06 Juni 2019 | Glosse

Wie Du lecker Zeit morschst und Ansprüche stellst

Oministeli Comräd Tjekero Tweya kommt über 30 Minuten zu spät für den zeremoniellen „ersten“ Spatenstich, der ebenfalls verspätet auf Elisenheim ausgeführt wird, denn die Bauarbeiten haben schon huka begonnen. Aber immerhin is der Stich noch vor dem Richtefest erfolgt. Oministeli Tweya is wortgewandt und sagt nach verspätetem Eintreffen, er sei verzögert worden. In politisch korrekter Sprache heißt das, a leader is never late, but only delayed. Um noch eins draufzusetzen spricht und deklamiert der Oministeli dann wortreich und viel zu lange, wahrscheinlich aus dem Grund, weil er vor einem Publikum hochqualifizierter Fachkräfte aus dem Bausektor, der Finanzwelt, der Unternehmer und der Geschäftswelt auftritt.

Man muss die Zeit, prime time am Vormittag, einfach mal zusammenrechnen, die pro Person den Berufsleuten kumulativ durch das verspätete Eintreffen und dann durch die viel zu lange Rede verlorengeht. Just vor diesen Tatmenschen gerät der Oministeli ins Schwärmen – und er bittet dafür sogar um Verständnis –, dass er das als Politiker durchaus dürfe. Er schwärmt davon, dass unser Land der Bravourösen imstande sei, künftig zu 100% allen Arbeit und Lohn zu verschaffen. Ein feines Luftschloss.

Wenn sich Oukies, Comräds, Tunten, Memes und Tanten an die fehlende Pünktlichkeit hielten, die der Oministeli vor den Werktätigen demonstriert, wäre unsere Arbeitslosigkeit von der aktuellen statistischen Marge von 27% bis 35 % – ´s kommt auf die Definition drauf an, die Du verwendest – muhts schon auf 50% gestiegen, geschweige denn seiner Hoffnung, die Arbeitslosigkeit mit Vollbeschäftigung auf Null herunterzufahren. Wenn wir alle so mit Zeit und (Un)Pünktlichkeit morschen, erreichen wir nich mal das Planziel 2030. Da wollen wir mos ´ne Industrienation sein.

Aber Comräd Tjekero hat wenigstens eine urnamibische Anekdote zum Besten gegeben, die unser Omupräsidente III ihm mitgeteilt hat:

Also: Omupräsidente !Gôahesab Hage Gottfried Geingob fährt wieder einmal in eine ländliche Region, um sich das Fußvolk anzuhören. Die Leut klagen, dass sie saffern (leiden is eine strapazierte Vokabel), denn es herrscht chronischer Wassermangel, so typisch für das Land zweier Wüsten, woraus manche schon Viere gemacht ham. Omupräsidente kehrt zurück nach Ovenduka und ruft den Landwirtschafts- und Wasserbauminister zu sich und fordert ihn auf, für Wasser zu sorgen. Gesagt getan. Nach einer Zwischenzeit fährt der Präsident wieder an denselben Flecken, wo Wassermangel herrschte. Erwartungsvoll kommt er an, denn er möchte Dank und Freude erfahren, dass die Leut nun Wasser ham. Ja, so ähnlich sagen die´s auch. Aber die saffern immer noch, so sagen sie. Erstaunt will der große Baas und erste Diener des Staates wissen, worin denn nun ihr Leiden und Schwerkriegen bestehe. „Wir möchten auch Trinkwasser in Plastikbotteln ham wie ihr Politiker und Städter!“

Oministeli Tjekero is darüber auch erstaunt, aber aus einem anderen Grund, als Du denkst. Er beurteilt es anerkennend, dass die Leut sich in ihrem Konsumdenken weiter entwickelt hätten. – Jesslaik, da biste sprachlos.

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