14 Mai 2019 | Wetter

Windhoek droht Wassernot

Stadtdirektor vertraut auf das Sparvermögen der Einwohner

Bei einer gestrigen Pressekonferenz stufte der Stadtdirektor, Robert Kahimise, nun nach Rücksprache mit dem zuständigen Gremium den bestehenden Wasserpegel der Dämme sowie den Wasservorrat im Windhoeker Aquifer formell als Kategorie D ein - die letzte Stufe vor einer Rationierung, wie sie in Kapstadt galt.

Von Frank Steffen, Windhoek

Seit der Dürre in den Jahren 2015 und 2016 gibt es die fünf Kategorien A bis E, laut denen der staatliche Wasserversorger NamWater gemeinsam mit den Städten - in diesem Fall die namibische Hauptstadt - den Wasservorrat beobachtet und plant. Dem folgt eine Einstufung gemäß der Grafik.

„Das heißt wir müssen unseren Wasserverbrauch im Vergleich zum Normalverbrauch um 15 Prozent verringern. Windhoek steht ab sofort nur noch 465000 Kubikmeter pro Woche zur Verfügung. Wir wissen alle was noch vor einem Jahr in der Kap geschah, als sich die Menschen täglich mit ihren Gefäßen anstellen mussten, damit ihnen ihre Tagesration verabreicht werden konnte. Eine solche Situation wollen wir unbedingt vermeiden und basierend auf unseren vorigen Notzuständen habe ich das feste Vertrauen, dass die Einwohner Windhoeks es auch diesmal schaffen“, erklärte Kahimise an die Medien gewandt.

Die Wasserstrategie für das kommende Jahr bzw. die anstehenden beiden Jahre (bis 2021) wird normalerweise im April ausgearbeitet und entschieden, wonach sie im Mai angekündigt wird. Im vergangenen Jahr stieß die Stadt auf heftige Kritik, als sie den Stand und die Planung erst im August veröffentlichte und zu dieser Gelegenheit sofort Tariferhöhungen und Sparmaßnahmen ankündigte.

Diesmal zwingt allein die Not die Stadt zu schnellerem Handeln, denn das staatliche Wasseramt NamWater hatte der Stadt nahegelegt, dass ihre Reserven (hauptsächlich aus den Dämmen der Zentralregion) für die restliche Planungszeit 2019/20, nur eine Lieferung von 163 712 m³ pro Woche zulassen. „Wenn NamWater früher unser Hauptlieferant war, hat sich das längst geändert und darum sind wir teilweise auf uns selbst gestellt“, erklärte Kahimise. Dem fügte er hinzu: „35 Prozent unseres Wassers stammt von NamWater und etwa 26 Prozent von WINGOC. Die restlichen 39 Prozent kommen aus unseren stadteigenen Bohrlöchern, also hauptsächlich aus dem Aquifer südlich der Stadt. Jetzt wissen Sie, warum wir diese Ressource schützen. Jedes bisschen, das wir sparen, kommt diesem Aquifer zugute und dabei ist wichtig zu begreifen, dass dies letztendlich ein limitierter Brunnen ist.“

Wasseraufbereitung teuer

Die Stadt und der Staat hätten sich jetzt entschieden, ein weiteres Gammams-Wasserwerk zu errichten. Bei einem erwarteten Kostenaufwand von etwa 800 Millionen N$ sei das Problem dann aber nicht gelöst, denn weitere 800 Mio. N$ bis eine Milliarde N$ seien nötig, um das somit halbgereinigte Wasser (sogenanntes „semi-purified“ Wasser wird für den Straßenbau und sonstige Bauarbeiten benutzt) auch in einen trinkbaren Zustand zu versetzen. Windhoek reinigt seit Jahren mehr Wasser als die WINGOC-Anlage letztendlich in Frischwasser verwandeln kann - das beruht auf der Tatsache, dass die Gammams-Kläranlage eine höhere Kapazität hat als WINGOC, dass darum dringend mit der Hilfe der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verbessert werden soll.

Kategorie D setzt zunehmende Pflichtsparmaßnahmen voraus. Kahimise zeigte sich optimistisch: „Die Windhoeker Einwohner haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 9 Prozent weniger Wasser als unter Normalzuständen verbraucht. Unser Ziel war zwar 10 Prozent, doch wird hierdurch deutlich, dass der gute Wille besteht.“ Der städtische Pressesprecher Harold Akwenye versprach in diesen Tagen eine Bewusstseinskampagne starten zu wollen: „Wir brauchen die Hilfe der Presse, damit die Einwohner besser informiert sind.“ Auf die AZ-frage warum der Verbrauch oder die Ersparnisse nicht per Stadtteil bekanntgegeben werden, damit die Einwohner wissen wer sich verbessern muss, erklärt der für die städtische Wasserplanung zuständige Ingenieur, Sebastian Husselmann, dass die System momentan eine solche Messung nicht erlauben, aber „wir arbeiten daran“.

Husselmann wies indessen auf die marode Wasserinfrastruktur der Stadt: „Die Systeme sind veraltet und nie instand gehalten worden - das rächt sich jetzt. Wir kommen oft den Anrufen der Einwohner gar nicht so schnell hinterher, wie sie uns Lecke melden. Uns fehlen die passenden Rohre, weil sich die Maße und Verbindungsstücke geändert haben. Dabei geht viel Wasser verloren, doch bitten wir die Einwohner um Geduld - wir geben unser Bestes unter schwierigen Voraussetzungen. Kahimise gelobte Besserung: „Wenn wir den Bürgern Sparmaßnahmen aufzwingen, müssen wir selbst diesen Weg befolgen.“

Wasserverbrauch ab dem 1. Juli 2019:

Bewässern:

-Rasenflächen nur mit halbgereinigten Wasser

-Keine Sprüher & keine neuen Gartenanlagen

-Bäume, Büsche Fettpflanzen mit Eimer einmal pro Woche

-Blumen, Gemüse und öffentliche Gärten zweimal pro Woche mit Eimer

-Bewässerungsverbot von 10 bis 16 Uhr (Sommer: 9 bis 17 Uhr)

Waschanlagen

-Autowaschen zuhause verboten

-Qualifizierte Waschanlagen nur 30 Liter pro Fahrzeug

-Zementflächen dürfen nicht abgespritzt werden

Wasseranlagen

-Öffentliche Bäder müssen sparen

-Privatschwimmbäder abgedeckt

-Springbrunnen & Wasserfälle verboten

-Wasserkühler und Vernebelungssysteme verboten

Tarife

-Dürretarife mit Maximalverbrauch 25 Kiloliter pro Monat

-Keine Rabatte für Wasserlecke (Zero-Kulanz)

-Verbraucher müssen Wasseruhr beobachten

-Wenn auf Reisen, Haupthahn zudrehen

-Vorsorge gegen Abwasservergiftung

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