ich check das noch nicht ganz", sagt Beate. Ihre Stimme klingt klein und erschöpft über das Telefon aus dem rund 10000 Kilometer entfernten Wien. "Plötzlich werde ich dauernd auf der Straße angesprochen, muss Autogramme verteilen. Gestern wurde ich den ganzen Tag von Kameras verfolgt. Aber es ist trotzdem schön, alle sind so nett zu mir."


Seit Montag Abend ist Beate Baumgartner in Österreich ein kleiner Star. Für die 19-jährige ehemalige DHPS-Schülerin ist ein Traum in Erfüllung gegangen, den Tausende Jugendliche träumen: als Popsängerin groß rauszukommen. Sie ist eine von zwölf Finalisten des Starmania-Wettbewerbs im österreichischen Fernsehsender ORF.





(Zitat freistellen): "Du hast das Zeug zum Star"





Mit Whitney Houstons "I will always love you" sang Beate sich am Montag ins Finale. Das Publikum war begeistert, die Moderatoren ebenso. "Du hast das Zeug zum Star", meinte Promi-Panel-Mitglied Joesi Prokopetz in der Livesendung. "Du kannst auf einer Bühne stehen und die Bühne ist ausgefüllt", lobte auch "Rounder"-Girl Tini Kainrath die Namibierin vor laufender Kamera. Manfred Wodara, Deputy Managing Director der Plattenfirma Warner Music Austria, würde sie laut Starmania-online am liebsten gleich unter Vertrag nehmen.


Angebote von Produzenten hat Beate schon einige bekommen. "Sie hat jetzt so viele Chancen. Ich bin überzeugt, dass sie es im Showbusiness schaffen kann", so der stolze Vater Fritz. Er hat die Livesendung von Windhoek aus im Internet verfolgt. Mutter Mara Baumgartner, ehemalige Fernsehmoderatorin der Namibian Broadcasting Corporation (NBC), konnte ihrer Tochter gleich persönlich gratulieren. Das ORF hatte sie für die Sendung aus Namibia eingeflogen - eine gelungene Überraschung. "Mir blieb glatt die Luft weg", erzählt Beate zwei Tage später am Telefon. "Ich kann es jetzt noch gar nicht fassen."


Mara Baumgartner ist dabei, wenn ihre 19-jährige Tochter nun von einem Fernsehinterview zum nächsten hetzt. Dabei kommt auch immer wieder die Frage auf, ob die Gewinner von Starmania tatsächlich nur über Telefon-Voting vom TV-Publikum ausgewählt werden. Hätte das ORF die Mutter eingeflogen, wenn Beates Sieg nicht vorhersehbar gewesen wäre? Der junge Star hält sich bedeckt. "Offiziell heißt es, dass allein das Publikum bestimmt."





((Zitat freistellen: "Rythmus im Blut"))





Vater Fritz, gebürtiger Österreicher, kann sich vorstellen, dass seine Tochter schon vorher als heimliche Favoritin gehandelt wurde. "Vielleicht ist das aber auch der Exotenbonus: Sie ist multikulturell aufgewachsen, spricht gutes Englisch und hat afrikanische Gene. Das heißt Rythmus im Blut."


Ob er Beate raten würde, ihr geplantes Jurastudium in Graz an den Nagel zu hängen? "Sie hat Talente, die sie einfach nutzen muss", so Fritz. Mit 13 hat die gebürtige Windhoekerin die Hauptrolle in dem Musical "The Wizard of Oz" an der DHPS gesungen. Mit 17 wurde sie Miss DHPS und erste Prinzessin bei den landesweiten Miss-Teen-Wahlen. Ein Jahr nahm sie Gesangsunterricht am College of the Arts. 1999 gründete sie gemeinsam mit vier Freundinnen die DHPS-Girlgroup "Sweet Chilli". Die Gruppe trat bei zahlreichen Live-Events in Windhoek auf und sollte sogar mal als Vorgruppe für Lucky Dube spielen. Im vergangenen Jahr produzierten die fünf "Sweet Chilli"-Mädels eine CD mit sechs eigenen Songs bei NBC.


"Wenn es einen Gott gibt, dann hat er Beate in die Welt gesetzt, um ins Showbusiness zu gehen", meint auch "Sweet Chilli"-Mitglied Tanya Davidow aus Windhoek. Panel-Mitglied Prokopetz: "Liebe Beate, Du brauchst nicht in die Medien zu gehen, die Medien werden zu Dir kommen. Du brauchst nicht in die Kanzlei zu gehen, die Anwälte werden sich darum reißen, Dich zu vertreten."


Beate selbst mag dem unerwarteten Erfolg noch nicht ganz trauen. Das aktuelle Semester ihres Vorstudiums will sie sausen lassen. Im nächsten Jahr könne sie dann ja weitermachen - je nachdem, was in der Zwischenzeit passiert.


Die kommenden drei Monate jedenfalls sind ausgebucht: Proben, Proben, Proben. Mit einem Gesangslehrer feilen die zwölf Finalisten an ihren Tönen. Choreografen üben Tanzschritte mit ihnen ein und arbeiten am Ausdruck. Eine ORF-Stylistin holt mit geschicktem Make-up und Kleidungsauswahl das Beste aus jedem Typ.





((Zitat freistellen:)) "Ich will Dich zärtlich und sexuelle verwöhnen"





Das Expertenteam hatte schon in der vergangenen Woche intensiv mit den 48 Semifinalisten gearbeitet. Diese wurden durch die Jury aus 1700 Kandidaten ausgewählt, die es durch das erste Casting - angeblich das härteste der österreichischen Popgeschichte - geschafft hatten. In zwölf Livesendungen soll nun jeweils einer der zwölf Starmania-Finalisten ausscheiden. Bis zum Ende schafft es nur Einer.


Für Beate ist der ganze Rummel jetzt schon nicht mehr reiner Spaß. "Ein bisschen Angst macht mir das ganze ja schon", sagt sie am Telefon. "Ich habe gestern eine SMS bekommen: "Ich will Dich zärtlich und sexuell verwöhnen.` Da muss man versuchen, cool zu bleiben. Momentan bin ich aber noch ganz durcheinander. Als ich in einem Fernsehinterview gefragt wurde, ob ich Weihnachten mit meiner Familie feiern will, bin ich vor laufender Kamera in Tränen ausgebrochen. Man ist ständig unter Leuten und trotzdem irgendwie alleine.'

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