29 September 2021 | Natur & Umwelt

„Wie im Kindergarten“

Wasser in Umgebung von Bohrlöchern 30 Jahre unbrauchbar

Die Gemeinschaft der Leonardville-Umgebung spricht ihre Sorge sowie ihren maßgeblichen Unmut aus. Anders als ReconAfrica in der Kavango-Region trifft die russische Explorationsgesellschaft, die in dieser Gegend Uran mithilfe eines Laugenprozesses abbauen will, auf heftigen Widerstand unter der Lokalbevölkerung.

Von Frank Steffen, Leonardville/Windhoek

Vorgestern hatte das Umweltverträglichkeits-Fachunternehmen Environmental Compliance Consultancy (ECC) öffentliche Anhörungen in den Räumlichkeiten der Namibischen Wissenschaftlichen Gesellschaft abgehalten – gestern folgten solche Gespräche vor Ort, in dem Farmersaal von Leonardville.

Die Fachkraft von ECC, Stephan Bezuidenhout, und die anwesenden Vertreter des Unternehmens Headspring Investments (HI) – einer Filiale der russischen Firma Uranium One Rosatom, welches zum russischen Atomkrafthersteller Rosatom gehört – wurden mit Fragen von mehr als 100 Personen konfrontiert, die sie oft nicht zufriedenstellend beantworten konnten. Es geht dabei um den geplanten Uranabbau in der Umgebung von Leonardville, direkt am Nossob-Rivier und unmittelbar im dort befindlichen Aquifer.

„Dies ist wie im Kindergarten. Ich schlage vor, dass Sie nachhause gehen und ordentlich vorbereitet zurückkommen und uns die Fragen beantworten, die wir hier gestelt haben“, meinte eine frustrierte Farmersfrau Viktoria Shikongo und erntete Beifall. Farmer Wofgang Teichert von Blumfelde wies sehr bestimmt darauf hin, dass das Unternehmen auf Höhe mit dem artesischen Wasservorkommen Uran durch einen Laugeprozess (also einer chemischen, flüssigen Lösung) abbauen wolle, nachdem Anton Korobkin zugegeben hatte, dass das Unternehmen seine Bohrlöcher auf eine Tiefe von 140 Meter senken wolle. Die Uran-Lagerstätte befinde sich in den Tiefen von 100 bis 150 Metern.

Bohrloch bereits verdreckt

Es gab auch bereits einen Farmer, der sich darüber beschwerte, dass sein Bohrloch mit Öl verdreckt gewesen sei, nachdem HI vorher ein Explorationsbohrloch knapp 300 Meter von seinem Farmbohrloch gesenkt hatte. „Wenn Sie nicht erst auf einem solch kurzen Abstand Kontrolle über die Wasserverschmutzung ausüben können, wie wollen Sie das später“, wollte er wissen. Und tatsächlich gab einer der HI-Ingenieure später zu, dass man in Kazakhstan, wo das Unternehmen bisher hauptsächlich aktiv ist, davon ausgeht, dass „das Wasser in einem Umkreis von 100 Metern um eine Produktionsstätte für 30 Jahre unbrauchbar bleibt“.

Diese Aussage folgte einer intensiven Hinterfragung, wie angeblich nur 80 Prozent des Urans abgebaut werden solle und was mit den zurückgebliebenen 20% passieren werde. „Das bleibt Teil des Grundgesteins“, meinte HI. Daraufhin wollte Dr. Roy Miller, der als Hydrologe das Projekt sehr kritisch betrachtet, wissen, ob diese Art schnelle Antwort jemals durch bestehende Analysen und weitere Bohrproben bewiesen worden sei? Erneut fing HI an sich zu verzetteln, als es Antworten geben wollte.

HI hatte sich offensichtlich nicht darauf vorbereitet, Farmern Rede und Antwort zu stehen, die als studierte Ingenieure und Landwirte wissen, dass Wasser, welches mit einem Druck von 5 oder 6 Bar in den Boden gepresst wird, unweigerlich auch durch Lehmlagen dringt und somit die unteren wertvollen artesischen Gewässer erreicht.

EPLs gar nicht gültig

Bezeichnend ist, dass ein Farmer HI soweit brachte, zuzugeben, dass die Minenrechte für die beiden Prospektier-Claims EPL 4655 (aktuell für die Testbohrung, beziehungsweise für die Umweltverträglichkeitsbescheinigung anvisiert) und EPL4654 momentan seit Mai 2021 nach wiederholter Verlängerung gar nicht mehr gültig seien. „Der Bergbauminister hat uns bereits angedeutet, dass die Lizenz erneuert wird“, kam prompt die Antwort.

Verantwortliche unzugänglich

Wiederholte Zugeständnisse und Versprechen, sich nicht nur an die namibischen Gesetze zu halten sondern sogenannte internationale Best Practices zu befolgen, stießen beizeiten auf lautstarke Kritik, zumal immer wieder deutlich wurde, dass HI bereits seit Jahren auf den Farmen der Umgebung prospektiert, doch niemals den Farmern zur Verfügung steht, wenn diese mit einen der zuständigen Personen und Managern sprechen wollen. Dies wurde dadurch verschlimmert, dass ECC nun plötzlich die angewiesene Fachkraft für die Umweltverträglichkeitsprüfung ist (EIA), während ein anderes Unternehmen, Riskbased Solutions, die ursprüngliche EIA durchgesetzt hatte. Dadurch wurden scheinbar vorige Versprechen, eine regionale Wasserstudie auszuführen, nie ausgeführt.

Die Versicherung, dass Rosatom alle Verantwortung für Schäden, inklusive Gesundheistrisiken und –schäden aufkommen werde, stieß auf zynisches Gelächter, denn bisher sind alle Explorationsabkommen zwischen den Eigentümern des Grund und Bodens und HI abgeschlossen wurden – Rosatom kommt auf den Abkommen nicht zur Sprache.

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