25 November 2005 | Politik

Wiedergutmachung bleibt tabu

Bei den deutsch-namibischen Gesprächen auf höchster Regierungsebene in der kommenden Woche will die deutsche Seite nicht über eine Wiedergutmachung als Folge des Herero-Krieges von 1904 reden. Dafür geht es um Versöhnungsinitiative, Entwicklungshilfe und Landreform.

Windhoek - Das sagte Ute König, Botschaftsrätin der deutschen Botschaft in Namibia, gestern und reagierte damit auf einen Medienbericht. In den NBC-Radio-Nachrichten hieß es am Donnerstag, dass Namibias Präsident Hifikepunye Pohamba während seines Staatsbesuchs in Deutschland das Thema Wiedergutmachung anschneiden wolle. "Wir werden nicht über Reparationen sprechen, das steht nicht auf der Tagesordnung", so König.

Stattdessen werde man über die ins Stocken geratene Versöhnungsinitiative diskutieren, die im Mai 2005 von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul angekündigt wurde. Danach sollen in den nächsten zehn Jahren mit einem Aufwand von 20 Mio. Euro (N$ 160 Mio.) "konkrete Entwicklungsmaßnahmen in den Siedlungsgebieten der Herero, Damara und Nama gefördert werden", so das Ministerium. Bislang hat sich die namibische Regierung noch nicht offiziell zu diesem Vorschlag geäußert. "Wir wollen einen Weg finden, dass diese Initiative vorankommt", sagte König, die überzeugt ist, dass der Dialog "mit einem Ergebnis enden wird".

Aus aktuellem Anlass werde bei den Gesprächen in Berlin ein Hauptaugenmerk auf die Fortsetzung der Entwicklungszusammenarbeit beider Länder gelegt. Dies soll richtungsweisend für die Verhandlungen am 8. und 9. Dezember in Namibia sein, wo über die Projekte im Zeitraum 2006/07 entschieden wird. Deutschland unterstützt Namibia derzeit jährlich mit 12 Mio. Euro (N$ 96 Mio.). Wieczorek-Zeul hatte in diesem Jahr angekündigt, den Etat ab 2006 zu verdoppeln.

Die Landreform sei ebenfalls "Teil der Diskussionen", sagte Botschaftsrätin König. Das Büro von Bundespräsident Horst Köhler bestätigte bereits auf AZ-Nachfrage, dass sich dieser mit Pohamba über das sensible Thema unterhalten wolle. Von einer erfolgreichen Landreform könnten stabilisierende Wirkungen für die ganze Region ausgehen, nicht zuletzt auf Simbabwe, erläuterte Martin Kothé, Sprecher des Bundespräsidenten, die Intentionen. Es sei deshalb Voraussetzung für den Erfolg der angestrebten Landreform, am Prinzip "willing seller, willing buyer" festzuhalten.

Präsident Pohamba wird am Sonntagabend in Frankfurt/M. eintreffen, am Montag beginnt das offizielle Programm seines ersten Staatsbesuches in Deutschland bzw. Europa im Präsidentenamt. In Berlin wird er neben Bundespräsident Köhler auch die frisch gewählte Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Minister aus ihrem Kabinett und Bundestagsabgeordnete treffen. Die fünftägige Reise führt weiter nach Stuttgart und Hamburg, wo Wirtschaftsbelange im Vordergrund stehen. So findet in der baden-württembergischen Hauptstadt ein Namibia-Forum der Initiative der deutschen Wirtschaft für das südliche Afrika (SAFRI) mit mehreren Unternehmern statt. Begleitet wird der Präsident sowie seine Kabinettsmitglieder von über 30 Repräsentanten aus privaten, halbstaatlichen und staatlichen Firmen.

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