12 Januar 2018 | Natur & Umwelt

Wildpferde vorm Aussterben bedroht

Anhaltende Dürre und Hyänen dünnen den Bestand der Garub-Pferde aus

Die Handelskammern von Aus und Lüderitz richten gemeinsam mit der „Aus Lüderitz Business Action Group“ ein dringendes Plädoyer an alle Instanzen, sich dringend mit dem Erhalt der Garub-Wildpferde in der Namib zu befassen. Die Dürrezustände und Hyänen haben den Bestand massiv vermindert.

Von Frank Steffen, Windhoek/Aus

Im Oktober 2017 hatte die AZ ihre Leser konkret um ihre Meinung über die Wildpferde befragt: „Die Existenz der Wilden Pferde im Süden Namibias ist immer stärker bedroht, nachdem deren Zahl in Folge der Dürre nunmehr auf 110 Tiere und somit binnen zwei Jahren um 60% geschrumpft ist und seit 2013 kein Fohlen mehr überlebt hat. Soll der Mensch eingreifen und die Tiere retten oder der Natur ihren Lauf lassen?“ Mehr als 86% der Umfrageteilnehmer waren der Meinung, dass der Mensch eingreifen sollte „denn es handelt sich auch um eine starke Touristenattraktion“, während knapp 13% gegen ein Eingreifen war.

In einer Mitteilung der Lodge-Gruppe Gondwana zeigt sich diese besorgt wegen der vom Aussterben bedrohten Tiere, weist aber darauf hin, dass sich die Organisationen „Namibia Wild Horses Foundation” (NWHF) und „Aus-Lüderitz Tourism & Business Action Group“ demnächst mit dem Umweltministerium (MET) treffen wollen, damit eine Lösung gefunden und die Zukunft der Wildpferde auf der Garub-Fläche gesichert werden kann.

„Das Schlimme ist, dass dies zu lange dauert. Diese Pferde sind jetzt bedroht und zwar ernsthaft. Es muss schneller und effizienter eingegriffen werden und da bleibt uns keine Zeit für Treffen, die zu weiterer, langwieriger Bürokratie führen. Wir sind auf die Hilfe des MET angewiesen“, zeigte sich Bernd Römer höchst besorgt während eines Telefongesprächs mit der AZ. Die Dürrezustände hätten sich im tiefen Süden kaum verbessert und seit dem Jahr 2015 habe man bereits mehr als 1,5 Millionen N$ an gespendeten Futter an die Wildpferde verteilt.

Durch die anhaltende Trockenheit hat sich der normale Beutebestand der Tüpfelhyäne in dieser Gegend stark reduziert, weshalb sich die Hyänen jetzt an die Pferde, einer einfachen Beute, halten. Laut einer gemeinsam von Römer und Piet Siegers erstellten Mitteilung, sehen sich die letzten 86 Pferde (35 Stuten und 51 Hengste) verstärkt den Angriffen von Hyänen ausgesetzt, obwohl diese mit Rinder-, Pferde- und Oryx-Kadavern gefüttert werden. Römer und Swiegers befürchten einen entstehenden „genetischen Engpass“ aufgrund der Tatsache, dass bereits seit fünf Jahren kein Fohlen mehr überlebt hat.

Die beiden Aktivisten zählen die Garub-Wildpferde „zu einer der zehn wichtigsten Sehenswürdigkeiten Namibias, das daher als nationales Erbe eingestuft werden sollte, bevor es unwiederbringlich verloren ist.“ Sie vertreten die Meinung, dass die Wildpferde der Namib wesentlich zum Tourismus beitragen würden. Das Aussterben der Tiere würde sich demnach bestimmt nachteilig auf die Wirtschaft des gesamten Südens auswirken. Sie befürchten einen massiven Einkommensverlust, der die Beschäftigung der lokalen Bewohner Namibias in Gefahr stellen kann.

Man habe dem MET zwei Lösungen vorgeschlagen erklären die Aktivisten ferner: Entweder werden die Hyänen gefangen und weiter südlich ausgesetzt, wobei der Nachzug neuer Hyänen besser kontrolliert werden könne und die Pferde eine Chance bekämen sich zu erholen, oder man erlaube der NWHF als vorläufige Treuhänder, die Pferde auf benachbarte Farmen zu treiben, wo die Pferde sich erholen und nach verbesserter Umweltlage und Kondition zurück auf die Garub-Fläche getrieben werden können.

Das Argument des MET, dass die Pferde keine einheimischen Tiere seien, lässt Römer nach mehr als 100 Jahren nicht gelten, denn es sei verkehrt, diese jetzt noch als „exotische Eindringlinge“ einzustufen. Die Pferde hätten sich früher selbst behaupten können, bis die Tüpfelhyäne aufgrund der staatlichen Wasserstellen in die Garub-Fläche gezogen seien.

In dem Schreiben teilen Römer und Swiegers mit, dass das Tourismus-Direktorat des MET mittlerweile die Bedeutung der Pferde als Tourismus-Magnet verstehe, doch scheiterten die Vorschläge der Interessenträger an einem MET, das sich ziere eine Entscheidung zu treffen und sich stattdessen zum Nachteil der Pferde - denen die Zeit davonrennt - mit Paragrafenreiterei beschäftige.

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