31 August 2011 | Kommentar

Wie Privat und Staat funktioniert

"Geben Sie uns etwas Geld - der Privatsektor kommt schneller aus den Startlöchern. Wir gehen in die Regionen und schaffen Arbeitsplätze, anstatt auf die Vision 2030 zu warten." Der Appell von Vekuii Rukoro, Präsident des Arbeitgeberverbandes (NEF), an den deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel klingt zunächst ironisch, beinhaltet aber eine ernste Tatsache: Der Privatsektor ist besser dafür geeignet, mit (öffentlichem) Kapital Wirtschaftswachstum zu fördern und dabei Arbeitsplätze zu schaffen. Darüber, also über die (gewollte) Zusammenarbeit zwischen Privat und Staat, wurde zu Wochenbeginn anlässlich des Besuchs von Niebel auf einem Wirtschaftsforum in Windhoek diskutiert.

So abwegig ist der Vorschlag von Rukoro nicht. Die Kooperation von Privatsektor und öffentlicher Hand - was sich hinter dem Begriff Public Private Partnership, PPP - verbirgt, hat zum Beispiel die Ohorongo-Zementfabrik und in deren Folge auch das Projekt Energy for Future auf den Weg gebracht, wonach (durch Entbuschung) Brennstoff aus Biomasse für die Ohorongo-Öfen gewonnen wird und die Landwirtschaft von weiteren Nutzflächen profitiert. Von den hunderten neuen Arbeitsplätzen mal ganz abgesehen, die zum Erfolg beitragen.

Mit dem Global Compact Network bekommt die Kooperation zwischen Privat und Staat ein weiteres Gesicht. Aus dem sogenannten PPP-Fonds dieses Netzwerks kann Geld - immerhin bis zu zwei Millionen N$ - der (staatlichen) Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) für private Vorhaben fließen. Und zwar auch an Firmen, die dem klassischen Bild und Anspruch der Entwicklungshelfer hinsichtlich des Gutmenschentums nicht entsprechen. Siehe da, selbst die Pupkewitz-Gruppe - Synonym für ein kapitalistisch-vorbildliches Unternehmen - profitiert von Ideen und Geld aus diesem Fonds und hat es im Rahmen eines gemeinsamen Projekts geschafft, Produkte des eigenen Baumarkts in Gebieten zu verkaufen, die von vielen Handelsdienstleistungen nahezu abgeschnitten sind.

Ist damit nun das Ende der Sozialduselei in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eingeläutet? Das wäre überfällig, denn jahrelang wurden mit viel Illusionen und noch mehr Geld Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten für mittellose Menschen geschaffen, die spätestens dann wieder arbeits- und mittellos waren, als die Entwicklungshelfer und das Geld nach Projektende abgezogen wurden. Die Langfristigkeit eines profitablen Ablaufs bzw. Geschäfts - ob Produktherstellung oder Dienstleistung - und somit auch von Jobs ist eine Herausforderung, der die Privatwirtschaft besser gewachsen ist. Nicht zuletzt, weil die Geschäftswelt einschlägige Erfahrungen hat und unter Erfolgsdruck steht, sprich auf Profitabilität angewiesen ist. Die öffentliche Hand kann mit Finanz- und Risikobeteiligung helfen - wofür es jetzt schon praktische Beispiele gibt. So kann die Symbiose Privat und Staat funktionieren.

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