29 Juni 2016 | Kommunikation

Wie Sie mit dem Internet fernsehen

Es wird immer beliebter und komfortabler: Fernsehen per Internet. Was die Voraussetzungen dafür sind und worauf Sie achten sollten – vor allem hier in Namibia erklären wir Ihnen in dem folgenden Beitrag.

Im Prinzip brauchen Sie um z.B. deutsches Fernsehen über das Internet zu schauen nicht viel: ein PC, ein Tablet oder ein Smartphone sowie eine Internetverbindung. Das reicht bereits um einen so genannten TV Live Stream – also Fernsehsendungen in Echtzeit via Internet ansehen zu können. Allerdings gibt es jedoch einige Einschränkungen bzw. muss man auf gewisse Kniffe achten und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit das Onlinefernsehen kein Frust, sondern ein Genuss wird.

Wie funktioniert Internet TV Live Streaming?
Im Prinzip ist das Ansehen eines TV Live Streams ganz einfach. Sie besuchen die jeweilige Internetadresse des gewünschten Senders und suchen nach den Live-Angeboten. Mit einem Klick gelangen Sie auf die Live-Streaming-Seite des Senders, wo Sie sich das Angebot ansehen können. Manchmal sind spezielle Plug-Ins oder Wiedergabeprogramme erforderlich, um ein TV-Live-Streaming-Angebot abspielen zu können. Viele dieser Plug-Ins sind aber bereits in ihrem Internetbrowser integriert, womit diese Streams sofort aufgerufen werden können.
Der große Vorteil des TV Live Streaming ist natürlich die Übertragung in Echtzeit. Bedeutende Ereignisse können unabhängig vom Aufenthaltsort direkt ohne Zeitverzögerung verfolgt werden; oft bieten bspw. ­Nachrichtendienste diese Onlineübertragung von politischen oder kulturellen Veranstaltungen und Geschehnissen ­kostenlos an. Und der Verbraucher bleibt am Puls der Zeit und kann bei wichtigen Entwicklungen mitreden.

Wichtigste Voraussetzung: Schnelles Internet
Ein entscheidender Nachteil ist aber, dass die Bild- und Tonqualität eines solchen Live-Stream-Dienstes nicht immer den Erwartungen der Nutzer entspricht. Die Übertragung verläuft zuweilen stockend und der Stream muss hin und wieder neu laden, was Verzögerungen mit sich bringt. Es kann auch zu Unterbrechungen kommen, was sekundenlange Empfangspausen versursacht. Allgemein hängt die Qualität der Übertragung von der Datenübertragungsrate ab.
Um diese Live-Stream-Angebote der Sender in guter Qualität abspielen zu können, ist eine schnelle, stabile Internetverbindung von mindestens 1 Mbit notwendig – das garantiert eine Echtzeitübertragung. Die Qualität ist jedoch an der unteren Grenze und weit davon entfernt, was beispielsweise mit dem Satellitenfernsehen auf dem herkömmlichen TV-Gerät möglich ist. Je schneller und stabiler Ihre Internetverbindung ist, desto besser wird die Qualität der Übertragung. Doch nicht nur die Schnelligkeit ist entscheidend.

Auch wichtig: Genügend Datenvolumen
Es gibt beinahe nichts Datenintensiveres als die hochqualitative Übertragen sich bewegender Bilder. Ein Live Stream schlägt, je nach Qualität, schon einmal mit acht bis 20 MB pro Minute zu Buche. Ein zweistündiges Fußballspiel benötigt somit gut ein bis drei Gigabyte an Daten! Also achten Sie genau darauf, ob Sie über ein ausreichendes Datenvolumen verfügen – vor allem wenn Sie über Ihr Smartphone via dem Mobilfunknetz verbunden sind. Wenn Sie also kein entsprechender Vertragskunde sind oder andere mit Datenpakete oder Sonderangebote nutzen, kostet jeder MB an Daten beispielsweise bei dem Mobilfunkanbieter MTC 90 namibische Cent – bei einem zweistündigen Fußballspiel sind das gleich 2700 N$!

Auch im Netz gibt es Grenzen
Und auch wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen, über schnelles Internet und genügend Datenvolumen verfügen, können sie zwar viele deutsche TV-Inhalte sehen, aber leider nicht alle. Insbesondere Sportübertragungen und Spielfilme, die aufgrund von Auflagen der Lizenzgeber nur in bestimmten Ländern übertragen werden dürfen, quittieren den Abruf mit einer solchen oder ähnlichen Fehlermeldung: „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar.“

Doch woher wissen die aus welchem Land ich die Seite aufrufe? Die Antwort: Jeder Internetnutzer erhält bei seiner Einwahl ins Internet eine IP-Adresse (Internet Protocol address) des Landes, in dem er sich gerade befindet. Greift er mit dieser IP-Adresse auf die Mediatheken ARD oder ZDF zu, registrieren die Betreiber anhand dieser IP den Standort des Seitenbesuchers und stellen fest, dass er sich offenbar nicht in Deutschland aufhält und so werden die Inhalte der Mediathek wie Sportübertragungen infolgedessen aus lizenzrechtlichen Gründen gesperrt. Dieses Verfahren ist bei vielen Online-Mediatheken üblich und wird auch als Geo-Blocking bezeichnet. Es gibt jedoch einige Tricks, um die Geo-Blockade aufzuheben.

Das Geo-Blocking umgehen
Eine Möglichkeit besteht darin, ein Virtual Private Network (VPN) einzurichten. Wer ein VPN nutzt, hat nicht nur den Vorteil, dass der gesamte Datenverkehr verschlüsselt und dadurch sicherer und anonymer wird, sondern erhält darüber hinaus auch eine neue IP-Adresse aus einem Land seiner Wahl. Beeinflussen kann der Internetnutzer seine IP-Adresse durch den Standort des VPN-Servers, mit dem er sich verbindet. Wählt er einen deutschen VPN-Server, erhält er demnach auch eine deutsche IP-Adresse, mit der problemlos alle Inhalte der ARD oder ZDF-Mediathek freigegeben werden, auch wenn er sich gerade nicht in Deutschland befindet.
Diese Methode ist rechtlich etwas bedenklich und keineswegs legal wenn es beispielsweise eine Kneipe diesen Weg nutzt, um Fußballspiele zu zeigen. Für Privatleute wird noch diskutiert, ob es wirklich illegal ist, mit einer Änderung der IP-Adresse den eigenen Standort zu „fälschen“. In den Augen von Lizenzgebern wie UEFA ist dies natürlich ­inakzeptable, weswegen im hier angebotenen Satelliten TV keine internationalen Fußballturniere zu sehen sind. Im Internet ist dies jedoch noch nicht eindeutig geregelt. Die legalen Anbieter von TV-Streaming-Diensten beginnen jedoch auf Druck der Lizenzgeber einzelne VPN-Anbieter zu sperren.
Der „richtige“ VPN-Anbieter
Um deutsches oder Schweizer Fernsehen komplett hier in Namibia über das Internet schauen zu können, braucht man also eine entsprechende IP-Adresse, die ein VPN-Dienstleister wiederum zur Verfügung stellen kann. Es gibt viele seriöse Anbieter. Beinahe alle, die dies auch ohne Einschränkungen der Nutzungsdauer, Geschwindigkeit oder Datenmenge bieten, sind aber kostenpflichtig. Sollten Sie einen solchen Dienst nutzen wollen, sollten Sie darauf achten, dass Sie keine langen Vertragslaufzeiten eingehen, denn jeder Zeit kann es dazu kommen, dass der TV Streaming Dienst eben genau diesen VPN-Anbieter versucht zu sperren. Es beginnt dann ein Katz- und Mausspiel: Der VPN-Anbieter ändert seine Konfiguration, es funktioniert wieder eine Weile, bis er schließlich wieder gesperrt wird. Googeln Sie einfach nach „VPN deutsche IP“ und klicken Sie sich durch die Ergebnisse und Erfahrungsberichte. Eine generelle Empfehlung kann aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten nicht gegeben werden.

Deutsche Live-Stream-Anbieter
Zattoo ist einer wohl bekanntesten TV Live Streaming Anbieter im deutschsprachigen Raum. Bei dem Anbieter handelt es sich um eine TV-Plattform aus der Schweiz, die ihren Nutzern umfangreiche Fernsehprogramme zur Verfügung stellt. Das Angebot von Zattoo beinhaltet mehr als 50 Fernsehprogramme ohne weitere Kosten; dazu gehören u.a. ARD, ZDF, Eins Plus, KIKA, 3sat, Sport1 oder CNN. Bevor das Angebot von Zattoo in Anspruch genommen werden kann, ist eine Registrierung notwendig. Dafür muss neben Name und E-Mail Adresse auch das Geburtsjahr angegeben werden. Das kostenlose Angebot wird durch kleine Werbeeinblendungen, die beim Umschalten auf andere Sender ausgestrahlt werden, finanziert.
Der TV Live Streaming Anbieter Wilmaa bietet seinen Service aus lizenzrechtlichen Gründen zurzeit nur in der Schweiz an. Es können daher nur Internetnutzer mit einer Schweizer IP-Adresse das Angebot nutzen. Eine Ausweitung des Anbieters auf weitere Länder ist geplant und man kann sich schon jetzt registrieren und den Newsletter abonnieren. Diese Anmeldung ist sinnvoll, wenn man erfahren möchte, wann Wilmaa im eigenen Land angeboten wird. Genau wie Zattoo wird auch Wilmaa über Werbung finanziert.

Internet- oder Satelliten-TV?
Wie Sie nach dem Lesen dieses Artikels sicher gemerkt haben, ist gerade hier in Namibia die Online-Fernsehübertragung in Echtzeit mit einigen Hürden verbunden und weit davon entfernt, stabil, kostengünstig und immer zur Verfügung zu stehen. Etwas technisches Verständnis erfordert der Online-Live-Stream schon und der Frust, dass genau bei dem entscheidenden Elfmeterschießen die Verbindung wieder einmal zusammenbricht, ist oft vorprogrammiert. Wenn Sie jedoch auf Echtzeit verzichten und stattdessen eine Folge „Tatort“ oder „Lindenstraße“ aus der ARD-Mediathek über Nacht herunterladen, können Sie diese Sendung dann in guter Qualität und ohne ins Stocken zu geraten sich anschauen – was in Namibia auch ohne VPN-Dienst möglich ist. Ein Besuch in der Mediathek von ARD oder ZDF ist durchaus zu empfehlen.

Stefan Peim,
Okahandja ([email protected])

Gleiche Nachricht

 

Mit Technik gegen Armut

vor 6 tagen - 11 Oktober 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) – Die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (Information and Communication Technology, ICT) kann sowohl zur Armutsbekämpfung, als auch zu besseren Dienstleistungen beitragen. Das...

ICT-Gipfel startet in Windhoek

1 woche her - 09 Oktober 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) - Heute Morgen wurde in Windhoek der vierte National Gipfel für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT bzw. Information and Communication Technology, ICT) gestartet. Das...

Funkendes „Wahrzeichen“: Paratus-Ricoh-Turm enthüllt

vor 1 monat - 13 September 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) - Der Kommunikationsanbieter Paratus Telecom hat den Schornstein des alten E-Werks in Windhoek renoviert, neu gestrichen und zum Funkturm umgebaut. „Bei der...

Paratus-Ricoh-Turm enthüllt

vor 1 monat - 12 September 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) - Der Kommunikationsdienstleister Paratus Telecom hat den Schornstein des alten E-Werks in Windhoek als Funkturm ausgestattet. Dabei hat das Unternehmen zusammen mit seiner...

Informatik-Branche drei Tage lang im Fokus

vor 1 monat - 29 August 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) • Rund ein Dutzend Sponsoren und zahlreiche Partner unterstützen in diesem Jahr den Gipfel der hiesigen Informations- und Kommunikationsbranche. Es handelt sich um...

Zugang zu ortsbezogenen Daten

vor 1 monat - 22 August 2017 | Kommunikation

Von Clemens von Alten, WindhoekGleich drei Minister wohnten der gestrigen Einweihung der Geodateninfrastruktur (National Spatial Data Infrastructure Namibia, NSDI) samt Online-Portal in Windhoek bei: Tjekero...

Geo-Daten jetzt abrufbar

vor 1 monat - 21 August 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) - Das namibische Statistikamt (NSA) hat heute die Geodaten-Infrastruktur Namibias samt Online-Portal vorgestellt. Diese Plattform soll es der Öffentlichkeit erleichtern, auf raumbezogene bzw....

„Die nächste Stufe“ vorgestellt

vor 2 monaten - 03 August 2017 | Kommunikation

Windhoek (kb) – Gestern hat der namibische Kommunikationsdienstleister Paratus Telecom eine neue Erweiterung ihres Cloud-Konzeptes vorgestellt. Einleitend erklärte Cobus Burger, Leiter der IT-Abteilung, dass die...

Schnellzugang zu Zahlen

vor 3 monaten - 06 Juli 2017 | Kommunikation

Windhoek (cev) • Alle offizielle Statistiken zu Namibia in der Tasche: Die namibische Statistikbehörde (Namibia Statistics Agency, NSA) hat gestern eine Smartphone-App vorgestellt, die dem...

Ermittlung läuft nach Razzia

vor 3 monaten - 30 Juni 2017 | Kommunikation

Von Clemens von Alten, WindhoekBei dem unlizenzierten Dienstleister handelt es sich um das südafrikanische Unternehmen Internet Solutions, das bereits Mitte vergangenen Jahres wegen unerlaubter Geschäfte...